Eine ältere Dame lächelt das Lama Horst an.
Eine Seniorin streichelt ein Lama an ihrem Bett.
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"Da steht ein Lama am Bett"

"Och, was ist das denn für eine Überraschung!", ruft Irmgard Brückner begeistert und schlägt die Hände fast über dem Kopf zusammen. Ihre kleine Gesellschaft anlässlich ihres 85. Geburtstages saß gemütlich beisammen, als es plötzlich an der Tür klopfte und zwei Lamas ins Zimmer traten. Horst und Knut, die beiden Lamas der Tiergestützten Pädagogik des Wittekindshofes, waren im Alten- und Pflegeheim Sankt Michaelshaus in Minden zu Gast und haben den Bewohnern eine besondere Freude bereitet.

Tiere sollen Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein steigern

"Kann man die denn streicheln?", fragt Irmgard Brückner Sabine Neumann, Verantwortliche des Wittekindshofes. "Natürlich, die sind handzahm", erklärt Neumann. Das müssen die beiden Tiere auch sein, denn sie arbeiten besonders intensiv mit Menschen zusammen. Die Tiergestützte Pädagogik zielt darauf ab, das Selbstwertgefühl sowie das Selbstbewusstsein der Menschen mit Behinderung zu stärken. Durch die Arbeit mit den Tieren erfahren sie Freude, Anerkennung sowie Nähe und lernen, sie zuzulassen. Besonders bei Menschen, die Schwierigkeiten haben, Beziehungen aufzubauen, dienen die Tiere als Vermittler und sind positive Bestärkung. Das Halten der Tiere bringt zudem etliche Aufgaben mit sich, die auch Menschen mit Behinderung gerne übernehmen, da sie ihnen sinnvolle Beschäftigung bieten. Sie sind bei Besuchen auf Festen und – so wie in Minden – in Altenheimen dabei, pflegen und versorgen die Tiere.

Lamas gehen in die Zimmer

Im Sankt Michaelshaus war der Besuch des Wittekindshofer Teams eine gern gesehene Abwechslung. Vier junge Männer, die Angebote des Wittekindshofes nutzen, waren mit nach Minden gekommen, um neue Erfahrungen mit den Tieren zu machen und den älteren Herrschaften einen schönen Tag zu bereiten. Nachdem die mobilen Bewohner sowie Jungen und Mädchen des angrenzenden Sankt-Michaels-Kindergartens Horst und Knut draußen im Garten begrüßt hatten, wurden die Tiere von Christian Deutschmann, Martin Lübke und Fabien Fehrmann auch zu den immobilen Damen und Herren geführt. Besonders bei ihnen war die Freude über den ungewöhnlichen Besuch groß.

Streicheln weckt Erinnerungen

Bewohnerin Margret Brinkmann ließ sich von der Größe der Tiere nicht beeindrucken, auch wenn kaum Platz in ihrem Zimmer blieb, als die Lamas hereinspazierten. "Ich hatte früher einen Dackel, der mochte es auch, gestreichelt zu werden", erinnert sich die Seniorin an ihr geliebtes Tier zurück, hält Horst ein Stück Möhre hin und streichelt ihn am Hals. Sie beginnt zu erzählen, verliert den Fernseher aus dem Blick und strahlt.

Bewohner werden mobilisiert

Auch Margit Wagner kann ihre Freude über die flauschigen Gäste nicht zurückhalten: "Ich wollte es ja nicht glauben, aber da steht ein Lama an meinem Bett." Ihre zarten Hände können nicht mehr so gut greifen wie früher, aber der Wille, das Lama zu berühren und zu füttern ist größer. Christian Deutschmann führt das Lama ganz nah an ihr Bett. Die Seniorin streckt ihrem Arm, so weit es geht aus. "Der ist ja ganz weich", sagt sie. Sabine Neumann hilft ihr, Knut die Möhre zu reichen. "Was für eine tolle Überraschung", sagt Margit Wagner, auch als die Tiere ihr Zimmer schon wieder verlassen haben.

Erlebnisse, die bleiben

"Das sind Begegnungen, von denen unsere Bewohnerinnen und Bewohner noch lange erzählen werden. Tiere wecken Erinnerungen, mobilisieren die Menschen. Wir versuchen immer, unseren Bewohnerinnen und Bewohnern viel Abwechslung zu bieten, regelmäßig kommen uns auch Hunde besuchen. Aber Lamas, das ist etwas ganz Besonderes", sagt Stephanie Schuka vom Alten- und Pflegeheim.