Ein Absolvent des Berufskollegs und seine Lehrerin geben sich nicht die Hand, sondern berühren sich nur an den Ellenbogen.
Statt Händedruck gibt es Glückwünsche mit Ellenbogenkontakt: Dorothee Fischer, Fachlehrerin für Gesundheit und Soziales sowie Religion (vorne rechts), verabschiedet in Beisein von Lehrerin Susanne Seifert (hinten von links), Gabriele Nagorny-Wittig, Bildungsgangsleitung Sozialmanagement und geprüfte Fachkraft (gFAB), sowie Schulleiter Uwe Vogelpohl den Absolventen Daniel Fitz, der die Abschlüsse Sozialassistent und geprüfte Fachkraft zur Arbeits- und Berufsförderung am Evangelischen Berufskolleg Wittekindshof gemacht hat.
Eine Gruppe Frauen, die ihre Ausbildung absolviert haben, haben vom Schulleiter des Berufskollegs Wittekindshof Rosen erhalten.
In Zeiten von Corona gibt es keine gemeinsame große Abschlussfeier der Erzieher und Erzieherinnen (Foto), Heilerziehungspfleger und -pflegerinnen, Sozialassistenten und sowie den geprüften Fachkräften für Arbeits- und Berufsförderung. Jede Klasse wird von Schulleiter Uwe Vogelpohl (hinten) unter den geltenden Abstands- und Hygienevorschriften einzeln verabschiedet.

Abschluss, aber bitte mit Abstand!

Berufskolleg Wittekindshof verabschiedet mehr als 100 Absolventen

Bad Oeynhausen/Kreis Minden-Lübbecke/ Kreis Herford (JP). Es war ein leiser Abgang der diesjährigen Absolventen des Evangelischen Berufskollegs Wittekindshofs. Coronabedingt sahen sich die mehr als 100 Frauen und Männer die letzten intensiven gemeinsamen Wochen vor dem Abschluss meist nur digital oder in Kleingruppen, Prüfungen fanden unter besonderen Sicherheits- und Hygienevorschriften statt, auf das freudige Umarmen musste aufgrund der Abstandsregelungen verzichtet werden und die große Abschlussfeier im Schloss Ovelgönne musste entfallen. Doch kein Grund, pessimistisch in die Zukunft zu blicken: Denn so gut wie alle der mehr als 100 Studierenden sowie Schülerinnen und Schüler haben bereits einen Arbeitsvertrag in der Tasche.

Unsicherheiten, Distance Learning und Videokonferenzen

"Es gab große Unsicherheiten in der Schülerschaft", berichtet Uwe Vogelpohl, Leiter des Evangelischen Berufskollegs Wittekindshof. Der Corona-Lockdown habe die angehenden Erzieher und Erzieherinnen, Heilerziehungspfleger und -pflegerinnen (HEP), die Sozialassistenten und -assistentinnen mit dem Schwerpunkt Heilerziehung sowie die Teilnehmenden des Aufbaubildungsgangs zur geprüften Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung (GeFAB) vor die Frage gestellt: Kann ich meinen Abschluss/mein Examen überhaupt machen? "Durch den Lockdown waren schlagartig die Praxisstellen der Erzieher, Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, so gut wie geschlossen. Nur Notbetreuung fand statt. Die Sozialassistenten und -assistentinnen wurden sofort aus den Praxisstellen genommen. Die HEPs hingegen waren aufgrund kurzfristiger Mitarbeiterknappheit in den Wittekindshofer Wohnangeboten gefragt und haben quasi durchgearbeitet, anstatt zur Schule zu gehen", berichtet Vogelpohl. "Auch für die geprüften Fachkräfte waren dies extrem schwierige Bedingungen. Sie konnten nur knapp ihre erforderlichen Projektarbeiten in den unterschiedlichen Einsatzstellen abschließen, bevor diese für Besucher nicht mehr zugänglich waren."

Der Unterricht wurde zunächst nur digital fortgesetzt - Distance Learning. Über die eigene Cloud stellten Lehrkräfte Aufgaben zur Verfügung, luden Lernmaterialien hoch und blieben auf diversen, meist digitalen Wegen etwa in Videokonferenzen mit den Studierenden in Kontakt. "Wir haben uns direkt nach dem Lockdown die Frage gestellt, was die Frauen und Männer benötigen, die ins Examen gehen, und Unterrichtsmaterialien entsprechend aufgearbeitet. Ein Krisenteam hat alle E-Mail-Adressen zusammengetragen, um die Absolventen schnellstmöglich mit Informationen zu versorgen", berichtet Vogelpohl. Nach den Osterferien durften die Examensklassen wieder zur Schule, aufgeteilt in Kleingruppen, eine Woche Präsenzzeit, eine Woche Distance Learning.

Prüfungen unter besonderen Bedingungen

Die Abschlussprüfungen fanden unter besonderen Bedingungen statt. In den Gebäuden galt Mund-Nasen-Schutz-Pflicht. Nur während der Prüfung durften die Masken abgelegt werden. Alles musste dokumentiert werden: Wer sitzt neben wem? Wer geht wann auf die Toilette? Fluraufsichten passten auf, dass sich die Absolventen und Absolventinnen nicht beim Toilettengang begegnen. Tische sowie Stühle wurden vor den Prüfungen desinfiziert. Maximal zwölf Einzeltische durften in den Prüfungsräumen stehen. Alle Absolventen eines Ausbildungsjahrgangs mussten die Abschlussprüfung parallel schreiben. Der Raum- sowie Aufsichtsbedarf war erhöht. Auch eine logistische Herausforderung. "Alles ist aber toll gelaufen. Das ist dem Engagement der Lehrkräfte und der Studierenden zu verdanken. Wir haben diese Situation gemeinsam gut gemeistert", lobt der Schulleiter.

Eine, wie üblich, gemeinsame große Abschlussfeier hatten die Erzieher und Erzieherinnen, Heilerziehungspfleger und -pflegerinnen, Sozialassistenten und sowie die geprüften Fachkräfte für Arbeits- und Berufsförderung in diesem Jahr nicht. Jede Klasse wurde unter den geltenden Abstands- und Hygienevorschriften einzeln verabschiedet.

Weitere Bildungsabschlüsse

Zusätzlich zu ihren Ausbildungsabschlüssen erwarben bei den Erzieherinnen und Erziehern acht sowie bei den Heilerziehungspflegerinnen und -pflegern sieben Studierende durcheine zusätzliche Prüfung die staatlich anerkannte Fachhochschulreife. An der Berufsfachschule für Sozialassistenz mit dem Schwerpunkt Heilerziehung erwarben 20 Schülerinnen und Schüler den mittleren Bildungsabschluss (Fachoberschulreife "FOR") sowie weitere 26 Absolventinnen und Absolventen den mittleren Bildungsabschluss mit Qualifikationsvermerk für den Besuch der gymnasialen Oberstufe ("FOR mit "Q"-Vermerk).

Ausbilder für die Region

Mehr als die Hälfte der Examinierten hatte während der Ausbildung in Einrichtungen und Diensten für Kinder- und Jugendliche oder Menschen mit Behinderung außerhalb der Diakonischen Stiftung Wittekindshof gearbeitet. Viele haben für ihre Ausbildung lange Wege auf sich genommen. Somit hat sich das Evangelische Berufskolleg von der ursprünglichen Ausbildungsstätte für den Wittekindshof zu einem großen Ausbilder in der näheren und weiteren Umgebung entwickelt hat. An mehreren Standorten in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen sind unter dem Dach des Berufskollegs die Fachschule für Sozialpädagogik für die Erzieherausbildung, die Fachschule für Heilerziehungspflege für die HEP-Ausbildung sowie die die zweijährige Berufsfachschule für Sozialassistenz - Schwerpunkt Heilerziehung vereint, die zusätzlich auch die Weiterbildung als Geprüfte Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung (GeFAB) anbietet, die Gruppenleitungen in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) neben einer Ausbildung in einem Handwerks- oder Industrieberuf benötigen.