Gemeinsam im Gespräch über das additiv-kooperative Schulmodell (von links): Evelyn Tober, stellvertretende Leiterin Schule Wittekindshof, Reiner Breder, Ressortleiter Bildung, Arbeit und Gesundheit, Lehrer Helge Morawietz, Landtagsabgeordnete Kirstin Korte, Andreas Becker-Brandt, Leiter Schule Wittekindshof, Lehrerin Anna Kleine und Tanja Kienapfel, Schulleiterin am Teilstandort Volmerdingsen des Grundschulverbunds zwischen Weser und Wiehen.
Auf Tauchfühlung: Die Landtagsabgeordnete Kirstin Korte fragt nicht nur die zuständigen Erwachsenen, was sie vom additiv-kooperativen Schulmodell halten. Auch die Grund- und Förderschüler sagen, wie es ist, gemeinsam Unterricht zu haben.

"Additives Schulmodell anerkennen"

Landtagsabgeordnete Kirstin Korte lernt Möglichkeit inklusiver Beschulung in Volmerdingsen kennen

Bad Oeynhausen-Volmerdingsen (JP). Es herrscht reges Treiben in der Turnhalle des Grundschulstandortes Volmerdingsen. Die U1 der Förderschule Wittekindshof und ihre Partnerklasse haben gemeinsam Sportunterricht. Die Jungen und Mädchen balancieren Gegenstände und gehen dabei über Hindernisse. An diesem Tag haben sie besonderen Besuch: Die Landtagsabgeordnete Kirstin Korte, selbst gelernte Grundschullehrerin und im Landtag Vorsitzende des Schulausschusses, macht sich Bild vom additiv-kooperativem Schulmodell: Wie wird gemeinsamer Unterricht von Jungen und Mädchen mit und ohne Behinderung umgesetzt?

"Danke, dass ich hier sein kann und live erlebe, wie gelebte Inklusion funktioniert", sagt Korte gleich zu Beginn. "Es bringt nichts, wenn man die Bildungslandschaft nur vom Schreibtisch oder Rednerpult betrachtet. Man muss es in der Praxis erleben. Ich stelle es mir angesichts des hohen Differenzierungsgrades des Unterrichtsmaterials und der generellen Heterogenität einer Klasse schwer vor, auch Kindern mit Förderbedarf gerecht zu werden", stellt Korte in den Raum. "Die Partnerklassen werden in Kunst, Sport oder Musik gemeinsam unterrichtet. Alle Schüler werden auf ihrem individuellen Lernniveau angesprochen und erleben dabei Gemeinschaft", erklärt Grundschullehrerin Anna Kleine. Während Lesen, Schreiben und Mathematik für die Grundschüler wichtige Inhalte seien, liege der Schwerpunkt der Förderung bei den Kindern mit Behinderung mehr im lebenspraktischen Bereich, fügt Andreas Becker-Brandt hinzu. Er ist Leiter der Schule Wittekindshof mit den Förderschwerpunkten geistige und körperlich-motorische Entwicklung: "Inhalte sind basaler angelegt und werden häufig fächerübergreifend erarbeitet. Aber auch Begegnungen im Alltag, etwa in der Pause, bei Festen und Projekten, werden gefördert."

Zufriedenheit bei allen Beteiligten hoch

"Aber seien wir ehrlich: Das kann nicht für alle Schulen und alle Kinder funktionieren", sagt die Landtagsabgeordnete. "Das soll es auch nicht. Wir sagen nicht, dass das Modell das Beste ist, aber für manche Kinder ist es das Beste. Alle Schüler profitieren im Bereich des Sozialen Lernens von einander. Sie lernen Toleranz, Hilfsbereitschaft und gegenseitige Rücksichtnahme. Sie entwickeln Verständnis für den anderen und entdecken Gemeinsamkeiten", entgegnet Diakon Reiner Breder, Ressortleiter, der als Ressortleiter für die Bereiche Bildung, Arbeit und Gesundheit im Wittekindshof verantwortlich ist. Er geht davon aus, dass auch in Zukunft keine idealen Rahmenbedingungen für inklusive Schulen geschaffen werden. "Es ist ein Modell, wie Inklusion funktionieren kann. Es ist eine Art dritter Weg zwischen Förderschulen und Inklusionsschulen. Da wir auch mittelfristig keine Chance für die Öffnung der Förderschule für Regelschüler sehen, setzen wir uns daher für das additiv-kooperative Schulmodell ein, bei dem umfassende Förderung wie an Förderschulen ebenso möglich ist, wie das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung. Unser Wunsch ist es daher, dass dieses Modell offiziell anerkannt wird." Die Zufriedenheit der Eltern, Lehrer und Schüler, die in mehreren Evaluationsabfragen überprüft wurde, spreche für das Modell. "Die Erfahrungen mit der ersten Kooperationsklasse in der Grundschule in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen waren so gut, dass mittlerweile zwei Förderschulklassen in der Grundschule unterrichtet werden", fügt Becker-Brandt hinzu.

Mehr Sonderpädagogen benötigt

Tanja Kienapfel, Schulleiterin am Teilstandort Volmerdingsen des Grundschulverbunds zwischen Weser und Wiehen, legte Korte noch weitere notwendige Veränderungen nahe, die eine gemeinsame Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderung fördere: "Die Klassengröße an der Grundschule macht es nicht leicht, den Unterricht zieldifferent zu gestalten. Auch sind mehr Sonderpädagogen und räumliche Ressourcen notwendig, um den unterschiedlichen Bedürfnissen der Schülern und Schülerinnen gerecht zu werden."

Alles keine neuen Punkte für Korte, wie sie sagte. "Aber ich werde unserem Staatssekretär und der Schulministerin ans Herz legen, wie gut so ein kooperatives Konzept funktionieren kann, wenn die räumliche Nähe ermöglicht werden kann. Das habe ich heute erlebt."