Vier Menschen in einem weihnachtlich geschmücktem Flur des Wohnhauses Burgstraße in Herne..
Im weihnachtlich geschmückten Eingangsbereich des Wittekindshofer Wohnhauses an der Burgstraße: Dennis Radtke (MdEP (CDU/EVP), von links) bedankt sich bei Aileen Brauckhoff, Muharrem Saygün und Matthias Jacobstroer für die Einladung.

Den Hut vor Mitarbeitenden ziehen

MdEP Dennis Radtke besucht Wittekindshofer Wohnhaus an der Burgstraße

Herne (JP). Ein Adventskalender hängt im Flur, festliche Dekoration verbreitet in den Fluren, an den Wänden und den Aufenthaltsräumen Vorfreude auf das Weihnachtsfest: Beim Besuch des Europaabgeordneten Dennis Radtke (CDU/EVP) im Wittekindshofer Wohnhaus an der Burgstraße in Herne ist das Fest schon spürbar nah. Da stellt sich die Frage, wie in dem Haus, in dem 24 Männer und Frauen mit Behinderung leben, Weihnachten gefeiert wird.

"Gut ein Drittel der Bewohnerinnen und Bewohner ist an Weihnachten hier im Haus. Die Anderen sind in dieser Zeit bei ihren Familien. Wir gestalten das Weihnachtsfest so gemütlich und heimelig, wie es möglich ist. Dazu gehören ein Kirchbesuch, ein festliches Essen und die Bescherung. Zudem organisieren wir Adventsfeiern", berichtet Aileen Brauckhoff, stellvertretende Bereichsleitung für das Wohnhaus Burgstraße. Die Dienstplangestaltung orientiere sich an den Bedarfen der Bewohner, das inkludiere Wochenend- und Schichtdienste, 365 Tage im Jahr, fügt Matthias Jacobstroer hinzu, der als Wittekindshofer Geschäftsbereichsleiter sämtliche Angebote in Herne und Oberhausen verantwortet. "Man muss den Hut ziehen vor den Mitarbeitenden, die auch an den Feiertagen im Dienst sind, um Menschen mit Behinderung, die nicht zu ihren Familien fahren, ein schönes Weihnachtsfest zu ermöglichen und ihnen an jedem Tag im Jahr die Unterstützung zukommen lassen, die sie benötigen. Das gilt für viele Branchen", sagt Dennis Radtke anerkennend.

Immer auf der Suche nach Mitarbeitern

25 Mitarbeitende sind derzeit an der Burgstraße beschäftigt, darunter Heilerziehungspfleger, Erzieher, Alten- sowie Familien- und Krankenpfleger. 140 Mitarbeitende insgesamt sind in Herne und Oberhausen für die Diakonische Stiftung Wittekindshof tätig. Darunter etwa 30 Prozent Präsenzkräfte ohne Fachausbildung. "Wir setzen auf Multiprofessionalität. Allerdings ist der Fachkräftemangel auch für uns ein großes Thema. Daher sind wir immer auf der Suche nach qualifiziertem Personal, freuen uns aber auch über ungelernte Kräfte, die den Weg zu uns in die Eingliederungshilfe finden. Gerne würden wir mehr unserer Präsenzkräfte eine Ausbildung ermöglichen. Diese stehen allerdings häufig schon mitten im Leben, haben Familie und benötigen dementsprechend finanzielle Mittel. Ein Ausbildungsgehalt reicht da nicht aus", erklärt Matthias Jacobstroer, zuständiger Wittekindshofer Geschäftsbereichsleiter. Das Qualifizierungschancengesetz sei eine ideale Möglichkeit, um Abhilfe zu schaffen. Arbeitgeber und -nehmer erhalten dadurch finanzielle Unterstützung, die hilft, die Ausbildungsphase finanziell zu überbrücken. "Allerdings werden unsere benötigten Fachkräfte wie die Heilerziehungspfleger laut Gesetz nicht gefördert. Altenpfleger und andere Pflegeberufe allerdings schon", erklärt Jacobstroer. "Die Nachricht ist angekommen", sagt Radtke, der unter anderem Mitglied des Ausschusses für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten im Europaparlament ist. Zwar sei dies ein Bundesgesetz, aber er werde dieses Problem an zuständige Stellen weitergeben. Als gebürtiger Wattenscheider sei es ihm stets ein Anliegen, die Region zu unterstützen - sei es auf Europaeben oder durch Hinweise an zuständige Kollegen.

Bewohner zeigt das Haus Burgstraße

Begleitet von Muharrem Saygün, der im Wohnhaus an der Burgstraße lebt, und Anke de Vries, die ein Wohnangebot des Wittekindshofs am Emsring nutzt, erhielt Radtke eine kleine Hausführung. Saygün öffnete dem Europaabgeordneten auch die Tür zu seinen privaten Räumlichkeiten. Zahlreiche Bilder seiner Familie hängen an den Wänden. Die wohnt ganz in der Nähe, besucht ihn oft oder holt ihn ab. "Leider ist das Haus meiner Eltern nicht rollstuhlgerecht. Das ist hier ganz anders. Hier kann ich mich frei im Haus bewegen, im Bad, im Flur, im Wohnzimmer und der Gemeinschaftsküche. Das ist toll", berichtet Saygün. "Unser Ziel ist, wohnortnahe Angebote für Menschen mit Behinderung vorzuhalten und auszubauen. Deshalb bauen wir gerade ein neues Wohnhaus für Menschen mit dem Prader-Willi-Syndrom an der Mont-Cenis-Straße, vernetzen uns eng mit Akteuren vor Ort, wie dem Palliativnetzwerk, dem wir uns angeschlossen haben", führt Jacobstroer aus.

Weitere Einladung ausgesprochen

Radtke bedankte sich für den Einblick in das Leben an der Burgstraße und die Arbeit der Diakonischen Stiftung Wittekindshof. "Es war ein aufschlussreicher Tag für mich und ich komme gerne wieder." Die nächste Einladung hat Matthias Jacobstroer schon ausgesprochen: Er hat den Europaabgeordneten zur Angehörigenversammlung 2020 eingeladen.