Acht Erwachsene machen den ersten Spatenstich an der Mont-Cenis-Straße.
Diethelm Thielemann (von links), Katharina Menke, Matthias Jacobstroer, Mathias Grunert, Bettina Szelag, Gerrit Plein, André Weber und Kim Laszczyk stoßen beim symbolischen Spatenstich für das neue Wittekindshofer Wohnhaus an der Mont-Cenis-Straße 138 in Herne-Sodingen buchstäblich auf Gold.

Spatenstich für neues Wittekindshofer Wohnhaus

An der Mont-Cenis-Straße entstehen Wohnplätze für Menschen mit Prader-Willi-Syndrom

Herne-Sodingen (JP). Das kann nur ein gutes Zeichen für den Bau werden: Beim symbolischen ersten Spatenstich für das neue Wohnhaus der Diakonischen Stiftung Wittekindshof an der Mont-Cenis-Straße 138 ist Geschäftsbereichsleiter Matthias Jacobstroer auf Gold gestoßen. In Mitten von Schutt und Unkraut blitzte ein goldenes Zehn-Cent-Stück aus der Erde. "Das kommt in den Grundstein", waren sich alle Anwesenden einig.

"Wir freuen uns, dass nach einer mehrjährigen Planungsphase nun die Bagger rollen werden und wir unser Angebot in Herne weiter ausbauen können. Denn die Nachfrage nach spezialisierten Wohnangeboten für Menschen mit dem seltenen Prader-Willi-Syndrom (PWS) im Ruhrgebiet ist weiterhin hoch", sagte Jacobstroer, der als Geschäftsbereichsleiter für die Wittekindshofer Angebote in Herne und Oberhausen zuständig ist. Bereits im Oktober sollen daher die Arbeiten für den Rohbau nach den Plänen des Büros BrandArchitekten PartGmbB aus Lemgo beginnen.

Zwölf Plätze für Menschen mit Prader-Willi-Syndrom

Entstehen wird ein zweigeschossiges, barrierefreies Haus mit Garten, in dem insgesamt zwölf Wohnplätze für Menschen mit PWS zur Verfügung stehen werden - aufgeteilt auf fünf Einzelappartements sowie eine Dreier- und Vierer-Wohngruppe mit Terrasse oder Balkon. Die Einzelappartements sind jeweils mit eigenem Bad sowie einem Schlaf- und Wohnraum mit Essbereich ausgestattet, drei der Appartements haben zudem eine separate Küche. Die anderen beiden Wohnungen verfügen über eine Küchenzeile im Wohn- und Essbereich. Die Wohngruppen bestehen aus Einzelzimmern mit separaten Badezimmern sowie gemeinsamen Wohn- und Essbereichen und Küchen. Freizeit- und gemeinsame Sportangebote können in einem Mehrzweckraum stattfinden.

Tagesstrukturierende Angebote im Erdgeschoss

Im Erdgeschoss ist ein Raum für Tagesstrukturierende Angebote geplant, an denen Menschen mit Behinderung teilnehmen können, die aufgrund ihres Alters oder ihrer Behinderung nicht oder noch nicht arbeiten oder bereits im Rentenalter sind.

Engmaschige Begleitung

Vom neuen Wohnhaus aus sind in wenigen Gehminuten Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, Apotheken, Sparkasse, Kirche und direkt vor der Tür eine Bushaltestelle erreichbar. Das gesamte Haus wird an die besonderen Bedürfnisse für Menschen mit PWS angepasst. "Wir bieten Unterstützung sowohl für Menschen, die bereits sehr selbstständig sind oder noch selbstständiger werden wollen als auch für Menschen, die derzeit noch auf eine engmaschige Begleitung angewiesen sind", erklärt Katharina Menke, die als Bereichsleitung für die zwei Häuser weitergelegene PWS-Wohnangebot des Wittekindshof zuständig ist und die Planung des neuen Wohnhauses beratend begleitet hat.

Lebensqualität steigern

"Wir sind seit mehr als zehn Jahren in Herne in der Behindertenhilfe aktiv und haben stets Unterstützung seitens der Stadt erfahren. Das war auch hier an der Mont-Cenis-Straße wieder der Fall. Mit dem neuen Wohnhaus tragen wir dazu bei, dass die Lebensperspektiven von Menschen mit PWS ebenso wie deren Lebensqualität deutlich gesteigert werden", betonte André Weber, der als stellvertretende Ressortleitung sämtliche Wohnangebote der Diakonischen Stiftung Wittekindshof verantwortet.

Spatenstich mit Nachbarn

"Wir freuen uns, dass Sie alle gemeinsam mit uns diesen symbolischen Spatenstich vollziehen", sagte Jacobstroer zu den Anwesenden. Neben Bettina Szelag, der Vorsitzenden des Behindertenbeirats der Stadt Herne, Bezirksbürgermeister Mathias Grunert, dem Bauleiter Diethelm Thielemann und Vertretern der Diakonischen Stiftung Wittekindshof war auch Gerrit Plein, stellvertretende Bereichsleitung der AWO, als zukünftiger Nachbar gekommen. Denn nebenan baut die AWO ein neues Haus, in dem eine Kindertagesstätte und Seniorenwohnungen Platz finden. "Wir freuen uns auf eine lebendige Nachbarschaft", sagte Jacobstroer.

Das Prader-Willi-Syndrom

Das Prader-Willi-Syndrom ist eine seltene Behinderung, die auf einer Veränderung des 15. Chromosoms beruht. Typisch sind körperliche Besonderheiten, eine geistige Behinderung und vor allem eine angeborene Esssucht und herausforderndes Verhalten, die oft zu erheblichen Problemen im Zusammenleben in der Familie, in Kindertagesstätten, Schulen und am Arbeitsplatz führen. Um dem besonderen Unterstützungsbedarf von Menschen mit PWS gerecht zu werden, hat der Wittekindshof in Herne 2008 ein spezialisiertes Wohnangebote für Frauen und Männer mit Prader-Willi-Syndrom geschaffen, das aufgrund der hohen Nachfrage ausgeweitet wurde.