Drei Männer stehen vor einer Bushaltestelle.
Blick von oben auf dei Bühne und in den Publikumsraum.
Ein Mann hört über ein Headset zu.
Eine Frau und drei Männer unterhalten sich auf einer Bühne.
Drei Männer sitzen auf einer Bühne und reden.
Ein Mann am Mikrofon
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Viel Bürokratie und gute Chancen für behinderte Menschen

Das neue Bundesteilhabegesetz verändert die Behindertenhilfe grundlegend. Es stand im Mittelpunkt des Wittekindshofer Aschermittwochsempfangs. Trotz des komplexen Themas war der Abend locker, humorvoll und fachlich fundiert, Dank der Moderation von Raúl Krauthausen und den ansteckenden Gesangseinlagen der Hofsänger, einem neuen Wittekindshofer Chor, den René Noçon als Vocal-Coach zur Bühnenreife geführt hat.

Neuerung zum 1.1.2020: Trennung der Leistungen

"Das neue Bundesteilhabegesetz (BTHG) soll die UN-Behindertenrechtskonvention umsetzen, das Recht von Menschen mit Behinderung stärken, aber auch die Steuerungsbefugnisse der Sozialleistungsträger ausweiten", erklärte Michael Conty. Der Vorsitzende des Evangelischen Fachverbandes für Behindertenhilfe und Psychiatrie Rheinland-Westfalen-Lippe betonte, dass das BTHG "furchtbar bürokratisch" sei, aber den Blick auch auf die Wünsche und Bedarfe des einzelnen Menschen lenke. Entscheidende Neuerung zum 1. Januar 2020 sei die Trennung der existenzsichernden Leistungen zum Lebensunterhalt von den Fachleistungen der Behindertenhilfe. Einrichtungen wie der Wittekindshof bekommen eine neue zusätzliche Rolle als Vermieter, Menschen mit Behinderung und ihre rechtlichen Betreuer und Angehörigen müssten verschiedene Anträge stellen, um auch weiterhin die finanzielle Unterstützung wie bisher zu bekommen. Das führe dazu, dass die Behörden bis Anfang nächsten Jahres, wenn das neue System umgesetzt werde, tausende Anträge bearbeitet haben müssen.

Infos nötig, um Chancen zu nutzen

"Wir haben den Systemwechsel gewollt und müssen die Chancen nutzen", betonte der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Matthias Löb. Durch das neue Gesamtplanverfahren werden Menschen mit Behinderung direkt beteiligt und gefragt, was sie sich wünschen und welche Unterstützung sie benötigten, damit Barrieren nicht ihren Alltag behindern. Konkret wurde es in einer zweiten Gesprächsrunde. Felix Bilbang, der Vorsitzende des Gesamtwerkstattrates der Wittekindshofer Werkstätten berichtet: "Wir haben jetzt gewisse Mitspracherechte. Außerdem können wir wählen, ob wir in der Werkstatt oder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten wollen." Für den Angehörigenbeirat beteiligte sich Dr. Regina Wiedemann, die davor warnte, dass Angehörige durch das BTHG nicht überfordert werden dürften. Sie forderte kompakte und vor allem gut verständliche Informationen, damit alle wissen, wann wo welche Anträge gestellt werden müssen.

Ziel, dass Menschen in großer Verschiedenheit selbstverständlich zusammen leben

Die gewünschten Informationen sicherte der Wittekindshofer Vorstand, Pfarrer Professor Dr. Dierk Starnitzke, zu und betonte: "Die komplexen Systemveränderungen bewältigen wir nur, wenn alle gut zusammenarbeiten. Wenn das gelingt, bietet das Gesetz gute Chancen, dass Menschen in großer Verschiedenheit selbstverständlich zusammen leben."