Eine große Gruppe Männer mit langen Bärten und einige Frauen und Kindern.
Gruppenbild mit Bart: Egal, ob lang und spitz, breit und kurz, mit Oberlippenbart oder gar keine Gesichtsbehaarung: Zum bärtigen Familientreffen auf dem Wittekindshof sind etwa 100 Männer, Frauen und Kinder gekommen.
Ein junger Mann und eine Dame im Rollstuhl halten zwei Alpakas und zwei Lamas an Halftern fest.
Fabien Fehrmann (links) und Karin Probian kümmern sich um die Lamas Horst und Knut sowie die Alpakas Till und Jimmi, aus deren Fließ Seife gewonnen wird.
Ein schwarzes und ein braunes Alpaka haben ihre Köpfe aneinander gelehnt.

Bärtiges Familientreffen

Wittekindshof empfängt Gäste aus der ganzen Republik – Lamas und Alpakas verbinden

Bad Oeynhausen-Volmerdingsen (JP). Müsste dieser besonderen Zusammenkunft ein Titelsong gegeben werden, wäre es wohl "Männer mit Bärten". Doch anders als im von Gottfried Wolters gedichteten Seemannslied war es keine Kapernfahrt, die die etwa 100 bärtigen Männer und ihre Familien auf dem Wittekindshof zusammenführte. Ganz im Gegenteil. Es waren vier süße, flauschige Vierbeiner: die Alpakas Jimmi und Till sowie die Lamas Horst und Knut.

Jimmi und Till bereichern die Tiergestützte Pädagogik der Diakonischen Stiftung Wittekindshof seit drei Jahren. Menschen mit Behinderung, die Angebote der Stiftung nutzen, kümmern sich um sie, pflegen und versorgen die beiden fünfjährigen Hengste, ebenso die beiden Lamas. So werden Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl gestärkt. Einmal im Jahr müssen die Alpakas zur Schur, die Lamas alle zwei Jahre. "Die Wolle von Jimmi und Till haben wir damals aufgehoben, obwohl wir noch nicht wussten, was wir damit machen können", sagt Bereichsleiter Jens Knierim. Beim Stöbern im Internet stieß er auf das Angebot der "Seifenköche". Sie kochen aus eingeschickter Wolle Seife.

Aus 100 Gramm sauberer Wolle werden 30 Stücke Seife gewonnen. Versehen mit unterschiedlichen Düften gibt es sie als kleine Gästeseifen, größere Stücke und seit einiger Zeit auch in einem Bartpflegeset. Die Idee dazu hatte Jens Knierim, der selbst Bartträger ist. Um das Angebot bekannter zu machen, vernetzte Knierim sich online in Foren und Facebook-Gruppen. "Mit der Zeit ist daraus eine große Bart-Community geworden, die uns super unterstützt und unsere Produkte weiterempfohlen hat. Es war wie eine Kettenreaktion. Das freut uns natürlich sehr, aber auch die Frauen und Männer mit Behinderung, die an der Seifenproduktion in den Tagesstrukturierenden Angeboten (TSA) beteiligt sind. Dort wird das Fließ gebürstet und gewaschen. Sie erfahren dadurch viel Wertschätzung für ihre Arbeit", sagt Knierim, der den "Bearded Family-Day", zu Deutsch: Bärtiger Familientag, auf die Beine gestellt hat. "Wir wollten einmal alle Unterstützer zusammenbringen und einen gemeinsamen Tag für alle ausrichten, quasi als Dank für ihre Hilfe."

Gäste aus Bayern, Münster, Bremen oder Oldenburg etwa hatten sich am vergangenen Samstag auf den Weg nach Bad Oeynhausen-Volmerdingsen gemacht - unter anderem Mitglieder der Bartclubs "Gilde der Bartbrüder", "The Crazy Beards" und "Beard Bro Club", die von Beginn an das Projekt unterstützt haben. Ebenfalls mit dabei das North-Germany-Chapter der Mad Vikings. Was nach einem Motorradclub mit einem martialischen Logo und Namen klingt, ist aber alles andere als das: "Der Club kommt aus Amerika und wurde vom Enkel eines schwedischen Einwanderers gegründet, der damals von seinen Arbeitskollegen 'der verrückte Wikinger - Mad Viking' genannt wurde", erklärt Stefan Christ, Vorsitzender des norddeutschen Ablegers. "Wir haben aufgrund unseres Aussehens oft mit Vorurteilen zu kämpfen. Aber wer uns kennenlernt, wird ganz schnell merken, dass wir keine bösen Buben sind. Bei uns steht das soziale Engagement im Vordergrund", erklärt Christ weiter. So habe die Vereinigung bereits für Obdachlosenheime oder Offene Ganztagsschulen gesammelt. Beim bärtigen Familientreffen haben die Männer und ihre Familien ehrenamtlich gegrillt und den Thekendienst übernommen.

Dass Gemeinschaft und soziales Engagement bei allen Gästen zentrales Anliegen beim bärtigen Familientreffen war, war deutlich zu spüren. Fabien Fehrmann, der sich unter anderen um die Lamas und Alpakas des Wittekindshofes kümmert, ließ sich vom Äußeren der Gäste nicht abschrecken und mischte sich unter die Gäste oder führte Verkaufsgespräche mit ihnen, bei denen er die Wittekindshofer Seifen anpries wie ein Profi. Für die Kinder gab es Spiel- und Bastelangebote, Geschäftsbereichsleiter Dietmar Struck stellte das Bogenschießen vor und die Hofsänger gaben mit Vocal-Coach René Noçon ein paar Lieder zum Besten.

Die Begegnungen mit Jimmi, Till, Horst und Knut waren aber wohl die heimlichen Höhepunkte des Nachmittags. Denn auch die scheinbar harten Männer mit ihren prächtigen, gepflegten Bärten wurden beim Anblick der kleinen Herde ganz schwach. Da wollte jeder mal streicheln, am Halfter führen oder ein Selfie knipsen. "Die Seifen aus dem Fließ von Jimmi und Till waren der Anstoß, sich in der Bartträger-Szene zu vernetzen. Heute haben wir erlebt, dass der Titel 'Family-Day' für unser Treffen absolut passend gewählt war. Wir haben tolle Gespräche geführt, uns besser kennengelernt und hatten viel Spaß", bilanziert Jens Knierim zufrieden.