Miriam Fißmer und Jens Wittulski haben sich hingehockt, um zwei Esel zu streicheln.
Helga Körtke hält einem weißen Esel ihre Hand hin, die das Tier vorsichtig beschnuppert.

Team-Arbeit mit eigenwilligen Langohren

Mitarbeiter des Wittekindshofes aus Herford erhalten tierische Unterstützung, um Kraft für den Job zu tanken

Herford/Stemwede (HP). Weiches Fell, lange flauschige Ohren und treu dreinblickende Augen: Bernhard ist ein Tier wie aus dem Bilderbuch – aber keines, das sich einfach so knuddeln lässt. Denn Bernhard ist ein Esel und damit von Natur aus vorsichtig und sehr anspruchsvoll. Er lebt auf dem Eselhof Priesmeier in Stemwede und darf selbst entscheiden, mit welchen Menschen er Zeit verbringt. Wem er nicht vertraut, dem dreht er sein zotteliges Hinterteil zu. Eine Herausforderung für die Mitarbeiter der Diakonischen Stiftung Wittekindshof aus Herford, die ihren Team-Tag auf dem Eselhof verbringen. Sie wollen mithilfe der Tiere ihre eigene Wahrnehmung schulen und lernen, effektiver zu kommunizieren, um möglichst gesund durch den Arbeitsalltag zu kommen.

"Wir gehen auch ungewöhnliche Wege"

Ihre Teilnahme am Esel-Seminar ist Bestandteil der betrieblichen Gesundheitsförderung, die der Wittekindshof im Rahmen des Gesundheitsmanagements anbietet. „Um unsere Mitarbeiter gezielt zu stärken, gehen wir neue und manchmal eben auch ungewöhnliche Wege“, erklärt Diakonin Dr. Lieseltraud Lange-Riechmann, die das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) koordiniert. Das könne auch ein Erlebnis mit besonderen Tieren beinhalten, die die Mitarbeitenden dazu animieren würden, die eigene Körpersprache zu hinterfragen, um letztlich besser zusammenzuarbeiten.

Körperlich und psychisch anstrengend

Eine Fertigkeit, die für den Arbeitsalltag der Seminar-Teilnehmenden wesentlich ist. Sie alle sind in einem Wohnhaus in der Herforder Innenstadt tätig, in dem Menschen mit geistiger Behinderung leben, die einen besonderen Unterstützungsbedarf aufweisen. Den zu gewährleisten ist anspruchsvoll, der Alltag der Mitarbeitenden entsprechend stressig und körperlich wie psychisch oft anstrengend. „In unserem Job ist es wichtig, dass wir gut zusammenarbeiten und zuverlässig als Team agieren, weil wir nur so optimal für unsere Bewohner da sein können“, erklärt Bereichsleitung Helga Körtke. Um das auch künftig leisten zu können, haben sie und ihr Team sich dazu entschlossen, ihre Kommunikationsfähigkeit mithilfe des Esel-Trainings zu stärken.

Die Tiere entscheiden selbst

Die Esel, fünf an der Zahl, beäugen den Besuch zunächst aus sicherer Entfernung. „Bleibt einfach ruhig stehen und gebt ihnen Zeit. Die Tiere kommen zu euch und zeigen, ob sie mit euch arbeiten wollen“, erklärt Kursleiterin Gitte Priesmeier. Der erste, der sich traut, ist Bernhard. Er steuert zielstrebig auf Teilnehmerin Miriam Fißmer zu, schnuppert, stupst sie an – und lässt sich schließlich vorsichtig am Hals kraulen. Als auch die anderen Tiere ihre Wahl getroffen haben, beginnt die eigentliche Zusammenarbeit. In Zweier-Teams  üben die Teilnehmer, die Körpersprache der Esel zu deuten. Sie lernen, die Tiere gemeinsam zu führen, Grenzen zu akzeptieren, neue zu setzen und nachhaltig Vertrauen aufzubauen.

Neue, hilfreiche Perspektive

„Es tut gut, uns und unsere Arbeit aus einer ganz neuen Perspektive zu betrachten und entsprechend zu reflektieren“, resümiert Helga Körtke bereits nach kurzer Zeit, während um sie herum begeisterte Mitarbeitende kleine Übungen durchführen. Manche Kommunikationsstrategien seien neu, vieles funktioniere aber schon aus der Erfahrung heraus. Körtke: „Dadurch werden wir in unserem Tun bestätigt und gefestigt. Ein echter Gewinn für uns alle.“