Zwei jungen Männer stehen vor dem neuen Appartementhaus am Nordring in Bünde.
Stefan Vogel (links) und James Tank freuen sich, in die neuen Appartements am Nordring eingezogen zu sein – auch wenn Vogel noch einige Möbel fehlen. Die Westfälisch-Lippische Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH (WLV) hat das Appartementhaus in direkter Innenstadtlage am Nordring gebaut, die Diakonische Stiftung Wittekindshof nutzt es als Hauswohngemeinschaft.
Eine junge Frau gießt in ihrer neuen Küche das Kochwasser von Klößen ab.
Mandy Gartz hat ihr Appartement bereits gemütlich eingerichtet. Auch die Küche ist komplett und in Benutzung. Heute stehen bei ihr Frikadellen und Klöße auf dem Speiseplan.
Bereisleiter Diakon Christian Lohkamp spielt mit zwei Hausbewohnern Karten am großen Gartentisch.
Zeit für Gespräche: Bereichsleiter Diakon Christian Lohkamp (von links) bespricht mit Stefan Vogel und James Tank die aktuellen Themen der jungen Männer.

Einzug mit Hindernissen

Neues Wohnhaus für Erwachsene mit Behinderung am Nordring bezogen

Bünde (JP). Das Haus war bezugsfertig, die neuen Bewohnerinnen und Bewohner sowie die Mitarbeitenden der Diakonischen Stiftung Wittekindshof standen in den Startlöchern, doch Möbel, Waschmaschinen und andere wichtige Dinge des Alltags fehlten. Der Einzug in das neue Wohnhaus für Menschen mit Behinderung am Nordring gestaltete sich in Zeiten der Corona-Krise als eine kleine Herausforderung. Doch nun sind alle zwölf Mieter und Mieterinnen eingezogen und Alltag kehrt ein.

WLV baut bezahlbaren Wohnraum

Anfang 2019 war der Spatenstich: Die Westfälisch-Lippische Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH (WLV) aus Münster, ein 100-prozentiges Tochterunternehmen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), baute ein Appartementhaus in direkter Innenstadtlage am Nordring. Es fehlten Wohnangebote für erwachsene Menschen mit Behinderung in Bünde. Nachdem die WLV bereits Appartementhäuser in Vlotho und Minden gebaut hatte, die die Diakonische Stiftung Wittekindshof als Hauswohngemeinschaft nutzt, erklärte sie sich erneut bereit, bezahlbare barrierefreie Sozialwohnungen zu schaffen - nun in Bünde.

Davon profitieren zwölf junge Menschen im Alter von 22 bis 35 Jahren, die in den Neubau eingezogen sind. Sie leben alle selbstständig in der eigenen Wohnung, erhalten aber in den Lebensbereichen noch stundenweise Unterstützung, wo sie es benötigen. "Gemeinsam bauen wir Alltagsfähigkeiten auf und immer weiter aus. Ziel ist es, einen Übergang zu schaffen vom engmaschig begleiteten in ein selbstständiges Leben", betont Diakon Christian Lohkamp, zuständige Bereichsleitung für das Wittekindshofer Wohnangebot am Nordring.

Corona verändert Einzugspläne

Lohkamp ist froh, dass nun alle ihre Appartements bezogen haben und letzte Arbeiten - etwa im Garten und der Terrasse - abgeschlossen sind. "Dieser Umzug hat uns vor einige Herausforderungen gestellt. Eigentlich stand die Planung. Doch wegen Corona mussten wir teilweise improvisieren. Wir hatten zusätzlich zum Wittekindshofer Hausmeisterservice ein externes Umzugsunternehmen engagiert. Bis kurz vorm Umzugstermin stand noch nicht fest, ob die Helfer überhaupt kommen dürfen", berichtet Lohkamp. Zwei Mieter sind zudem erst kürzlich eingezogen, da sie sich sonst aufgrund der geltenden Corona-Schutzmaßnahmen zunächst 14 Tage in Quarantäne begeben hätten müssen. "Da haben wir dann das Einzugsdatum verschoben. Auch wollten Eltern gerne den Umzug begleiten, was aufgrund des Betretungsverbotes leider nicht möglich war. Das war für alle eine sehr emotionale Angelegenheit. Nachdem die Schutzmaßnahmen gelockert wurden, ist aber nun auch der letzte Bewohner eingezogen und Eltern konnten nach Absprache zu Besuch kommen und die fertigen Wohnungen besichtigen", sagt Lohkamp.

Etwas kompliziert sei es auch mit dem Möbelkauf gewesen: "Es war Lockdown und alle Möbelhäuser geschlossen. Waschmaschinen, Kleiderschränke und Betten haben wir teilweise online bestellen müssen. Doch Wohnbereiche aus unserem Geschäftsbereich haben uns ausgeholfen und uns Möbel geliehen, die sie zu dem Zeitpunkt nicht benötigt haben. Das hat uns sehr geholfen", berichtet der Bereichsleiter. Nach Aufhebung des Lockdowns seien er und sein zehnköpfiges Team zurückhaltend mit großen Einkaufstouren gewesen. "Wir müssen auf die Sicherheit der Frauen und Männer achten, die wir unterstützen. Unnötiges Gedränge in Möbelhäusern und vor allem die vielen Einzelfahrten, die coronabedingt nötig gewesen wären, wollten wir allen ersparen", erklärt Lohkamp.

Neubau bietet Entwicklungsmöglichkeiten

Eine der neuen Mieterinnen ist Mandy Gartz. Sie hat ihr Appartement bereits gemütlich eingerichtet. Auch die Küche ist komplett und in Benutzung. Heute stehen Frikadellen und Klöße auf dem Speiseplan. "Ich finde es gut, meine eigene Wohnung zu haben", sagt Gartz. Das sehen James Tank und Stefan Vogel genauso. Sie wohnen eine Etage über Mandy Gartz. Vogel fehlen allerdings noch einige Möbel, die bestellt sind. "Aber die kommen bald", stellt Diakon Lohkamp ihn in Aussicht. "Das wird auch Zeit", meint Vogel. "Dann kann ich richtig auspacken."

Der Trubel rund um das Kisten ein- und auspacken für die neue Wohnung sowie das Planen der Einrichtung habe alle neuen Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses am Nordring gut abgelenkt und für Beschäftigung gesorgt, so Christian Lohkamp, der die meisten Frauen und Männer bereits in ihrem alten Wohnsetting etwa an der Bahnhofstraße kannte. Das hat das Einleben enorm erleichtert. Um dies weiter zu verbessern stehen unter anderem Gemeinschaftsangebote auf dem Programm, an denen die Mieter freiwillig teilnehmen können. Dann wird zusammen gefrühstückt, aktuelle Themen besprochen oder der Garten schon mal zum Open-Air-Kino.

Zum Bau

Entstanden ist ein dreigeschossiger Bau mit zehn Wohnungen sowie einem Appartement für zwei Personen im ersten Obergeschoss. Alle Wohnungen sind barrierefrei und somit von Rollstuhlfahrern und Frauen und Männern bewohnbar, die auf Gehhilfen angewiesen sind. Zu jeder Wohnung gehören ein Wohnraum mit Kochzeile, ein Bad, ein Schlafzimmer, ein Hauswirtschaftsraum, in dem auch Rollstühle abgestellt werden können, sowie eine Terrasse oder ein Balkon. Im Erdgeschoss gibt es zusätzlich zu den privaten Wohnräumen eine Gemeinschaftswohnung, die die Mieter und Mieterinnen gemeinsam nutzen.