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Lazarusheim vor 90 Jahren eingeweiht

Die Häuser Bethanien, Marien- und Lazarusheim gehören zum heutigen Geschäftsbereich Wohnen V der Diakonischen Stiftung Wittekindshof. Auch baulich bilden sie eine Einheit, denn sie stammen aus der gleichen Bauepoche und aus der Hand des gleichen Architekten. Der Architekt Martin Stieghorst aus Bad Oeynhausen war eng mit dem Wittekindshof verbunden. Sein Vater Pfarrer Theodor Stieghorst war der zweite Vorsteher des Wittekindshofes.

Regierung fordert Krankenhaus

1912 fordert die königliche Regierung in Minden den Wittekindshof auf, einen Assistenzarzt anzustellen und ein Krankenhaus zur Versorgung der Bewohnerschaft zu bauen. Zwei Jahre später beginnen die Arbeiten an einem Pflegehaus im heutigen Bereich des Lazarusheims. Es soll den Namen Marienheim erhalten. Durch Ausbruch des 1. Weltkriegs werden die Bauarbeiten wenig später eingestellt. Die Beschaffung von Geldern für das Krankenhaus gestaltet sich schwierig. Die Aufnahmeanfragen sind enorm hoch, so dass beschlossen wird, zunächst zwei Pavillions mit je 62 Betten für jeweils männliche und weibliche Neuaufnahmen zu bauen, die rechts und links vom geplanten Krankenhausbau errichtet werden sollen (später Lazarus- und Marienheim). Am 25. Mai 1925 erfolgt die Grundsteinlegung für das Marienheim, am 20. August 1925 die für das Lazarusheim. Bereits am 11. November 1925 wird das Richtfest des Lazarusheims gefeiert. Vier Monate später wird das Marienheim eingeweiht. Kinder aus dem Haus Binsenkorb Mosis, das in Waldfrieden umbenannt wird, ziehen dort ein.

Einweihung Lazarusheim

Am 21. Juli 1926 wird auch das Lazarusheim eingeweiht. Männliche Neuaufnahmen werden dort untergebracht. Sie sollen dort unter ärztlicher Aufsicht einige Zeit beobachtet werden, um sie dann je nach Krankheit, Bildung und Arbeitsfähigkeit in ein anderes Haus zu verlegen. Die ehemaligen Hauseltern Leimbach aus dem Vorwerk ziehen dort ein. Marie Leimbach leitete die Küche, ihr Mann Heinrich ist im Ruhestand. Als Oberbruder wohnt Heinrich Konopka von da an ebenfalls dort.

Krankenhausbau beginnt

Im Sommer 1926 beginnen die Ausschachtungsarbeiten für den Krankenhausbau, am 4. April 1927 findet die Grundsteinlegung statt. Das Lazarus- sowie das Marienheim sind zu dieser Zeit schon voll belegt. Die Einweihung von Bethanien erfolgt dann am 22. Januar 1929. Es ist eines der modernsten Krankenhäuser der Umgebung und ist für die "Schwächsten und Elendesten" sowie die akut Erkrankten der Wittekindshofer Bewohner- und Mitarbeiterschaft bestimmt. Bethanien bedeutet "Haus des Elends", in der Bibel ist Bethanien der Ort, an dem die Freunde Jesu, Maria, Lazarus und Martha wohnen.

Bethanienbereich wird Lazarett

Bethanien, Marien- und Lazarusheim sowie viele andere Häuser auf dem Wittekindshofer Gründungsgelände sollen Ende 1941/Anfang 1942 zu einem Ausweichkrankenhaus für Städte, die durch den Bombenkrieg bedroht sind, umgebaut werden. Aber dieser Plan wird fallen gelassen. Im Frühjahr 1942 wird dort ein großes Wehrmachtslazarett etabliert. Das Lazarusheim ist das erste Haus des Wittekindshofes, das der Wehrmacht am 14. März 1942 übergeben wird, es folgt am 3. April Bethanien und am 15. April das Marienheim. Ein großer Teil der anderen Wohngebäude muss ebenfalls der Wehrmacht übergeben werden. Die traditionellen Häusernamen werden durch Hausnummern ersetzt.

Freigabe durch die Briten

Die britische Besatzungsmacht beschlagnahmt am 1. Juli 1945 die meisten Wittekindshofer Gebäude auf dem Gründungsgelände und wandelt sie in das 23. Scotish General Hospitalum. Am 9. August 1948 werden das Marien- und das Lazarusheim durch die Briten wieder freigegeben. Im Februar 1949 zieht dann vorübergehend das Altenheim aus Mennighüffen ein, zwei Jahre später wieder aus.

Medizinisches Zentrum

Die Neuropädiatrische Abteilung in Haus Kinderheimat, die psychiatrische Abteilung in den Häusern Weserland/Ravensberg und Sonnenkamp/Waldfrieden sowie das Krankenhaus Bethanien werden 1972 zu einem fachärztlich betreuten Sonderkrankenhausbereich zusammengefasst. Knapp zwei Jahre später bilden die Häuser Bethanien, Marien- und Lazarusheim innerhalb des Sonderkrankenhausbereichs ein medizinisches Zentrum. Vor allem Menschen mit Behinderung, die einer besonderen pflegerischen und ärztlichen Versorgung benötigen, werden dort betreut. Die Hausleitung im Lazarusheim wird mit der in Bethanien zusammengelegt. Im Marienheim wird die Hausleitung beibehalten, die Leitung für den gesamten Bereich übernimmt Diakon Helmut Lilienkamp (Hausvater Bethanien). 1976 zieht die Medikamentenausgabestelle von Bethanien in das Untergeschoss des Marienheims. Im Lazarusheim wird 1977 eine physiotherapeutische Abteilung eingerichtet. Diakon Lilienkamp übernimmt im Marienheim ebenfalls die Hausleitung.

Sonderstatus wird aberkannt

Der Wittekindshof und hier vor allem der Bethanienbereich verliert im Februar 1994 rückwirkend zum 1. Januar 1993 den Status eines Sonderkrankenhauses. Der gesamte Sonderkrankenhausbereich mit seinen etwa 630 Betten für schwer pflegebedürftige Menschen wird in eine Heimstätte umgewandelt. Dies ist eine Folge des Gesundheitsstrukturgesetzes, mit dem das Land NRW 4500 Sonderkrankenhausbetten abbauen will. Die dadurch bedingte Verschlechterung des medizinischen Standards wird durch eine Auffangkonzeption verhindert. Die Ausstattung mit medizinischem, therapeutischem und Pflegepersonal ist darin schriftlich fixiert. Der Schwerpunkt im Wohnbereich Bethanien liegt seit dem auf der Begleitung und Betreuung von Menschen mit hohem medizinischen und pflegerischen Bedarf.

Sanierung Bethaniens

Am 23. März 1995 wird das Bettenhaus als Anbau an das Haus Bethanien eingeweiht. Es ist der erste Bauabschnitt der Grundsanierung dieses Bereichs. Die Medikamentenausgabestelle für das Gründungsgelände zieht aus dem Marienheim und wird im Untergeschoss des neuen Bethanienanbaus eingerichtet. 1996 werden auch das Marien- und Lazarusheim umgebaut und modernisiert. Im Mai 1997 werden Arbeiten abgeschlossen, im Septmeber beginnt die Sanierung von Bethanien, ohne den Nordflügel. Mitte Mai 1999 wird Bethanien nach der Sanierung wieder genutzt. Im Untergeschoss des Ostflügels ist ein großer Therapiebereich entstanden, im Erdgeschoss ist der Sternensaal als großer Veranstaltungsraum. Die physikalische Abteilung im Lazarusheim wird geschlossen. Der neue Therapiebereich in Bethanien übernimmt diese Aufgabe. Seit dem 1. November 2009 ist der Wohnbereich Bethanien mit den Häusern Bethanien, Marien- und Lazarusheim der Wittekindshofer Geschäftsbereich V.

TSA erhält neue Räume

Im Mai 2014 bezieht die ehemalige Medikamenten, heutige Beratung und Versorgung Medizinischer Sachbedarf (BVM), neue Räume in der ehemaligen Verkaufsstelle am Langenhagen. Die freigewordenen Räume werden umgebaut und in der Folge von den Tagesstrukturierenden Angeboten (TSA) des Geschäftsbereiches genutzt. Die TSA hatten über Jahre unter sehr beengten Verhältnissen die ehemalige Hauselternwohnung in Bethanien im zweiten Obergeschoss des Nordflügels genutzt.