Schule Wittekindshof - Wittekindshofer Fördeschule in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen
Johannesschule, Wittekindshofer Förderschule in Gronau
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Inklusion und Förderschulen

In Nordrhein-Westfalen wurden in den letzten Jahren viele Förderschulen geschlossen. Das war ein zentrales Anliegen der rot-grünen Landesregierung zur Förderung des gemeinsamen Unterrichtes von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderung. Schulische Inklusion sieht auch die UN-Behindertenrechtskonvention vor. Der Wittekindshof setzt sich für Inklusion ein und ist Träger von zwei Förderschulen, das ist kein Widerspruch.

Das Schulsystem muss sich ändern für eine diverse Schülerschaft

"Wir setzen uns für Inklusion von Anfang an. Dabei ist entscheidend, dass kein Schüler und keine Schülerin unterfordert oder überfordert wird. 'Zieldifferenzierter Unterricht' ist das pädagogisches Stichwort. Den gibt es in Regelschulen aber nur in Ausnahmefällen. Deswegen führt Inklusion zu Überforderung der Lehrkräfte und der Schülerinnen und Schüler. Das Unterrichtsmodell und unser Schulsystem müssen komplett geändert werden, sonst kann kein Pädagoge seiner diversen Schülerschaft gerecht werden, zu der dann verschiedenste Menschen gehören. Förderschulen als Sonderwelten können dann geschlossen werden, wenn Schulformen entwickelt und umgesetzt, sind, durch die allen Kindern und Jugendlichen ein passendes Unterrichtsmodell angeboten werden kann", erklärt Pfarrer Professor Dr. Dierk Starnitzke, Vorstand der Diakonischen Stiftung Wittekindshof.

Förderschulen für alle öffnen

Der Wittekindshof ist seit Jahrzehnten Träger von zwei Förderschulen und investiert im Bildungsbereich. In Bad Oeynhausen wurde 2011 die neue große Förderschule eingeweiht in Gronau ist ein Neubau für die Johannesschule geplant. "Wir wären sofort bereit aus beiden Förderschulen eine inklusive Schule zu machen, wenn die Rahmenbedingungen dafür stimmen. Politisch haben wir dafür bisher aber auch nach dem Regierungswechsel kein grünes Licht gesehen. Dabei wäre es gerade auch in ländlichen Regionen wie in Ostwestfalen eine große Chance, die Schule sprichwörtlich im Dorf zu belassen als Schule für alle Kinder. Weil wir mittelfristig keine Chance für die Öffnung der Förderschule für Regelschüler sehen, setzen wir uns für additiv-kooperative Schulmodelle ein, bei denen umfassende Förderung wie an Förderschulen ebenso möglich ist, wie das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung", erklärt Diakon Reiner Breder, der als Ressortleiter für die Bereiche Bildung, Arbeit und Gesundheit im Wittekindshof verantwortlich ist.

Additiv-kooperatives Schulmodell

Die Erfahrungen mit der ersten Kooperationsklasse in der Grundschule in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen waren so gut, dass mittlerweile zwei Förderschulklassen in der Grundschule unterrichtet werden. Beide haben eine Partnerklasse. Durch die räumliche Nähe ergeben sich viele Begegnungen im Alltag. Kunst, Musik und Sport finden regelmäßig gemeinsam statt. Sachkundeunterricht und Projekte werden je nach Thema gemeinsam durchgeführt. Pausen verbringen Grundschüler und Förderschule zusammen, laden sich gegenseitig zu Festen und Feiern ein und fahren gemeinsam auf Klassenfahrt. "Die Nachfrage nach diesem additiv-kooperativen Schulmodell ist bei Eltern groß. Mittlerweile entwickeln wir auch für ältere Schülerinnen und Schüler ein Anschlussangebot, die nicht in der Wittekindshofer Förderschule, sondern im Schulzentrum Nord unterrichtet werden", berichtet Schulleiter Andreas Becker-Brandt.

Inklusion heißt, allen den Schulbesuch ermöglichen

Für ihn sind Förderschulen Inklusionsförderer: "Auch wenn alle Schülerinnen und Schüler eine Behinderung haben, haben sie äußerst unterschiedliche Fähigkeiten und Unterstützungsbedarfe. Für die einen steht Wahrnehmungsförderung auf dem Stundenplan, für andere Prozentrechnung und alles andere, was man sich zwischen diesen beiden Polen vorstellen kann. Inklusion heißt für uns, dass wir allen Kindern und Jugendlichen den Schulbesuch ermöglichen, auch denjenigen, bei denen die Schulpflicht bereits seit längerer Zeit ruht, weil keine Schule sich mehr in er Lage gesehen hat, sie zu unterrichten."

Kooperationen zwischen Förder- und Regelschulen

Die schulpolitische Lage in Nordrhein-Westfalen schätzt Ressortleiter Reiner Breder so ein, dass inklusive Schulen mit gute Rahmenbedingungen nur ein Fernziel sind: "Wir gehen davon aus, dass die neue Landesregierung mehr Freiräume für Kooperationen zwischen Förder- und Regelschulen schafft. Das Ziel bleibt eine inklusive Schule für alle, aber bis wir die haben, müssen die verschiedenen Schulformen zusammenarbeiten, damit Schüler mit und ohne Förderbedarf miteinander und voneinander lernen können und Unter- und Überforderungen vermieden werden."