Ein junger Mann sitzt neben einem befüllten Aquarium
In einem Aquarium tummeln sich kleine blau-rote Fische.
  • Meldung

Fische steigern Verantwortungsgefühl

Steigende Temperaturen setzen auch Fischen zu, weiß Edward Vandam. Deshalb wechselt der 18-Jährige, der in einem Appartement an der Vinckestraße in Herne lebt und Unterstützung vom Wittekindshof erhält, an heißen Sommertagen täglich das Wasser in seinem Aquarium. "Das kühlt ab und die Wasserqualität bleibt gut, so dass die Fische genug Sauerstoff bekommen", sagt er. Zudem schaltet er die Leuchtstoffröhre aus, die normalerweise für schönes Licht im Aquarium sorgt, aber eben auch Wärme ausstrahlt. Das Wohl der Tiere geht vor. Ein Kredo, das Aquarianer besonders am Tag der Fische hervorheben: Dieser findet jährlich am 22. August statt. Ziel ist es, auf den Artenschutz vor allem bedrohter Fische aufmerksam zu machen.

"Ich sehe die Fische schon morgens, wenn ich aufwache. Das freut mich dann sofort", sagt Edward Vandam. Seit ein paar Monaten kümmert er sich um sein eigenes Aquarium, füttert die Fische, prüft die Wasserqualität mittels Teststreifen die Temperatur: Konstante 26 Grad sind ideal für seine Fische.

Pflege der Tiere bietet sinnvolle Beschäftigung

"Der Wunsch nach einem Haustier war bei vielen Frauen und Männern groß. Nachdem Schulen und Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen werden mussten, haben wir im Team überlegt, wie wir den jungen Menschen, die wir unterstützen, eine sinnvolle Beschäftigung bieten können", sagt Dennis Rathmer, der als Bereichsleitung zuständig für das Wohnangebot an der Vinckestraße ist. "Ich bin selbst Aquarianer und hatte noch ein paar Becken übrig, die wir direkt nutzen konnten."

Bevor das Aquarium befüllt werden konnte, ging es aber erst einmal an die Recherche. Welche Fische eignen sich für Beginner? Was sind ideale Lebensbedingungen für die Tiere? Welche Pflanzen sind besonders beständig und nicht so pflegeintensiv? Die Wahl fiel auf den Neonsalmler. "Das ist ein Schwarmfisch, der sich in vielen Aquarien finden lässt und gut in einem 60-Liter-Becken gehalten werden kann", weiß Rathmer. Neonsalmler sind in Südamerika weit verbreitet und zeichnen sich durch ihre blau-rötliche Färbung aus. "Da sie nicht so groß werden, lassen sich auch einige Tiere in einem kleineren Aquarium halten", sagt Rathmer und Edward Vandam fügt hinzu: "Man muss darauf achten, dass es nicht zu viele und nicht zu wenige Fische sind."

Arbeit mit den Tieren fordert, aber fördert auch

Vandam lebte bis vor kurzem im Wittekindshofer Wohnhaus an der Bielefelder Straße zog kürzlich an die Vinckestraße, wo er in einer eigenen Wohnung lebt. "An der Bielefelder Straße hatten wir im Gemeinschaftsraum auch ein Aquarium. Als ich dann in mein Appartement an der Vinckestraße gezogen bin, kam mir das gerade recht und ich habe sofort gesagt, dass ich gerne ein eigenes Aquarium haben möchte, um das ich mich kümmern kann", sagt der junge Mann. Verantwortung für andere Lebewesen übernehmen, "dass ist ein wichtiger Aspekt unseres Aquarienprojektes", setzt Dennis Rathmer hinzu. "Die Männer und Frauen setzen sich mit den Tieren und ihren Bedürfnissen auseinander. Sie übernehmen die Fütterung, die Pflege des Aquariums, behalten Temperatur und Wasserqualität im Auge. Das fordert täglich - fördert aber auch." Eine Beziehung zu den Tieren werde aufgebaut.

Projekt sorgt für neue Kontakte

Um ein zweites Aquarium kümmert sich bereits eine weitere Mieterin, ein drittes ist geplant. "Edward hat ein großes Verantwortungsgefühl durch das Aquarium entwickelt. Er achtet genau darauf, dass es seinen Tieren gut geht, und ist sehr penibel etwa mit der Säuberung des Beckens. Dabei geht es auch darum, dass der Lebensraum für Pflanzen und Tiere passt." Vandam: "Ich habe vor allem darauf geachtet, dass alle Fische und auch die Pflanzen aus einer Region stammen - nämlich Südamerika. Ich bin Amerika-Fan." Außerdem sorgt das Projekt für Gesprächsstoff und Austausch - sowohl unter den Männern und Frauen an der Vinckestraße als auch außerhalb des Wohnhauses. "Wenn ich Fragen habe, gehe ich in die Zoohandlung", sagt Vandam.

"Aquarien sind alles andere als langweilig", bekräftigt Rathmer. "Wer sich richtig damit befasst, befasst sich auch mit biochemischen Prozessen. Ein Aquarium ist wie ein eigenes Biotop, in dem kleinste Veränderungen große Auswirkungen haben können."