Ein kleines Mädchen sitzt im Rollstuhl vor einer roten Wand, an der Bilder hängen.
Ein Mädchen sitzt im Rollstuhl mit einer Nahrungspumpe und lacht.
Ein Mädchen sitzt im Rollstuhl und eine Mitarbeiterin sitzt neben ihr und lächelt sie freundlich an.
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Kleine Kämpferin ist für jeden Spaß zu haben

Rehbraune Augen, wellige lange Haare und eine Stupsnase. Cassandra ist ein süßes Kind, aber schon bei ihrem Leibgericht stimmt diese Beschreibung nicht. Statt Süßkram will sie Fisch oder Spaghetti mit Tomatensoße. Alles muss fein püriert sein, damit sie nicht kauen muss und sich nicht verschluckt. Trotzdem ist Essen anstrengend und auch kognitiv eine Herausforderung für das geistig und körperlich schwerbehinderte Mädchen. Mund öffnen und schließen, schlucken und gleichzeitig den Geschmack des Essens wahrnehmen ist alles andere als selbstverständlich für Cassandra. Lange konnte sie gar nicht essen. Um sie nicht zu überfordern, wird sie weiterhin teilweise mit Sondenkost künstlich ernährt. Aber Fisch und Spaghetti liebt sie und genießt sie. Nach dem Essen ist ihr Mund total verschmiert, aber sie strahlt glücklich und zufrieden.

Schon viele Kämpfe gewonnen

Niedlich sah Cassandra schon immer aus, aber süß passt nicht zur ihr. Sie ist eine Kämpferin, sonst wäre sie gar nicht so weit gekommen. Sie ist viel zu früh und viel zu leicht mit rund 500 Gramm zur Welt gekommen. Ihre Zwillingsschwester hat die Frühgeburt nicht überlebt. Casandra hat sich ins Leben gekämpft. Aber auch später meinte es das Leben nicht immer gut mit ihr. Durch die Folgen der Frühgeburt ist sie weitgehend blind und kann nur hell und dunkel unterscheiden. Sie hat Epilepsie und hatte schon mehrere Knochenbrüche. Durch die Medikamente, aber auch weil sie sich kaum bewegen kann, sind ihre Knochen längst nicht so stabil wie bei anderen Kindern. Selbst wenn sie im Bett liegt, kann sie sich ein Bein brechen. Cassandra war schon oft im Krankenhaus - auch wegen lebensbedrohlicher Krisen. Einmal musste sie sogar beatmet werden, hat einen Luftröhrenschnitt und ein Tracheostoma bekommen. Aber die kleine Kämpferin hat auch das geschafft. Sie atmet wieder so selbständig, dass das Tracheostoma entfernt werden konnte.

Von der Kinderklinik in den Wittekindshof

Ihre Mutter kennt Cassandra nicht und hat auch sonst keinen Kontakt zu Angehörigen. Mit zehn Monaten ist sie von der Kinderklinik direkt in den Wittekindshofer Kinder- und Jugendbereich in eine spezialisierte Wohngruppe für Säuglinge, Kleinkinder und junge Menschen mit intensivem Pflegebedarf umgezogen. Sie freut sich, wenn ihre Blindenbetreuerin zu Besuch kommt, ein Mitarbeitender der Wohngruppe Zeit für sie hat oder sie in der Schule bei ihrer Integrationshelferin oder Lehrerin sein kann. Sie mag es, wenn ihr jemand etwas vorliest oder mit ihr spazieren geht - am liebsten dahin, wo sie andere Kinder erlebt und sie genießt es, in Ruhe zu duschen und sich verwöhnen zu lassen.

Das Leben von der schönen Seite

Seit kurzem geht Cassandra zum Therapeutischen Reiten. Da sie nicht selbständig sitzen kann, liegt sie auf dem Pferd, spürt den warmen, weichen, starken Körper des Tieres, das sie langsam und behutsam durch die Reithalle trägt. Die dreidimensionale Bewegung lockert ihre Muskeln. Das Reiten insgesamt verbessert ihre Körperwahrnehmung. Cassandra fühlt sich wohl auf dem Pferderücken und lacht viel in der Reithalle.

Vertraute Menschen erkennt sie an der Stimme. Hören kann Cassandra gut, außer abends wenn sie schlafen soll, aber viel lieber noch Späßchen machen will. Cassandra lacht gerne und ist für jeden Spaß zu haben – zumindest in den letzten eineinhalb Jahren. Seitdem hat sie sich gesundheitlich immer besser stabilisiert. Sie musste nicht mehr ihre ganze Kraft für Krisen investieren, sondern kann endlich ihre Lebensenergie nutzen, um sich zu entwickeln, etwas Neues zu erleben oder vor allem zu lachen und Späße zu machen. Wichtig dabei ist, dass alles direkt in ihrer Nähe passiert, denn ansonsten kann sie es nicht wahrnehmen. Ein Besuch im bunten Zirkuszelt wäre für sie eher nichts. Es wäre zu groß und zu fremd, sie könnte das Geschehen gar nicht einordnen. Aber ein Clownbesuch beispielsweise in den Ferien auf der Wohngruppe, wie er schon mehrfach durch Spenden ermöglicht wurde, wäre ein Riesenvergnügen für Cassandra.

Weihnachtsspendenaktion 2018

Der Text über Cassandra erscheint im Rahmen der Weihnachtsspendenaktion 2018, die noch bis 31.Januar 2019 fortgesetzt wird. Durch die Spenden werden zusätzliche Freizeit-, Förder- und Therapieangebote wie das Therapeutische Reiten für Kinder und Jugendliche mit Behinderung finanziert.