Eine große Gruppe Erwachsener steht draußen dicht zusammen und blickt in die Kamera.
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Rollentausch bei Pfarrkonferenz in Volmerdingsen

Horst Maas hat unzählige Gottesdienste und Andachten von Pfarrern erlebt. Bei der Pfarrkonferenz des Kirchenkreises Herford, die zu Gast auf dem Wittekindshofer Gründungsgelände war, hat Horst Maas die Rollen getauscht. Der Mann, der seit über 70 Jahren in Wittekindshofer Wohnhäusern lebt, hat vorne gesprochen - im Sitzen, denn langes Stehen fällt dem 84-Jährigen schwer. Er hat zusammen mit vier anderen Wortkünstlern die Andacht zum Auftakt der Pfarrkonferenz gestaltet.

Wer nicht lesen kann, spricht frei

Die Wortkünstler treffen sich wöchentlichen im Kontakt- und Informationszentrum (KIZ) Volmerdingsen, zum Schreiben oder Diktieren von Texten. Für die Pfarrkonferenz hatten sie Texte über Vertrauen und Fürbitten formuliert und später vorgelesen. Wer nicht lesen kann, hat frei gesprochen. Die versammelten Pfarrerinnen und Pfarrer waren beeindruckt – die Botschaften waren lebensnah, anschaulich und konkret. Siegfried Novozin berichtete von seinem Vertrauen zum Bademeister, der ihm hilft, wenn er einen Krampf im Bein beim Schwimmen bekommt. Horst Maas sagte: "Ich vertraue auf Gott, wenn wir gestorben sind, dass er mich und meine Freunde und alle Menschen auferweckt." Für Anna-Lena Knop ist Vertrauen zu den Mitarbei-tenden wichtig, die sie beim Selbstständigwerden und bei ihrem großen Ziel, in eine eigene Wohnung umzuziehen, unterstützen.

Predigt in Leichter Sprache

Vorstandssprecher Pfarrer Dr. Dierk Starnitzke, der auch als Professor für Biblische Theologie und Diakonische Unternehmensführung in Forschung und Lehre engagiert ist, hat seine theologischen Überlegungen in der Predigt konsequent in Leichter Sprache formuliert. Auch das war für viele Pfarrerinnen und Pfarrer Neuland. In diesem Fall hatten Menschen mit Behinderung, die als Prüfer im Büro für Leichte Sprache Wittekindshof arbeiten, seine vorab eingereichte Predigt auf Verständlichkeit geprüft und Verbesserungsvorschläge eingebracht.
Mit der inklusiv gestalteten Andacht war das Hauptthema der Pfarrkonferenz bereits eingeleitet: die Vorstellung der Diakonischen Stiftung Wittekindshof: "Der Perspektivwechsel ist grundlegend in unserer Arbeit. Der erste Satz in unserem Handlungsleitenden Bild benennt die Klientinnen und Klienten als Auftraggeber mit individuellen Bedürfnissen. Die Frage Jesu an den blin-den Bartimäus in Jericho ist auch unsere Frage im Wittekindshof: 'Was willst Du, dass ich für dich tun soll?'", erklärte Starnitzke.

Von zentraler Einrichtung zu regionalem Träger

Im weiteren Verlauf der Pfarrkonferenz berichtet er über die Entwicklung der Stiftung von einer zentralen Komplexeinrichtung mit fünf Standorten hin zu einem regionalen Träger der Behindertenhilfe in 16 Kommunen zwischen Rahden und Oberhau-sen mit über 100 Standorten. Die damit verbundenen Veränderungen auf dem Gründungsgelände, das sich zu einem inklusiven Teil des Stadtteils Volmerdingsen entwickeln soll, war ein weiteres Schwerpunktthema ebenso wie aktuelle Fragen und Herausforderungen des Wittekindshofes. Die Rundgänge zum Abschluss der Pfarrkonferenz boten Gelegenheit für zahlreiche persönliche Rückfragen, aber auch konkrete Verabredungen für Besuche mit Konfirmanden- und Gemeindegruppen mit Michael Spehr vom Besucherdienst.