Uschi Kruck und Iris Heinrichs betrachten einige bunte Schmetterlinge, die an Weidenästen aufgehängt wurden. Sie erinnern an verstorbene Kinder und Jugendliche.
Eine schöne Erinnerung: Uschi Kruck (links) betrachtet mit Iris Heinrichs, Koordinatorin des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizes, die Schmetterlinge, die in Erinnerung an verstorbene Kinder und Jugendliche an Weidenästen aufgehängt werden.

Ein warmes Herz

Ehemaliges Heimkind Uschi Kruck spendet an Kinder- und Jugendhospizdienst

Bad Oeynhausen/Kreis Minden-Lübbecke (JP). „Mein Herz fühlt sich anders an – ganz warm“, sagt Uschi Kruck nach der Spendenübergabe. Kindern und Jugendlichen zu helfen, liegt ihr besonders am Herzen. Die 59-Jährige hat als ehemaliges Heimkind selbst Leid erfahren und wurde dafür jetzt entschädigt. Nun will sie mit dem Geld anderen helfen. Deshalb hat sie 1000 Euro an den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Minden-Lübbecke gespendet.

Spenderin hat selbst Schlimmes erlebt

„1000 Euro, das ist viel Geld. Aber ich habe es gerne gegeben“, sagt Uschi Kruck, die seitdem sie vier Jahre alt ist von der Diakonischen Stiftung Wittekindshof unterstützt wird. Sie gehört zu den Menschen, die zwischen 1949 und 1975 als Kinder und Jugendliche in Heimen der Behindertenhilfe und der Psychiatrie gelebt und dort Schlimmes erlebt haben – auch im Wittekindshof. Eine Zeit, an die Uschi Kruck nur ungern zurückdenkt.

Um das Leid der ehemaligen Heimkinder öffentlich anzuerkennen, die Geschichte aufzuarbeiten und die Opfer von Gewalt, unwürdiger Behandlung bis hin zu Misshandlung finanziell zu unterstützen, hat zum 1. Januar 2017 die „Stiftung Anerkennung und Hilfe“ ihre Arbeit aufgenommen. Sie wurde errichtet von der Bundesregierung, allen Bundesländern, der evangelischen und katholischen Kirche einschließlich Caritas und Diakonie. Betroffene können einen Antrag stellen und erhalten 9000 Euro pauschale Geldleistungen und bis zu 5000 Euro Rentenersatzleistungen.

„Das ist eine besondere Geste“

Auch Uschi Kruck hat Geld von der „Stiftung Anerkennung und Hilfe“ erhalten. Davon hat sie die 1000 Euro für den Kinder- und Jugendhospizdienst genommen. „Uns berührt es sehr, dass Uschi uns Teile des Geldes für unsere Arbeit spendet. Das ist eine besondere Geste“, sagt Iris Heinrichs, eine von zwei Koordinatorinnen beim Kinder- und Jugendhospizdienst, der seit 2005 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit lebensverkürzenden Erkrankungen sowie deren Eltern und Geschwister begleitet.

Derzeit unterstützt der Dienst 16 Familien im gesamten Kreis Minden-Lübbecke und angrenzende Orte. Möglich machen dies 34 ehrenamtliche Frauen und Männer, von denen einige selbst die Erfahrung gemacht haben, ein Kind zu verlieren. „Wir begleiten Familien ab der Diagnose, im Leben, im Sterben und über den Tod hinaus“, erklärt Heinrichs. „Unsere ehrenamtlichen Mitarbeitenden begleiten die Familien und Kinder langfristig, häufig über Jahre. Sie hören zu, spielen, malen oder gehen mit den Kindern spazieren und geben Rat bei Themen wie Trauer, Tod, Abschied und den Alltag mit einem erkrankten Kind. Das betroffene Kind und die Familie sind dabei stets unsere Auftraggeber und die Begleitung richtet sich nach ihren Wünschen. Die Begleitung ist kostenfrei.“ Doch um die Ehrenamtlichen zu schulen, die Vernetzung und den Austausch betroffener Familien bei gemeinsamen Frühstücken oder Festen zu fördern, ist der Ambulante Kinder- und Hospizdienst Minden-Lübbecke auf finanzielle Spenden angewiesen. „Wir freuen uns daher riesig über die Spende“, sagt Iris Heinrichs.

Noch Anträge stellen

Noch bis zum 31. Dezember 2020 können ehemalige Heimkinder Anträge an die „Stiftung Anerkennung und Hilfe“ stellen: Die Beratungsstelle der Stiftung befindet sich beim Landschaftsverband Westfalen- Lippe. Und ist erreichbar unter Telefon (02 51) 5 91 58 86 oder E-Mail an birgit.kuehneDYXV KEJIlwlCZYW LFKJorg.