Eine Frau nimmt schützend eine Jugendliche in den Arm.
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Hilfe für traumatisierte Kinder mit Behinderung

Die Kinder und Jugendlichen sind in fast ständiger Alarmbereitschaft und scheinbar Alltägliches lässt ihre Wut überkochen. Dann entwickeln sie enorme Kräfte oder ziehen sich total zurück. Auch wenn es kaum auszuhalten ist, gehen die Mitarbeitenden davon aus, dass die Kinder und Jugendlochen einen guten Grund für genau dieses Verhalten haben.

Schwere Traumafolgestörungen

Sie haben körperliche, seelische oder sexuelle Gewalt erlebt oder waren schon als Säuglinge oder Kleinkinder auf sich allein gestellt. Stundenlang war niemand da, der sie getröstet, ihnen frische Windeln angezogen oder etwas zu essen gegeben hat. Sie mussten um ihr Überleben kämpfen und sind deswegen schwer traumatisiert. Ihr auffälliges Verhalten ist eine Folge des Traumas.

Wenn sie durch scheinbar Alltägliches wie das Klappern einer Autotür, den Geruch eines bestimmten Frauenparfüms oder ein Paar Herrenschuhe an diese lebensbedrohlichen Situationen erinnert werden, sind sie blitzschnell im Kampfmodus. Die traumatische Erfahrung hat tiefe Spuren in ihrer Seele hinterlassen, die Folgen haben - auch wenn das Geschehen schon Jahre zurück liegt.

Traumapädagogik für Menschen mit geistiger Behindeurng

Um schwer traumatisierte Menschen angemessen zu unterstützen, haben sich in den letzten Jahren traumapädagogische und -therapeutische Ansätze durchgesetzt, die Menschen mit geistiger Behinderung überfordern. Mitarbeitende des Wittekindshofer Kinder- und Jugendbereiches haben deswegen mit Unterstützung der Walter Blüchert Stiftung ein traumapädagogisches Konzept für Menschen mit geistiger Behinderung und schweren Traumfolgestörungen entwickelt.

Zentrale Bedeutung haben dabei die Annahme des guten Grunds gerade auch bei destruktivem Verhalten und das Konzept des sicheren Ortes. "Wir wollen den Kindern einen sicheren äußeren Ort anbieten, damit sie wieder innere Sicherheit erlangen können. Sie sollen sich im Haus, aber auch in der Schule und im Garten sicher und geborgen fühlen und positive Erfahrungen mit Beziehungen sammeln, auch dann wenn es schwierig wird", erklärt Diakon Axel Menningen, der das spezialisierte Wohnangebot mit heilpädagogischer Intensivbetreuung nach traumapädagogischen Grundsätzen leitet.

Einfühlsame und liebevolle Begegnung, Krisen aushalten und Transparenz schaffen

Für Menningen ist die Haltung der Mitarbeitenden entscheidend: "Die Mitarbeitenden begegnen den Kindern einfühlsam und mit Liebe, aber halten auch ihre Krise aus und schaffen auch Transparenz. Es schafft auch Sicherheit, wenn die Kinder und Jugendlichen wissen, wer wann im Dienst ist, verstehen, warum die Mitarbeitenden so handeln wie sie handeln und merken, dass sie selbst mitbestimmen können, wie der Alltag gestaltet wird", berichtet der Traumapädagoge, dem es ganz wichtig ist, dass die jungen Menschen auch schöne Erfahrungen sammeln: "Gerade weil das Grauen das Leben dieser Kinder beherrscht, ist es umso wichtiger, dass sie Sicherheit, Ruhe und Entspannung erleben, um auch einfach Kind sein zu können, zu spielen, Spaß zu haben und spannende Entdeckungen in der Umwelt zu machen", erklärt Menningen, der überzeugt ist: "Die traumatischen Erlebnisse werden sie nicht vergessen, aber hoffentlich mit unserer Unterstützung lernen, mit ihrer Wut weniger zerstörerisch umzugehen."