Digitale Selbstbestimmung Pezi-App gibt Menschen mit Beeinträchtigung eine Stimme

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„Selbstständigkeit ist das A und O“, sagt Dorian Müller. Der junge Mann nutzt die Angebote des Wittekindshofs in Bad Oeynhausen und engagiert sich für die Entwicklung der neuen Pezi-App. Pezi steht für „Persönliche Ziele“ und ist der Arbeitstitel eines Projekts, das Menschen mit Beeinträchtigung dabei unterstützen soll, ihre Wünsche und Ziele in Teilhabegesprächen selbstbestimmt zu formulieren, ein wichtiger Schritt zu mehr Unabhängigkeit im Alltag.

Daniel Pötzsch, Projektleiter

Wir entwickeln eine App, die Menschen mit Beeinträchtigungen dabei unterstützen soll, Teilhabegespräche selbstbestimmt anzugehen.

Die App wird von der Sozialstiftung NRW mit 100.000 Euro gefördert und befindet sich derzeit in einer entscheidenden Entwicklungsphase. Projektleiter Daniel Pötzsch führt Interviews mit Klient*innen der Diakonischen Stiftung Wittekindshof, um deren Bedürfnisse und Erfahrungen direkt in die Entwicklung einfließen zu lassen. „Wir entwickeln eine App, die Menschen mit Beeinträchtigungen dabei unterstützen soll, Teilhabegespräche selbstbestimmt anzugehen", erklärt Daniel Pötzsch. In diesen Gesprächen werden mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Hauptleistungsträger die individuellen Unterstützungsleistungen für Menschen mit Beeinträchtigung festgelegt. Die Teilhabeplanung ist entscheidend für die Lebensqualität der Betroffenen, da hier bestimmt wird, welche Mittel und Sachleistungen sie erhalten.

Dorian Müller bringt wertvolle Erfahrungen in das Projekt ein. Als ehemaliges Mitglied im Kinder- und Jugendparlament der Stiftung ist er mit Prozessen der Mitbestimmung vertraut und weiß, wie wichtig Selbstbestimmung ist. „Ich setze mich gern für Menschen ein, die nicht eigenständig sprechen können oder beeinträchtigt sind: Damit sie sich selbst helfen können“, betont er. Für ihn persönlich bedeutet die App vor allem mehr Autonomie: „Das finde ich sogar echt cool, dass die App mich selbstständig unterstützt, dass ich nicht mehr auf Mitarbeiter angewiesen bin."

Dorian Müller, Co-Entwickler

Bisher gehe ich immer zu Mitarbeitern und frage, ob sie mir vorlesen können, oder ich frage Chat GPT

Im Interview mit Daniel Pötzsch ging es um konkrete Funktionen der App: Welche Symbole sind intuitiv verständlich? Wie sollte eine Vorlesefunktion klingen? Soll ein Avatar realistisch oder eher stilisiert dargestellt werden? Auch die Rolle von künstlicher Intelligenz wurde diskutiert. „Für Menschen mit Lernbehinderungen ist es oft schwierig, Texte zu verstehen. Bisher gehe ich immer zu Mitarbeitern und frage, ob sie mir vorlesen können, oder ich frage Chat GPT", beschreibt Dorian Müller.

„Die App soll ein Instrument sein, das Menschen mit Beeinträchtigung dabei unterstützt, ihre Wünsche und Ziele im Leben anzugeben", fasst Projektleiter Daniel Pötzsch zusammen. Denn nur wenn diese Bedürfnisse klar kommuniziert werden können, kommen die entsprechenden Unterstützungsleistungen auch so bei den Menschen an, wie sie es sich vorstellen. Nach Abschluss der Interviewphase im ersten Quartal 2026 beginnt die technische Umsetzung.

„Im Sommer werden wir die Entwicklung der App eng mit unserer Co-Entwicklergruppe begleiten. Die Rückmeldungen der Gruppe fließen dabei kontinuierlich in die Weiterentwicklung ein, sodass wir bis Ende des Jahres einen Prototyp präsentieren können.“

Gefördert durch die Sozialstiftung NRW