Eine durchsichtige Trennwand steht auf dem Tisch zwischen Logopädin Silke Krüger und Ergotherapeutin Nele Siekmeyer
Normalerweise sitzen Logopädin Silke Krüger (links) und Ergotherapeutin Nele Siekmeyer nicht sich sondern Kindern mit Frühförderbedarf gegenüber. Durch die Plexiglaswand können sie in direkten Kontakt miteinander treten und sind gleichzeitig geschützt.
Durch eine kleine Öffnung können etwa logopädische Übungskarten geschoben werden
Eine Durchreichmöglichkeit erleichtert die Arbeit.
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"Förderung braucht Nähe"

"Eine Mutter hat vor Freude geweint, als wir den ersten Termin für ihr Kind seit Beginn der Corona-Schutzmaßnahmen vereinbaren konnten", sagt Katharina Säger. Sie ist als Geschäftsbereichsleitung im Wittekindshof für die Therapeutischen Angebote, die Autismusambulanz und die Frühförderung verantwortlich und weiß: "Die Angst vieler Eltern war groß, dass mühsam erarbeitet Fortschritte in der Zeit, in der ihre Kinder die Heilpädagogik-, Logopädie-, Ergotherapie- und Physiotherapieangeboten nicht nutzen konnten, wieder verloren gehen."

Mittlerweile hat die Heilpädagogische und Interdisziplinäre Frühförderung der Diakonischen Stiftung Wittekindshof in den Kreisen Minden-Lübbecke, Herford und Borken unter strengen Hygieneauflagen wieder ihre Arbeit aufgenommen. Regelmäßiges Händewaschen und -desinfizieren gehören zur neuen Alltagsroutine von Logopädin Silke Krüger und Ergotherapeutin Nele Siekmeyer im Familienzentrum Wittekindshof-Spatzennest. "Wir beginnen jede Einheit mit einem gemeinsamen Händewaschen", sagt Nele Siekmeyer.

"Kinder müssen Gesicht sehen"

Statt Mundschutz tragen die beiden Therapeutinnen aber Visiere im Spatzennest. "Gerade in der Logopädie ist es unmöglich mit Maske zu arbeiten. Dafür müssen die Kinder mein Gesicht sehen und ich ihres", sagt Silke Krüger. Zudem hätten viele Jungen und Mädchen ängstlich reagiert. Durch die Visiere sind ihr Gesicht und ihre Mimik nun besser zu erkennen. "Im Umgang mit Erwachsenen tragen wir weiterhin Mundschutz, sie können die Situation anders einordnen", so Katharina Säger. Dennoch sei eine völlig kontaktlose Therapie  ob mit Erwachsenen oder Kindern  nicht möglich.

"In der Physiotherapie müssen wir Bewegungen kontrollieren und auch korrigieren. In der Ergotherapie arbeiten wir mit taktilen Reizen. Förderung von kleinen Kindern braucht Nähe."

Durchsichtige Trennwand hilft

Eine große Hilfe bietet ein Aufsteller aus Plexiglas, der als durchsichtige Trennwand auf Tischen oder Böden platziert werden kann und Öffnung am unteren Ende besitzt, durch die die Therapeutinnen und Kinder ihre Hände strecken können oder Dinge anreichen können.

"Wir haben den Aufsteller direkt in den Wittekindshofer Werkstätten fertigen lassen", sagt Katharina Säger. Die Schutzwand lässt sich leicht desinfizieren und auseinanderbauen. "So passt er auch gut in den Kofferraum und wir können ihn für Hausbesuche nutzen. Die Förderung in der Autismusambulanz findet beispielsweise hauptsächlich mobil statt. Die Kollegen stehen in engem Kontakt mit den Familien", fügt Säger hinzu. Neben dem Aufsteller aus Plexiglas kommen Mundschutz und Visiere dabei ebenfalls zum Einsatz.

Falls eine Förderung auf Grund von Risikofaktoren nicht stattfinden kann, leisten die Mitarbeitenden in der Autismusambulanz telefonisch Hilfestellung. "Wir müssen immer im Einzelfall Abwägen zwischen bestmöglicher Förderung und Infektionsschutz", sagt Säger. Dazu gehört auch, dass die Eltern nicht an den Fördereinheiten teilnehmen, sondern außerhalb des Gebäudes warten. "Wir stimmen uns vor- und hinterher telefonisch und in Gesprächen mit Sicherheitsabstand ab. Das klappt sehr gut und wird von den Eltern auch so angenommen." Aber auch in der Corona-Krise steht das Wohl des Kindes im Mittelpunkt: "Wenn das Kind in der Förderung nicht auf die Eltern verzichten kann, sind Ausnahmen möglich."