Lieseltraud Lange-Riechmann hält einen Gummiring hoch, an dem Stefan Dopheide neben ihr die Belastung von Mitarbeitenden symbolisch dargestellt hat.
Diakonin Dr. Lieseltraud Lange-Riechmann zeigt das Gummiband, das Stefan Dopheide durch zu große Belastung fast zum Reißen bringt. Das Gummi steht stellvertretend für die Mitarbeitenden, die in einem oft stressigen Alltag hohen psychischen Belastungen ausgesetzt sind.

Gesundheitsförderung nach Maß

Wittekindshofer Mitarbeitende stärken ihre Widerstandskraft

Gronau (JP). "Wir wissen, dass unsere Mitarbeitenden anspruchsvolle Arbeit leisten, indem sie tagtäglich Menschen mit Behinderung unterstützen. Sie tragen viel Kraft in die Stiftung ein. Daher ist es uns als Leitung ein besonderes Anliegen, unsere Mitarbeitenden bei der Gesundheitsförderung zu unterstützen", sagt Diakon Reiner Breder, der als Ressortleitung zuständig für die Wittekindshofer Angebote im Kreis Borken ist. Auf Basis einer Befragung wurde ein individuelles gesundheitsförderndes Angebot für die Mitarbeitenden der Diakonischen Stiftung Wittekindshof entwickelt, dass insbesondere die Widerstandsfähigkeit gegen Stress thematisierte. Knapp 50 Frauen und Männer nahmen daran teil.

"Die Ergebnisse der Analyse der Berufsgenossenschaft, welchen Belastungen unsere Mitarbeitenden ausgesetzt sind, haben uns die Grundlage gegeben, dieses individuelle Angebot zu erstellen. Herausgekommen ist der heutige Tag unter dem Titel 'Resilienz erlernen und Widerstandskraft stärken', an dem der ausgebildete Resilienztrainer Stefan Dopheide von der DAK referieren wird", berichtete Diakonin Dr. Lieseltraud Lange-Riechmann, Wittekindshofer Koordinatorin für das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM). Dass die Belastungen und Beanspruchungen in dem Arbeitsfeld der Behindertenhilfe hoch seien, sei für die Mitarbeitende nichts Neues. Doch erhoben und differenziert analysiert wurde dies durch die Beteiligung des Wittekindshofs an einem Pilotprojekt der Berufsgenossenschaft der Wohlfahrtspflege im Jahr 2017. Die bei der Befragung der Mitarbeitenden der Wittekindshofer Werkstätten in der Region Gronau gewonnenen Ergebnisse machten deutlich, dass insbesondere das Thema Stress und der Umgang mit selbigen eine große Belastung sei. Diese Erkenntnisse wurden auf alle Arbeitsbereiche der Stiftung übertragen.

Hilfsmittel an die Hand gegeben

Dopheide gab den Teilnehmenden Hilfsmittel mit auf den Weg, um stressige Situationen zu bewältigen und widerstandsfähiger zu werden. Er thematisierte in dem Workshop verschiedene Fragestellungen: Wie hat sich die Arbeit verändert? Was löst Stress aus? Wie kann der psychischen Belastung in einem oft stressigen Arbeitsalltag mit modernen Hilfsmitteln begegnet werden? Wie schaffe ich es, mich nach großer Belastung wieder aufzurichten und weiterzumachen? Kann ich und wenn ja, wie kann ich Widerstandskraft erhalten? Kann man Widerstandskraft erlernen? Dopheide nutzte ein eindrückliches Bild, um deutlich zu machen, dass man Stress und Anspannung nur bis zu einem gewissen Grad aushält: Er dehnte ein Gummiband auf Höchstspannung aus, so dass es fast zerriss.

Gesundheit bewahren und Fehlzeiten vermeiden

"Der heutige Tag wurde von der DAK unterstützt und gemeinsam mit dem Wittekindshof konzipiert. Die Grundlage dafür lieferte die Berufsgenossenschaft. Dass drei große Sozialunternehmen bei einem gesundheitsfördernden Angebot Hand in Hand arbeiten, ist absolut ungewöhnlich, entspricht aber den rechtlichen Vorgaben", erklärte Breder. "Wir wollen, dass unsere Mitarbeitenden gesund bleiben, die Arbeitskraft erhalten bleibt und somit Fehlzeiten vermieden werden, was wiederum anderen Mitarbeitenden zugutekommt, da sie Fehlzeiten nicht auffangen müssen", erklärte Breder.

Es sei eine große dienstplanerische Herausforderung, die hochqualifizierte Unterstützung der Frauen und Männer mit Behinderung aufrecht zu erhalten, wenn knapp 50 Mitarbeitende zur gleichen Zeit nicht zur Verfügung stehen, betonte Lange-Riechmann. Aber durch das hohe Interesse und die Bereitschaft aller Beteiligten sei es möglich gemacht worden: "Die große Resonanz macht deutlich, dass wir genau das anbieten, was sich die Mitarbeitenden gewünscht haben", so die BGM-Koordinatorin.