Eine junge Frau blickt in die Kamera und hält ein Heft hoch.
Diakonin Annika Lange-Kniep vom Büro für Leichte Sprache hat maßgeblich an der Erstellung des Sonderheftes mitgewirkt.
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Neues BTHG-Heft in Leichter Sprache

Verstehen heißt teilhaben: Der Wittekindshof hat sein erstes Sonderheft in Leichter Sprache zum Bundesteilhabegesetz (BTHG) herausgegeben. Auf 24 Seiten wird darin sehr ausführlich und zugleich verständlich erklärt, was das BTHG eigentlich ist, wen es betrifft, welche Folgen das neue Gesetz hat und wo Menschen mit Behinderung, Angehörige und Betreuer sich beraten lassen können. Aber wie und von wem wird so ein Heft in Leichter Sprache eigentlich hergestellt?

Mehr Teilhabe garantieren

Entstanden ist das Sonderheft im Wittekindshofer Büro für Leichte Sprache. Weil es sich beim BTHG um ein sehr komplexes, aber auch emotionales Thema handelt, hat es einige Monate gedauert, bis Texte und Bilder alle notwendigen Prüfungen durchlaufen hatten und für geeignet befunden wurden. "Wir wollen Menschen mit Behinderung mehr Teilhabe garantieren, dafür müssen Informationen entsprechend aufbereitet werden", erklärt Diakonin Annika Lange-Kniep, Leiterin des Büros für Leichte Sprache. Hinter diesem vermeintlich einfachen Ansinnen steht ein enormer Aufwand: An der Entstehung des Heftes haben insgesamt 18 Personen mitgewirkt.

Priorisieren, streichen, übersetzen

Zu Beginn hat sich Annika Lange-Kniep zunächst den Wittekindshofer Fahrplan zum BTHG angeschaut, um Informationen herauszufiltern, die für Betroffene wesentlich sind. "Texte einfach nur Wort für Wort zu übersetzen ergibt noch lange keine Leichte Sprache", betont sie. Stattdessen müsse man Themen neu durchdenken, Schwerpunkte setzen, Texte umstrukturieren und den Mut aufbringen, einiges neu zu erklären und anderes einfach zu streichen. Je kürzer und einfacher formuliert werde, desto besser seien die Texte zu verstehen, sagt die Leiterin des Büros für Leichte Sprache. Abkürzungen, Fachvokabular und schwierige Begriffe hätten keine Platz in Leichter Sprache. Leistungsträger etwa, wie sie im Gesamtplanverfahren des BTHG eine Rolle spielen, heißen im Heft des Wittekindshofes jetzt Hilfe-Zahler. Und wenn englische Begriffe nicht ersetzt werden können, werden sie erklärt und ihre Aussprache beschrieben. Youtube ist dann zum Beispiel eine Seite mit Filmen, die "Ju-Tjub" ausgesprochen wird.

Ehrenamtliche Prüfer

Die Texte für das Sonderheft hat Annika Lange-Kniep diesen Regeln entsprechend verfasst und anschließend in die Prüfung gegeben. Im Büro für Leichte Sprache übernehmen diese Überprüfung  Menschen mit Behinderung, die die Angebote des Wittekindshofes nutzen und sich zum Teil ehrenamtlich engagieren. Mindestens drei von ihnen lesen die Texte, schauen sich die Bilder dazu an, und geben dann unabhängig voneinander ihr Urteil ab. "Dabei wird sehr kritisch geprüft, ob alles verständlich ist", betont Annika Lange-Kniep. Ihre Heftinhalte etwa hätten mehrere Prüfungsschleifen durchlaufen, bis sie freigegeben wurden. Und das sei gut so, erklärt die Leiterin des Büros für Leichte Sprache. Denn nur auf diese Weise könnten Texte entstehen, die das Verständnis wirklich fördern.

Sonderheft zum Download

Das fertige Sonderheft zum BTHG in Leichter Sprache steht online zum Download bereit. Geplant ist ein weiteres Sonderheft, das sich mit dem Gesamtplanverfahren des BTHG beschäftigt.