Ein Portrait von Vorstandssprecher Professor Doktor Dierk Starnitzke.
  • Meldung

Wittekindshof kündigt Strukturveränderungen an

Bad Oeynhausen-Volmerdingsen. Der Wittekindshofer Geschäftsbereich 4 wird zukünftig in seiner alten Form nicht mehr existieren. "Das oberste Leitungsgremium der Stiftung, die Ressortleitungskonferenz, ist nach eingehender Prüfung und unter Berücksichtigung der notwendigen Angebotsentwicklung im Hinblick auf das Bundesteilhabegesetz zu dem Entschluss gekommen, den Geschäftsbereich 4 komplett neu zu strukturieren", verkündet Prof. Dr. Dierk Starnitzke, Vorstand der Diakonischen Stiftung Wittekindshof.

Derzeit lebt in den Wohnbereichen des Geschäftsbereiches 4 ein relativ großer Teil der erwachsenen Menschen mit Behinderung, die aufgrund ihres herausfordernden Verhaltens und psychischer Beeinträchtigung auf umfassende Unterstützung und besonders enge Begleitung angewiesen sind. Diese Konzentration der spezialisierten Wohnangebote auf einen Geschäftsbereich wird nun aufgehoben. Sie werden zukünftig auf drei Geschäftsbereiche unter der Leitung erfahrener Führungskräfte aufgeteilt. "Diese Angebote der Heilpädagogischen Intensivbetreuung werden den entsprechenden Geschäftsbereichen fachspezifisch zugeordnet. So können wir gezielt möglichen Krisensituationen entgegenwirken und die Durchlässigkeit in andere Wohnangebote erhöhen", erklärt Starnitzke.

"Außerdem wird zur weiteren Unterstützung der fachlichen Arbeit für den Heilpädagogischen Intensivbereich eine zusätzliche Fachdienstleitung eingesetzt. Ihr sind die Psychologinnen und Psychologen unterstellt, die für den Heilpädagogischen Intensivbereich eine Zuständigkeit haben. Sie haben gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort und gegenüber den Geschäftsbereichsleitungen ein Initiativ- und Vetorecht und sichern somit die Einhaltung von fachlichen Standards in der Wohn- und Betreuungsqualität ab. Punktuelle und radarmäßige Kontrollen sowie Berichte an die Ressortleitungen und den Vorstand gehören ebenfalls zu ihren Aufgaben", kündigt Vorstand Starnitzke an.

Anlass der Angebotsüberprüfung waren unter anderem auch Untersuchungen der Staatsanwaltschaft Bielefeld gegenüber dem ehemaligen Leiter des früheren Geschäftsbereiches 4. Unverzüglich nach Bekanntwerden der Vorwürfe sind die Prozesse und die Standards im Kontext der Gewaltprävention und der freiheitsentziehenden Maßnahmen von einer fachlich qualifizierten Sonder-Kommission grundlegend überprüft worden. Zu ihr zählen Experten für Eingliederungshilfe und heilpädagogische Maßnahmen, Juristen, leitende Psychologen, ein erfahrener Geschäftsbereichsleiter für heilpädagogische Intensivbetreuung sowie Ressortleitungen. "Alle Mitarbeitenden unserer Stiftung im direkten Betreuungsdienst werden zurzeit in diesen neuen Vorgaben geschult", führt der Vorstand aus.

"Dass wir die Ermittlungen gegen die ehemalige Leitung des früheren Geschäftsbereiches 4 mit großer Aufmerksamkeit und Ernsthaftigkeit begleiten, steht außer Frage. Daher haben wir auch entschieden, zum bestehenden Beschwerdemanagement der Stiftung ein zusätzliches Ombudssystem einzuführen, dass die Sicherheit gewährt, etwaige Fehlentwicklungen aufzuzeigen. Intensive Gespräche mit möglichen Ombudspersonen laufen derzeit", sagt Starnitzke und betont, dass die Stiftung die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft weiterhin vorbehaltlos unterstütze. "Gemäß unserem Leitbild verstehen wir ausnahmslos jeden Klienten als Menschen mit individuellen Bedürfnissen, der uns den Auftrag zu unserem Handeln gibt. Es darf nie zu Versäumnissen und gesetzlichen Verstößen im Umgang mit ihm bzw. ihr kommen. Sollten sich die geäußerten Verdachtsmomente im Rahmen der Ermittlungen der zuständigen Behörden in Teilen oder ganz bestätigen, werden wir uns dem als Stiftung vorbehaltlos stellen und daraus die nötigen Konsequenzen ziehen. Wenn sich herausstellen sollte, dass Klientinnen und Klienten in ihren Rechten verletzt worden sein sollten, bedauern wir das zutiefst", betont Pfarrer Prof. Dr. Dierk Starnitzke abschließend.