Ermordung
Um die jüdischen Gemeinden zu drangsalieren, zwang der NS-Staat sie, die Kosten für Menschen jüdischen Glaubens in den Heil- und Pflegeanstalten zu übernehmen. So war ab 1. Januar 1939 die Jüdische Freie Wohlfahrtspflege bzw. die jüdische Gemeinde Osnabrück verpflichtet, für seine Unterbringung im Wittekindshof zu zahlen. Nach vielem Hin und Her zog letztlich der Oberpräsident der Provinz Hannover das Geld von diesen Stellen ein und zahlte es an den Wittekindshof. Am 1. Januar 1940 galt Siegfried Bloch auf Verfügung des Oberpräsidenten der Provinz Hannover als Selbstzahler.
Siegfried Bloch wurde zusammen mit den anderen fünf jüdischen Bewohnerinnen und Bewohnern des Wittekindshofs am 21. September 1940 nach Wunstorf verlegt und am 27. September in der Tötungsanstalt Brandenburg/Havel ermordet.
Nachdem Hermann Bloch noch am 21. September von der Verlegung seines Bruders erfuhr, schrieb er am nächsten Tag an den Wittekindshof und forderte 400 Mark zurück. Diese hatte er 1933 dem Wittekindshof überwiesen, um für Siegfrieds Beerdigung vorzusorgen, damit er auf dem jüdischen Friedhof in Osnabrück beigesetzt werden könnte.
Wie aus dem weiteren Schriftwechsel mit dem Wittekindshof hervorgeht, hat Hermann Bloch versucht, den Aufenthaltsort seines Bruders herauszufinden und bat auch Pastor Brünger, den Vorsteher des Wittekindshofs, um Hilfe. Schließlich erfuhr Hermann Bloch, dass Siegfried in die Anstalt Cholm bei Lublin verlegt worden sei. Von dort erhielt er nach mehrmaliger Anfrage nie Post. Allerdings erreichte ihn am 6. April 1941 von dort ein Schreiben. In diesem Brief teilte man ihm Siegfried Blochs Tod am 31. April 1941 mit. Neben zwei Sterbeurkunden wies man ihn auf eine Rechnung für die Unterbringung hin, die ihm in den nächsten Tagen noch zugehen würde. Hermanns Brief an den Wittekindshof endet mit dem Satz: „Nun ist mein Bruder tot.“ Es war klar, dass er wusste, was Siegfried widerfahren war.
Herrmann Bloch selbst und seine Ehefrau wurden nach 1941 Opfer des Holocausts, ebenso zwei Schwestern und deren Familien.