Ein kleiner Junge mit Down Syndrom spielt mit einer Mitarbeiterin und klatscht über dem Kopf.über dem Kopf
Ein Junge mit Down Syndrom hält die Hände einer Mitarbeiterin und klatscht.
Ein Junge mit Down Syndrom freuit sich, dass er mit einer Frau Klatrschspiele machen kann.
Eine Mitarbeiterin spielt mit einem Jungen mit Down Syndrom.
Kleiner Junge sitzt auf dem Pferd und spielt mit der Mähne.
Kleiner Junge mit Down-Syndrom sitzt auf Pferd und streichelt das Pferd.
Kleiner Junge reitet mit Begleitung der Assistentin des Therapeutischen Reitens.
  • Meldung

Luis braucht starke Impulse

Luis hat Rhythmus im Blut. Klatschen und Trommeln gehören zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Schon zur Begrüßung fordert er an guten Tagen sein Gegenüber mit strahlenden Augen zum Klatschen auf. Auch wenn Luis nicht mit Worten spricht, ist klar was er zu sagen hat: "Ich freu' mich, dass Du da bist und Zeit für mich zum Klatschen hast."

Warum er sich schlägt, weiß keiner

Aber der 13-Jährige liebt es auch, auf seinem Bett zu liegen, wenn die großen Bassboxen unter seinem Bett, die Töne hörbar und fühlbar machen. Luis braucht starke Impulse, um sich und seinen Körper zu spüren. Ob er sich auch deshalb immer wieder hinter sein Ohr schlägt, weiß keiner. Pädagogische und pflegerische Fachkräfte. Ärzte und Psychologen haben ihre Erfahrungen schon mehrfach ausgetauscht, es gab viele Untersuchungen, um Ursachen zu finden, und auch einen Helm als Schutz, aber bisher hat nichts zum Erfolg geführt. Egal ob er sich alleine beschäftigt und auf dem Wasserbett im Wohnzimmer sitzt oder ein Mitarbeitender Luis seine volle Aufmerksamkeit bei einem Einzelangebot schenkt, schlägt sich der Junge manchmal blitzschnell hinter das Ohr. Das kann sogar beim Entspannen im Snoezelenraum passieren oder wenn er auf dem Schoß zum Kuscheln sitzt, was zurzeit noch gut möglich ist, denn Luis ist für sein Alter noch recht klein.

Große Fortschritte beim Laufen

Seine Lehrerin beschreibt ihn als sehr zufriedenen Schüler, der sich wohlfühlt und an vielen Dingen Spaß habe. Er liebt Bewegung, Spazieren gehen und Schaukeln, sitzt gerne auf dem Trampolin und ist Ballspezialist. Kein anderer in seiner Klasse kann den Ball so gut aufschlagen lassen und fangen wie Luis. Beim Laufen hat er in der Wittekindshofer Förderschule große Fortschritte gemacht. Früher war er auch in der Schule oft auf dem Rollbrett oder mit einem Rollstuhl unterwegs. Mittlerweile geht er viel und gerne an der Hand - auch Treppen auf und ab. Zum Einkaufen kommt sein Rollstuhl aber trotzdem noch mit, weil ihm auf weiten Strecken noch die Ausdauer fehlt. Aber immer öfter läuft er nebenher oder schiebt seinen Rollstuhl selbst.

Spezialist für Kekskrümel

Neben Bewegung bilden Wahrnehmungs- und Konzentrationsförderung weitere Unterrichtsschwerpunkte. Schuhkartonaufgaben, bei denen er sich auf mehrere Handgriffe konzentrieren und feinmotorisch arbeiten muss, stehen ebenso auf dem Stundenplan wie Hauswirtschaft. Luis ist Spezialist beim Hefeteig Kneten und für leckere Kekskrümel auf dem Nachtisch. Manchmal zerbröselt er die Kekse mit bloßen Händen in einer Plastiktüte oder er bekommt das große Nudelholz um mit viel Spaß aus Keksen Krümel zu machen.

Seltene schwer behandelbare Epilepsie

Luis ist mit knapp zweieinhalb Jahren in den Wittekindshofer Kinder- und Jugendbereich gekommen. Er wurde mit Trisomie 21 geboren. Im Mittelpunkt stand aber eine seltene Form der Epilepsie. Als Säugling und Kleinkind hatte er täglich mehrfach schwere Anfälle bekommen, die auch eine Spezialklinik mit Medikamenten über Monate kaum eindämmen konnte. Als letzte Hoffnung haben sich seine Eltern für eine ketogene Diät entschieden. Auf seinem Speiseplan standen Nüsse, Fisch, Eier und andere fettreiche Produkte. Jede Mahlzeit musste nach exakten Vorgaben der Ernährungsspezialisten zubereitet werden. Nudeln, Kekse, Süßigkeiten und alle anderen Kohlenhydrate waren für Luis tabu. Sein Vater ist heute noch stolz auf seinen Sohn, dass er das damals alles so gut mitgemacht hat. Die Anfälle haben aufgehört, als auch die letzte Tablette mit einem Stärkeüberzug ausgetauscht und damit auch der kleinste Rest an Kohlenhydraten aus seiner Ernährung verschwunden war. Auch nach seinem Umzug in den Wittekindshof wurde die Diät noch mehr als zwei Jahre lang fortgesetzt - mit bestem Erfolg. Er ist bis heute anfallsfrei auch ohne Diät.

Je mehr Schwung das Pferd hat, desto größer ist die Begeisterung

Ein Höhepunkt in der Woche ist für Luis das Therapeutische Reiten. Selbst an schlechten Tagen, wenn er unzufrieden und weinend in die Reithalle kommt, verändert sich seine Stimmung sprunghaft, wenn er auf einem der großen starken Therapiepferde sitzt. Er kommt zu Ruhe, greift in die Mähne und lässt die Haare durch seine kleinen Finger gleiten. Mittlerweile kann er sich beim Reiten schon weitgehend selbst ausbalancieren und braucht nur noch wenig Unterstützung von den Reitpädagogen selbst beim schnellen Traben und Galoppieren. Je mehr Schwung das Pferd hat, desto größer ist die Begeisterung von Luis. Er liegt fast wie ein Jockey auf dem Pferd, strahlt und juchzt vor Vergnügen.

...nur mit Spenden möglich

Möglich ist das Therapeutische Reiten, an dem jede Woche knapp hundert Kinder, Jugendliche und Erwachsene teilnehmen, nur mit finanzieller Unterstützung durch Spenderinnen und Spender. Auch deswegen gehörte Luis zu den zehn Kindern und Jugendlichen, die im Rahmen der Westfalen-Blatt Weihnachtsspendenaktion 2018 vorgestellt wurden. Spenden sind weiterhin möglich und herzlich willkommen für Luis und viele andere, die noch auf der Warteliste für das Therapeutische Reiten stehen.