„Hier kann ich selbst entscheiden“ Wie Joel Richter aus Hamm mit Unterstützung des Wittekindshofs seinen eigenen Weg geht

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Die Ruhe war für ihn anfangs ungewohnt. „Man muss sich nicht immer an- und abmelden, wenn man das Haus verlässt“, sagt Joel Richter. Dass er einmal Spaß daran haben würde, für sich zu kochen, daran hätte der 22-Jährige vor einigen Jahren noch nicht geglaubt.

Aber seit er in seinen eigenen vier Wänden lebt, hat sich für den Hammer einiges verändert. Geblieben ist die Begleitung vom Wittekindshof.

Seit über 15 Jahren wird Joel Richter bereits von der Stiftung unterstützt, die seit nunmehr 20 Jahren Angebote für Menschen mit Beeinträchtigung in der Stadt Hamm vorhält. Eines der ersten Wohnangebote war das Kinder- und Jugendhaus an der Sulkshege in Hamm-Heessen, das 2010 eröffnet wurde und in das damals auch Joel Richter einzog. 

„Im Wohnhaus und in der Schule habe ich gelernt, wie man kocht und was man im Haushalt machen muss", erzählt der Hammer. Vor zwei Jahren zog er schließlich in seine erste eigene Wohnung. Das Apartment verfügt über einen Wohn- und Schlafbereich mit Kochnische sowie ein Bad.

Seitdem wird er vom ambulanten Team des Wittekindshofs unterstützt. Den Umgang mit Geld, Einkaufen und das Organisieren des Haushaltes gehören für den 22-Jährigen nun zum Alltag. „Dafür habe ich Sebastian, er hilft mir dabei“, sagt Joel Richter. Gemeint ist Sebastian Beitz, der gelernte Heilerziehungspflege hat festgestellt: „Joel hat enorme Fortschritte gemacht, obwohl er sich das am Anfang gar nicht zugetraut hat. Er wird immer selbstständiger. Meine Aufgabe ist es, ihm den Rücken zu stärken und da zu sein, wenn er Unterstützung braucht. Aber die Entscheidungen trifft er selbst.“

Joel Richter

Erst war es ungewohnt, alleine zu wohnen. Aber irgendwann gewöhnt man sich dran

Und das genießt Joel Richter sichtlich. In seiner Wohnung kann er selbst entscheiden, wann er aufsteht, was er kocht und wie er seine Freizeit gestaltet. „Ich habe so einen Plan, wo ich sehe, was ich in der Woche machen muss“, erklärt er. Kochen macht ihm mittlerweile richtig Spaß. Seine Hobbys kommen dabei aber nicht zu kurz: Joel Richter schaut gerne den Hammer Eisbären beim Eishockey zu und verfolgt Fußballspiele. Regelmäßig nutzt er die Angebote des nahegelegenen Café Mittendrin des Wittekindshofs. Das Kontakt- und Informationszentrum (KIZ) ist ein Inklusions-Café für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung. 

Für Joel Richter ist klar: Die eigene Wohnung war die richtige Entscheidung. „Erst war es ungewohnt, alleine zu wohnen. Aber irgendwann gewöhnt man sich dran“, sagt er. Und fügt mit einem Grinsen hinzu: „Ich muss meinen Haushalt selbst machen – das macht keiner für mich. Aber das ist okay so.“