Fünf Menschen stehen auf den Balkonen des Wittekindshofer Wohnhauses an der Burgstraße in Herne-Eickel und winken.
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Grüße von der Burgstraße

Mit seiner orangen hohen Front und den farbigen Elementen fällt das Wittekindshofer Wohnhaus an der Burgstraße direkt auf. Fünf Jahre ist es her, dass es von 24 Frauen und Männer mit Behinderung bezogen wurde. Doch wer sind die Menschen, die das Haus mit Leben füllen? Ein Besuch.

Sven Kämper steht im Eingang und erwartet Besucher freudig. "Ich wohne hier seit fünf Jahren", berichtet der junge Mann. Kämper zog von seinem Elternhaus in das neu entstandene Wohnhaus der Diakonischen Stiftung Wittekindshof. "Es ist schön hier, ich habe mein eigenes Zimmer und mag die Mitarbeitenden", berichtet er.

Sein Zimmer hat er mit den Minions eingerichtet, ganz so, wie er es mag. "Ich habe auch eine Freundin, die hier wohnt. Und ich habe einkaufen gelernt. Mein Zimmer räume ich alleine auf und sauge, wische und hole Brötchen für alle", erzählt Kämper von seinen Fortschritten, die er gemacht hat.

Beim Einwohnermeldeamt dabei

Unterstützung bei seiner weiteren Entwicklung in Richtung Selbstständigkeit erfährt Sven Kämper etwa von den Mitarbeitenden Christian Held und Claire Pyrsz. Beide haben den Bau des Wohnhauses an der Burgstraße eng begleitet. "Mit einem der ersten Bewohner war ich beim Einwohnermeldeamt, um ihn umzumelden. Ach ja, am ersten Bezugstag hatten wir noch kein warmes Wasser", erinnert sich Held und muss bei dem Gedanken daran lachen: "Niemand hatte daran gedacht, die Heizung anzustellen.

"Es habe sich viel im Laufe der Jahre verändert. Bewohner und Bewohnerinnen seien verstorben, neue eingezogen, Mitarbeitenden seien gegangen und neu ins Team gekommen: "Die Arbeit ist durch die Veränderungen immer abwechslungsreich. Das Team ist dabei immer ein besonderer Halt. Wir fangen uns gegenseitig auf. Auch in anstrengenden Zeiten", berichtet der heute 43-Jährige, der sich mit 41 Jahren noch einmal entschieden hat, eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger zu absolvieren. "Die Ausbildung gibt neue Impulse. Früher habe ich viel aus dem Bauch heraus schon richtig gemacht, jetzt gibt mit die erlernte Theorie Strukturen und ich kann mich und eine Arbeit neu entdecken."

Wohnangebot mit aufgebaut

Auch Claire Pyrsz hat eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin absolviert. Währenddessen trat sie ihre Stelle an der Burgstraße an: "Das war spannend und eine besondere Herausforderung schon während der Ausbildung ein neues Wohnangebot mit aufzubauen. Mir macht die Arbeit, Menschen mit Behinderung zu größtmöglicher Selbstständigkeit zu verhelfen, viel Freude", berichtet die 28-Jährige, die derzeit ihren Bachelor-Abschluss in Heilpädagogik macht.

Gemeinsame Projekte

Auf dem Flur im Erdgeschoss trifft man ein Gesicht, das von einer anderen Stelle bekannt ist: Hans Zabel, Jugendreferent des Evangelischen Kirchenkreises Herne und tätig im "HOT juengerbistro". "Uns verbindet eine Freundschaft mit dem Wittekindshofer Wohnhaus hier an der Burgstraße", erklärt er.

"Die erste Annäherung war etwa vor vier Jahren. Ein Bekannter, der sich ehrenamtlich beim Wittekindshof engagiert, sprach mich wegen eines Wagens zur Cranger Kirmes an. So entstand die Idee, Menschen bei solch einem gemeinsamen Projekt zusammenzubringen." Seit dem hat sich die Verbindung weiter vertieft. Jeden Dienstag kommen Besucher des HOT und Frauen und Männer, die vom Wittekindshof unterstützt werden, zu einem offenen Angebot zusammen. Es wird gequatscht, gespielt oder Hochbeete gemeinsam gepflegt.

"Die Begegnungen sind immer spannend. Alle gehen ganz selbstverständlich miteinander um. Da ist es egal, wer eine Behinderung hat und wer nicht. Unsere Kinder erlernen durch den Kontakt mit den Bewohnern der Burgstraße viele soziale Kompetenzen", berichtet Zabel. Es habe auch in der Sprache der Kinder und Jugendlichen ein Umdenken stattgefunden. Das Wort "behindert" werde hinterfragt und weniger als Beleidigung genutzt.

Immer in Aktion

Während Zabel erzählt, huscht Karin Gorke an ihm vorbei. Immer in Aktion. Gerade bringt sie benötigte Hilfsmittel in die zweite Etage: "Ich helfe, wo ich nur kann", erklärt sie vom Treppenabsatz aus. Gorkes Tochter lebte im Haus an der Burgstraße, bevor sie verstarb. Nach dem Tod ihrer Tochter entschied sich die Hernerin, ehrenamtlich tätig zu werden. "Das hat mir geholfen, nicht in ein Loch zu fallen. Ich habe viel Erfahrung, da ich meine Tochter zuhause unterstützt und gepflegt habe. Nun habe ich die Möglichkeit, meine Erfahrung hier einzubringen."

Karin Gorke ist eine der guten Seelen des Hauses. Sie macht Kochangebote, Spielenachmittage, begleitet die Frauen und Männer bei Arztbesuchen oder holt schnell ein benötigtes Medikament aus der Apotheke. An diesem Tag geht sie mit allen, die möchten, in die nahe gelegene Eisdiele. Auf dem Flur hat sich bereits eine kleine Gruppe zusammengefunden, die ungeduldig darauf wartet, dass es losgeht. Auch Sven Kämper gehört dazu. "Wir müssen los", kündigt Gorke ab. Zabel verabschiedet sich ebenfalls, während Pyrsz eine Bewohnerin in den ersten Stock auf die Wohngruppe begleitet und Held den morgigen Tagesplan mit einem älteren Herrn bespricht.