Von der Decke gelassene Raumteiler sorgen für die Einhaltung des Mindestabstandes
Selbstgebaute Raumteiler werden überall da eingesetzt, wo ein Mindestabstand von eineinhalb Metern nicht so einfach einzuhalten ist.
Abstandsmarkierungen führen ins Innere der Werkstätten am Schürblick in Gronau
Markierungen auf dem Boden erinnern an die Abstandsregelungen und helfen bei der Orientierung.

Arbeit unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen

Wittekindshofer Werkstätten in Gronau haben ihren Betrieb wieder aufgenommen

Gronau (ACL). Es rattert, klappert und surrt am Schürblick in Gronau. Die Wittekindshofer Werkstätten für Menschen mit Behinderung haben ihre Arbeit in den Gronauer Betriebsstätten am wieder aufgenommen. "Noch ist die die Situation etwas ungewohnt, aber wir sind mit dem Start bisher sehr zufrieden. Alle freuen sich einfach, dass der Betrieb wieder läuft - wenn auch schrittweise", sagt Michael Bleiber, Leiter der Wittekindshofer Werkstätten in Gronau.

Seit dem 18. März galt für Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) in ganz Nordrhein-Westfalen ein Betretungsverbot, um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus zu vermeiden. Nun gibt es erste Lockerungen, sodass Werkstätten unter Einhaltung besonderer Regelungen und Vorlage eines Sicherheitskonzeptes schrittweise wieder öffnen dürfen.

Zugang klar geregelt und dokumentiert

"Die Werkstätten erfüllen nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Teilhabe am Arbeitsleben, sie sind für viele auch ein Ort der Begegnung, wo sie Freunde und Bekannte treffen. Der Schutz der Gesundheit der Menschen, die wir unterstützen, und unserer Mitarbeitenden steht dabei aber an oberster Stelle", sagt Diakon Reiner Breder, der als Ressortleiter für die Angebote der Diakonischen Stiftung Wittekindshof in Gronau verantwortlich ist.

Daher werde der Zugang zu den Werkstätten klar geregelt und dokumentiert. "Es gilt das Prinzip der Einbahnstraße: Wir haben separate Ein- und Ausgänge, vermeiden Kreuzungspunkte und entzerren die Situation in den Mittagspausen, indem wir die Gruppen in Schichten aufteilen", sagt Michael Bleiber. Zudem werden zum Arbeitsbeginn Mundschutze verteilt, die zum Feierabend eingesammelt und direkt gewaschen werden. Stellwände und Raumteiler trennen die Arbeitsplätze voneinander ab, Markierungen auf den Böden geben die Richtung vor und Hinweisschilder in Leichter Sprache erinnern ans regelmäßige Händewaschen.

75 Männer und Frauen kehren zurück

Normalerweise sind 280 Menschen mit Behinderung in den Werkstätten in Gronau. Zum Start konnten 75 Männer und Frauen zurück an ihre Arbeitsplätze kehren, die meisten davon in die Betriebsstätte am Schürblick. "Die Betriebsstätte an der Losserstraße wird zwar genutzt, aber es ist bisher nur ein kleines Montage-Team an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt. Hier sind in der Regel Menschen mit schwerer Mehrfachbehinderung tätig. Daher müssen wir sorgsam abwägen, wer zur Risikogruppe zählt und deshalb besonders geschützt werden muss, und wer die notwendigen Schutzmaßnahmen einhalten kann", sagt Michael Bleiber.

Die Wiederaufnahme des Betriebs sei in mehrere Phasen aufgeteilt. "In dieser Woche sind zunächst Klienten an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt, die in ihrem privaten Wohnumfeld leben oder die von uns ambulant unterstützt werden und selbstständig zur Arbeit gelangen." Auch Teilnehmende der Beruflichen Bildung können die Angebote im Gronauer Bildungszentrum (GroBiz) wieder vor Ort nutzen. "Wir befinden uns in enger Abstimmung mit den Fahrdiensten, um die Beförderung der Menschen mit Behinderung zur Arbeit von der kommenden Woche an hin und wieder zurück zu organisieren - unter geltenden Hygienevorschriften und des gebotenen Mindestabstandes", sagt Diakon Reiner Breder. In weiteren Schritten sollen dann Menschen folgen, die die Wohnangebote des Wittekindshofes nutzen. "Die Aufteilung der Arbeitsgruppen leitet sich dann von den Wohngruppen ab. So kommen nur Menschen miteinander in direkten Kontakt, die auch zusammenleben", sagt Michael Bleiber.

Bausätze für Masken

Arbeit sei in jedem Falle vorhanden. "Wir konnten an einigen Stellen wieder da anfangen, wo wir aufgehört haben. Gerade in der Metall- und Holzverarbeitung gibt es einige fortlaufende Aufträge, die wir jetzt weiterführen." Hinzu kommen Verpackungs- und Montageaufgaben. Neu sind indes Nasen- und Mundschutzmasken. "Die Bausätze dafür haben wir vom Kreis Borken erhalten und fertigen die Masken nun für den Eigengebrauch im Wittekindshof an."