Mitarbeiter Jörg Prätorius lenkt und fährt das Rollstuhlrad, in dem Wolfgang Holzheuer sitzt.
Jörg Prätorius und Wolfgang Holzheuer unternehmen eine gemeinsame Spazierfahrt.
Vier Menschen stehen um ein Rollstuhlfahrrad, in dem ein Mann mit Warnweste sitzt.
Kriminalhauptkommissar Oliver Thamm (links) hat Warnwesten für Jörg Prätorius (Zweiter von links) und Wolfgang Holzheuer mitgebracht. Auch Bereichsleiterin Monique Grumptmann und Betreuer Harald Bernshausen (rechts) freuen sich über das neue Rollstuhlrad, das Wolfgang Holzheuer mehr Bewegungsfreiheit im Alltag bietet.

"Das ist wie Autofahren"

Rollstuhlfahrrad eröffnet neue Möglichkeiten – Polizei sorgt mit Warnwesten für Sicherheit

Bad Oeynhausen-Volmerdingsen (ACL). Es ist windig und nieselt. Doch das macht Wolfgang Holzheuer nichts aus. Er sitzt auf dem vorderen Platz des Rollstuhlfahrrads, das von Jörg Prätorius gesteuert wird, und lacht. Holzheuer hat eine Sehbehinderung und Schwierigkeiten beim Laufen, doch mit dem neuen Fahrrad, kann er nun endlich Spazierfahrten unternehmen. Ein ganz neues Lebensgefühl: "Das Rad macht die Umwelt für ihn noch einmal anders erlebbar", sagt Prätorius. "Wolfgang kann sich vorne bequem und sicher in den Rollstuhl setzen, ohne Angst haben zu müssen, versehentlich in die Speichen zu fassen und sich zu verletzen. Die beiden Vorderräder sind verkleidet."

Der Mitarbeitende der Diakonischen Stiftung tritt in die Pedalen. Bergauf geht es über die Pfarrer-Krekeler-Straße in Volmerdingsen. "Kein Problem", sagt er und deutet auf den Elektromotor des Spezialrades. Der schafft die Steigungen am Fuße des Wiehengebirges problemlos. "Es fährt wie eine Auto", freut sich Holzheuer. Der 61-Jährige sieht zwar nicht, wo Prätorius mit dem Rollstuhlfahrrad entlang fährt, aber er spürt den Wind im Gesicht, hört, wie die Reifen über den Asphalt sausen, und merkt, wenn Prätorius das Tempo anzieht. Holzheuer liebt die Geschwindigkeit.

Gemeinsam mit seinem Bezugsmitarbeiter und seinem Betreuer Harald Bernshausen hat sich Holzheuer das neue Rad ausgesucht, nachdem er verschiedene Modelle getestet hatte. Knapp 60 Kilo wiegt das Gefährt. "Der Umgang mit dem Rad muss geübt werden. Es lässt sich nicht wie ein normales Fahrrad bedienen, aber durch die elektrische Unterstützung fährt es sich auf jeden Fall leichter - und schneller", sagt Prätorius. "Wolfgang mag das Tempo", weiß auch Harald Bernshausen, der mit dem 61-Jährigen eigentlich Spazierfahrten in seinem Auto unternommen wollte. "Aktuell geht das natürlich nicht", sagt Bernshausen mit Blick auf die Corona-Pandemie, "aber jetzt gibt es ja eine gute Alternative, die ihm mehr Bewegung im Alltag verschafft."

Vor dem Eingang zum Haus Simon auf dem Wittekindshofer Gründungsgelände, wo Holzheuer lebt, warten schon Bereichsleiterin Monique Grumptmann und Oliver Thamm von der Polizei Minden-Lübbecke, um das Fahrrad in Augenschein zu nehmen. Der Kriminalhauptkommissar ist extra gekommen, um das Rad zum Schutz vor Diebstählen zu registrieren. Und er hat gleich noch gelbe Warnwesten dabei. "Mit der Aktion 'Sicherheit durch Sichtbarkeit' will die Polizei im Kreis auf die Gefahren für Fußgänger und Radfahrer gerade in der herbstlichen Jahreszeit hinweisen", sagt er. In der Dämmerung oder Dunkelheit steige das Risiko nicht oder nur sehr schlecht von Autofahrern wahrgenommen zu werden. "Daher empfehlen wir sichtbare Bekleidung und Reflektoren", sagt Thamm, während er die Warnwesten überreicht. Diese ziehen Wolfgang Holzheuer und Jörg Prätorius sogleich an. Und Holzheuer fragt: "Wollen wir weiter Fahrrad fahren?" Prätorius tritt in die Pedalen.