Mit dem digitalen Kartentisch zur inklusiven Stadtplanung Wittekindshof präsentiert Projekt „DiKomAll“ bei der Hauptversammlung der Diakonie RWL

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Die Karte auf dem großen Bildschirm leuchtet. Rot für laute Orte, grün für ruhige Zonen. Mit konzentriertem Blick tippt ein Mann auf einen Punkt in der Nähe seiner Wohnung und markiert ihn als besonders lärmbelastet. „Hier ist es zu laut, da sollte eine Lärmschutzwand hin“, erklärt er und fügt seine Empfehlung mit wenigen Fingertipps hinzu. 

Was so einfach aussieht, ist das Ergebnis intensiver Entwicklungsarbeit: Der digitale Kartentisch des Projekts „DiKomAll“ (kurz für „Digitale Kommune für alle“), den der Wittekindshof bei der Hauptversammlung des Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe (Diakonie RWL) im World Conference Center Bonn präsentierte, macht Bürgerbeteiligung für alle Menschen zugänglich – unabhängig von ihren kognitiven Fähigkeiten. 

Männer und Frauen, die vom Wittekindshof in Herne unterstützt werden, haben am Projekt mit geforscht. „Die Co-Forschenden sind Profis in eigener Sache. Sie wissen genau, welche Barrieren im Alltag bestehen und wie diese überwunden werden können“, erklärt Tobias Rahe, verantwortlich für die Wittekindshofer Angebote in Herne und Oberhausen. Die Besuchenden des Marktes konnten nicht nur die Technologie ausprobieren, sondern auch konkrete Maßnahmen zur Lärmreduzierung vorschlagen, etwa eine Lärmschutzwand an besonders belasteten Stellen.

Der Markt der Möglichkeiten unter dem Motto „Vielfalt leben, Hoffnung geben“ bot die ideale Plattform, um die Vielfalt der Angebote des Wittekindshofs zu präsentieren. An zwei Ständen stellte die Diakonische Stiftung sowohl ihre unterschiedlichen Angebotsformen und Standorte vor als auch den Kartentisch aus dem Forschungsprojekt. 

„Durch die Zusammenarbeit mit den Co-Forschenden haben wir gelernt, dass digitale Karten oft zu komplex sind und bislang die Bedürfnisse jener Menschen nicht ausreichend berücksichtigt wurden, die auf leicht verständliche und übersichtliche Darstellungen und Wegführungen angewiesen sind“, erläutert Anna-Marie Rosenkranz, Leiterin des Projekts im Wittekindshof. Auch Marian Zachow, theologischer Vorstand der Stiftung, nahm an der Hauptversammlung teil und zog ein positives Fazit: „Wir konnten demonstrieren, dass Inklusion und Digitalisierung Hand in Hand gehen können, wenn man die richtigen Werkzeuge entwickelt.“

Zum Projekt:

Im Projekt DiKomAll kooperieren Forschende der Disziplinen Gesundheitsförderung, Raumplanung und Geoinformatik, Pädagogik und Inklusion mit Praktiker*innen aus kommunaler Verwaltung, Stadtplanung, Informatik und UX-Design sowie Co-Forschenden mit kognitiven Beeinträchtigungen. Sie arbeiten gemeinsam an barrierearmen, digitalen Beteiligungsformaten und erproben bestehende Softwarelösungen in realen Verfahrenskontexten wie der Lärmaktionsplanung. 

Ziel ist die Entwicklung digitaler Beteiligungsanwendungen, die für verschiedene Gruppen einfach zu nutzen und inhaltlich gut erfassbar sind. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt wird von der Hochschule für Gesundheit in Bochum koordiniert. Weitere Partner sind die Universität Leipzig, die Universität zu Köln, die Planersocietät, die Stadt Bochum, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und die Diakonische Stiftung Wittekindshof.