Gruppenbild: Kandidatinnen für die Wahl als Frauenbeauftragte, Geschäftsbereichsleitungen der Wittekindshofer Werkstätten und Mitglied des Wahlvorstandes.
Ekaterina Nilogow (3.v. l.) ist die erste Frauenbeauftragte der Wittekindshofer Werkstätten, ihre Stellvertreterin ist Claudia Spyksma (3.v.r.). Zur Wahl gestellt hatten sich auch (vordere Reihe v.l.) Bärbel Lange, Julia Werner und Katharina Quambusch. Zu den ersten Gratulanten gehörten die (hintere Reihe v.l.) Geschäftsbereichsleiter Ulrich Hagemeier, Bernd Wlotkowski und Andreas Nettingsmeier sowie Mark Guckel vom Wahlvorstand.
Die frisch gewählt Frauenbeauftragte der Wittekindshofer Werkstätten bedankt sich in einer Videoliveschaltung bei ihren Wählerinnen und Mitkandidatinnen - im Bild auch ihre Stellvertreterin.
Die frisch gewählt Frauenbeauftragte der Wittekindshofer Werkstätten Ekaterina Nilogow bedankt sich in einer Videoliveschaltung bei ihren Wählerinnen und Mitkandidatinnen sowie ihrer Stellvertreterin Claudia Spyksma aus Bünde (rechts).

Ekaterina Nilogow ist erste Frauenbeauftragte im Wittekindshof

Wahl in den Wittekindshofer Werkstätten

Bad Oeynhausen/ Löhne/ Espelkamp/ Bünde/ Kreise Minden-Lübbecke und Herford (AM). Ekaterina Nilogow aus Bad Oeynhausen ist die erste Frauenbeauftragte der Wittekindshofer Werkstätten. Die 29-jährige arbeitet in der Betriebsstätte Sonnenbrede in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen und erledigt Verpackungs- und Montagearbeiten und gehört zu einer Arbeitsgruppe, die Brot backt, Marmelade und Chutneys kocht und einen Nutzgarten mit Hühnern und Bienen pflegt.

Fünf Frauen stellen sich der Wahl als Frauenbeauftragte

Nilogow hatte mit Abstand die meisten Stimmen von den über 300 wahlberechtigten Frauen mit Behinderung erhalten, die in den sieben Betriebsstätten der Wittekindshofer Werkstätten in Bad Oeynhausen, Löhne und Espelkamp arbeiten. Als stellvertretende Frauenbeauftragte wurde Claudia Spyksma aus Bünde gewählt, die in der Betriebsstätte Vorwerk tätig ist. Sie hatte sich äußerst knapp mit nur einer Stimme Abstand gegenüber Katharina Quambusch aus Espelkamp durchgesetzt. Auch die beiden anderen Kandidatinnen, Julia Werner und Bärbel Lange, hatten nur wenige Stimmen weniger erreicht. „Es ist ein sehr gutes Zeichen, dass fünf Frauen bereit waren, dieses wichtige und für uns alle neue Amt in der Werkstatt zu übernehmen“, erklärte Diakon Reiner Breder, der Wittekindshofer Ressortleiter Bildung, Arbeit und Gesundheit.

Mehrfache Diskriminierung von Frauen mit Behinderung

Vorgestellt hatten sich die fünf Kandidatinnen in einem Video, weil viele wahlberechtigte Frauen in den Wittekindshofer Werkstätten nicht oder nur eingeschränkt lesen können. Wenige Wochen zuvor war bereits das gesamte Wahlverfahren einschließlich Briefwahl anschaulich und in Leichter Sprache in einem Video erklärt worden. Bundesweit werden in diesem Herbst erstmals parallel zu den Werkstatträten Frauenbeauftragte in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) gewählt. Sie wurden mit dem Bundesteilhabegesetz eingeführt, das im Dezember 2016 vom Bundestag und Bundesrat verabschiedet worden war: „Das Bundesteilhabegesetz soll auf gesetzlicher Ebene die UN-Behindertenrechtskonvention umsetzen, die in Artikel 6 die mehrfache Diskriminierung anspricht, der Frauen mit Behinderung ausgesetzt sind. Gefordert werden in der Behindertenrechtskonvention deswegen Maßnahmen zur Sicherung der vollen Entfaltung, Förderung und Stärkung der Autonomie der Frauen“, erklärt Andreas Nettingsmeier, der als Geschäftsbereichsleiter in den Wittekindshofer Werkstätten verantwortlich ist.

Durch das neue Amt werden die Frauen noch stärker werden

Erste Veränderungen hat Diakonin Kathrin Harre vom Sozialdienst der Wittekindshofer Werkstätten bereits im Vorfeld der Wahl beobachtet: „Wir hören jetzt viel häufiger, dass Frauen lieber mit Frauen sprechen wollen. Einige sind schon immer sehr selbstbewusst aufgetreten, aber jetzt spürt man, dass noch mehr Frauen Mut haben, ihre Wünsche und Ideen, aber auch ihre Beschwerden und Probleme anzusprechen“, berichtet Harre mit Hinweis darauf, dass in den Wittekindshofer Werkstätten mit knapp 35 Prozent deutlich weniger Frauen als Männer mit Behinderung arbeiten: „Frauen sind bei uns eine Minderheit. Sie sind schon heute stark, aber werden durch das neue Amt der Frauenbeauftragten noch stärker werden“, ist Harre überzeugt.

Die Bekanntgabe des Wahlergebnisses für die erste Frauenbeauftragte wurde aus der größten Betriebsstätte an der Sonnenbrede in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen live in alle Betriebsstätten der Wittekindshofer Werkstätten per Video übertragen. Erst Amtshandlung der neuen Frauenbeauftragten Ekaterina Nilogow war per Videoschaltung der Dank an alle Wählerinnen und ihre Mitkandidatinnen. In ihrem Vorstellungsvideo hatte sie bereits programmatisch erklärt: „Ich würde mich dafür einsetzen, dass wir Frauen die gleichen Arbeiten wie die Männer machen. Uns wird manchmal gesagt, dass wir das nicht können, dass man uns das nicht zutraut, weil das zu kompliziert ist. Aber das ist nicht der Fall, wenn wir uns das ausführlich erklären lassen, können wir das genauso wie die Männer.“

Wittekindshofer Werkstätten
Die sieben Betriebsstätten der Wittekindshofer Werkstätten in Bad Oeynhausen (Sonnenbrede, Langenhagen, Vorwerk, Dornenbreite), Löhne (Ulenburg) und Espelkamp (Benkhausen und GAZ) bieten rund 960 Bildungs- und Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung in den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford. Die Arbeitsfelder sind vielfältig und reichen von Verpackungs- und Montagearbeiten über Garten- und Landschaftspflege, Hauswirtschaft, Holz- und Metallbearbeitung, Wäscheservice, Flechterei bis hin zu Handweberei, Näherei, Nutzgartenpflege und betriebsintegrierten Arbeitsplätzen in der Region. Ein Teil der Mitarbeitenden arbeiten flexibel und erledigen auch anspruchsvolle Aufträge selbständig. Andere sind auf umfassende Unterstützung angewiesen.