Ein Mann mit Brille verfolgt mit seinen Händen auf den Tisch projezierte Fische.
Josef Stallmach schiebt das Seerosenblatt zur Seite, um die auf die Tischoberfläche projizierten Goldfische zu finden. Dies ist nur eins der animierenden Spiele, die über die Tovartafel abrufbar sind.

Lichtprojektion fördert das Reaktionsvermögen

Im Wittekindshofer Café Klatsch können Menschen mit Behinderung digitale Spiele testen, die eigens für sie entwickelt wurden

Gronau (HP). Mit dem Zeigefinger auf der Tischplatte verfolgt Josef Stallmach die Marienkäfer, die vor ihm über den Tisch krabbeln. Die Tiere sind flink, verstecken sich unter Laub, das hörbar raschelt. Dass sie ihm plötzlich über die Hände krabbeln, muss Stallmach allerdings nicht fürchten - denn die Käfer sind nicht real. Sie sind Teil einer Projektion der sogenannten Tovartafel (niederländisches Wort für Zaubertisch). Die Tagesstrukturierenden Angebote (TSA) der Diakonischen Stiftung Wittekindshof in Gronau, die die Teilhabe von Menschen mit Behinderung oder psychischer Beeinträchtigung auch außerhalb des Berufs fördern, haben die Tovartafel angeschafft, um Männer und Frauen im Café Klatsch gezielt zu fördern und zugleich zu unterhalten.

Auf Knopftdruck wird der Tisch zum Teich

In den Niederlanden ist die Tovartafel bereits fester Bestandteil in Einrichtungen der Behindertenhilfe. Die TSA in Gronau steht in engem Kontakt mit Kollegen jenseits der Grenze. Bei ihnen sind die Mitarbeitenden auch auf die mobile Konstruktion aufmerksam geworden: Die Tovartafel besteht aus einem Beamer, der an der Zimmerdecke angebracht wird, und einer Vielzahl von Lichtprojektionen, die Aufgaben für ganz unterschiedliche Bedürfnisse und Fähigkeiten bereithalten. Auf Knopfdruck verwandelt sich ein Tisch oder ein Fußboden so in eine riesige Spielfläche mit beweglichen Elementen, die von Spielern angetippt, geschoben oder verfolgt werden können. Ursprünglich war der Zaubertisch an der Universität Delft zunächst für Menschen mit Demenz entwickelt worden, um ihr Erinnerungsvermögen anzuregen. Nun wurde das Angebot erweitert und richtet sich in einer neuen Fassung speziell an Menschen mit geistiger Behinderung, um sie mithilfe verschiedener Aufgaben zu Bewegung, aber auch zu Kopfarbeit und zu sozialer Interaktion anzuregen.

Interaktion wird angeregt

"Der große Vorteil dieser Projektionen ist ihre Vielseitigkeit und ihr großer Spaßfaktor - da ist für jeden etwas dabei", erklärt TSA-Mitarbeiter Markus Blömer im Café Klatsch, während er für Josef Stallmach und drei andere Senioren ein neues Spiel einstellt. Die Marienkäfer verschwinden, stattdessen erscheinen auf dem Tisch jetzt Memory-Karten. Nun ist Teamwork gefragt. Josef Stallmach und seine Nachbarin Renate Blakstein schieben sich gegenseitig die leuchtenden Karten zu, um Paare zu finden. Stallmach konzentriert sich, während Blakstein laut auflacht, weil sie ein passendes Paar entdeckt hat.

Gedächtnis- und Sprachleistung fördern

Vor allem die Senioren, die Angebote des Wittekindshofes in Gronau nutzen, würden enorm von der Tovartafel profitieren, betont Blömer, der sichtlich begeistert ist vom animierenden Effekt, den die spendenfinanzierte Neuanschaffung auf ihre Nutzer hat. Manche Aufgaben seien anspruchsvoll und würden Gedächtnis- und Sprachleistungen verlangen, indem zum Beispiel Sprichwörter zusammengesetzt werden müssen. Andere seien einfach konstruiert und würden spielerisch mit Licht und Farben arbeiten, indem zum Beispiel Seifenblasen platzen, wenn sie angetippt werden, oder Goldfische gesucht werden, die sich unter Seerosen verstecken. Diese Art der Stimulation ermögliche es, auch solche Menschen zu begeistern und zu Bewegung anzuregen, die sonst eher zurückhaltend seien. "Gemein ist letztlich aber all diesen Projektionen, dass sie Menschen gezielt fordern und fördern, und zugleich Spaß daran vermitteln, zusammen mit anderen etwas zu schaffen", betont Blömer.