• Meldung

Innere Schutzmauer gestärkt

Nachts in New York: Eine Gruppe junger Menschen feiert ausgelassen in der Stadt, die niemals schläft. Filmszenen, die für Jugendliche des Wittekindshofer Wohnhauses an der Bielefelder Straße in Herne Anknüpfungspunkt waren, um das Thema Drogen- und Alkoholkonsum in den Blick zu nehmen.

"Wie schnell man die Kontrolle im Rauschzustand verliert, konnten wir im Film deutlich sehen. Das war eine gute Grundlage, um ins Thema zu starten", sagt Daniel Bender vom Mitarbeitenden-Team in Herne. Gemeinsam mit seiner Kollegin Anne Knippschild hat Bender den Nachmittag organisiert. Dabei war den Organisatoren wichtig, die fünf Jugendlichen direkt mit einzubeziehen. "Auf ein Referat haben wir verzichtet. Stattdessen konnten die Jungen persönliche Erfahrungen austauschen und sich selbst an das Thema herantasten", sagt Daniel Bender.

Was ist cool?

"Die Jugendlichen sehen andere Altersgenossen mit einer Zigarette oder einem Bier in der Hand und wollen dazugehören, sich ausprobieren, Grenzen austesten. Das ist in dem Alter ganz normal. Aber für uns ist es natürlich wichtig, ihnen die Gefahren aufzuzeigen", sagt Diakon Steffen Wilmink, der als Bereichsleiter für das Wohnangebot für Kinder und Jugendliche verantwortlich ist. Unabhängig von der Corona-Pandemie sei die Idee zu einem Präventionsnachmittag im Team an der Bielefelder Straße gereift. "Wir haben die freie Zeit dazu genutzt, die Idee auch in die Tat umzusetzen und den Jugendlichen so eine sinnvolle Beschäftigung zu bieten", sagt Wilmink.

Aufklären über die Konsequenzen von Drogenkonsum, aber keine Schreckenszenarien aufzeigen: das war Daniel Bender und Anne Knippschild dabei wichtig. "Angst ist kein gutes Mittel, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Lieber haben wir die Jungen in ihrer eigenen Lebenswirklichkeit abgeholt. Was bedeutet Coolsein? Sind Rauchen und Trinken cool? Was gilt bei Mädchen als cool, was müssen Jungen tun, um dazuzugehören? Fragen, mit denen sich die Jugendlichen tagtäglich auseinandersetzen", schildert Bender. Eine Antworthilfe bot der gemeinsame Nachmittag.

Stabile Bauklötze

Den Jugendlichen sei zudem der Weg in die Sucht skizziert worden: Vom Genuss über die Gewohnheit hin zum Missbrauch und zu Entzugserscheinungen. Bender: "Uns war wichtig, den Jugendlichen das passende Rüstzeug an die Hand zu geben. Jeder hat seine innere Schutzmauer. Und gerade in diesen Zeiten, in denen Sozialkontakte und Freizeitmöglichkeiten wegfallen oder nur sehr gering sind, kann diese Mauer bröckeln. Umso wichtiger ist es, Gefahren zu erkennen. Und sich neue, stabile Bauklötze für seine Mauer zu suchen."