Ein Spaziergang durch Enger bietet Abwechslung
Mitarbeitende aus anderen Bereichen unterstützen nun in den Wohnbereichen und gehen etwa regelmäßig mit allen Personen spazieren.
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Kontaktverbote waren belastend

"Die Kontaktverbote und das generelle Besuchsverbot in Einrichtungen der Eingliederungshilfe während der Corona-Pandemie waren stellenweise schon belastend", berichtet Marcel Ungemach. Er ist als Bereichsleitung verantwortlich für das Wittekindshofer Wohnhaus an der Bielefelder Straße in Enger in dem 24 Menschen mit Behinderung leben. 

Umso größer war die Freude, als nun die ersten Angehörigen wieder zu Gast waren. Unter strengen Schutzmaßnahmen: Im Freien nach vorherigem Screening und Erklärung der Hygiene-Vorschriften, mit Mund-Nasen-Schutz und natürlich mit Mindestabstand. "Aber allein die Situation, ihren Sohn, der sonst jedes Wochenende nach Hause fährt, nach über acht Wochen wiedersehen zu dürfen, hat eine Mutter zu Tränen gerührt", sagt Marcel Ungemach. 

Alltag verändert sich

Doch nicht nur die Besuche haben gefehlt, auch der Alltag hat sich verändert: Unter normalen Umständen geht über die Hälfte der Bewohner und Bewohnerinnen in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) - größtenteils in der Wittekindshofer Betriebsstätte Ulenburg in Löhne - arbeiten. Seit dem 18. Mai dürfen die Werkstätten schrittweise unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen wieder öffnen, zunächst konnten aber nur Menschen mit Behinderung zur Arbeit gehen, die ambulant unterstützt werden und ihrer eigenen Wohnung leben. 

Andere Männer und Frauen besuchen die Tagesstrukturierenden Angebote im Haus an der Bielefelder Straße. Aktuell werden Konzepte in Abstimmung mit den zuständigen Behörden entwickelt, um die TSA wieder zu öffnen. Um den Alltag bis dahin abwechslungsreich zu gestalten, unterstützen vier Mitarbeitende der TSA und zwei Mitarbeitende des Wittekindshofer Kontakt- und Informationszentrums (KIZ) ihre Kolleginnen und Kollegen im Wohnhaus. 

Kiosk als kreative Idee

"Nur durch diese zusätzlichen Kräfte können wir die Unterstützung ganztägig für alle Bewohnerinnen und Bewohner in guter Form sicherstellen und regelmäßig mit allen Personen spazieren gehen, Spiele spielen oder kleinere Verschönerungsarbeiten wie das Abschleifen und Streichen von Gartenbänken vornehmen. Das ist kein Ersatz für all das, was jetzt nicht möglich ist, aber so schaffen wir es, dass die Stimmung im Haus noch sehr gut ist", berichtet Ungemach.

Manchmal ist zudem Kreativität gefragt."Wir haben einen Klienten, der wöchentlich einkaufen geht. Da er alleine nicht den Sicherheitsabstand zu anderen Menschen einhalten könnte, haben wir ihm im Mitarbeiterbüro eine Art kleinen Kiosk mit seinen Lieblingsartikeln eingerichtet. Dann muss er auf die für ihn wichtige Routine des Einkaufens nicht verzichten, eine für ihn wichtige Struktur, die verhindert, dass es zu Anspannungen kommt", nennt der Bereichsleiter ein Beispiel.