Eine junge Frau fährt ein Fahrrad, dessen Vorteil zu einem Rollstuhl umgebaut wurde, in dem ein Mann sitzt.
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Erste Auszahlungen der Stiftung Anerkennung und Hilfe

Mehr als zwei Jahre ist es jetzt her, dass die Stiftung Anerkennung und Hilfe ihre Arbeit aufgenommen hat. Ihr Auftrag: Menschen, die zwischen 1949 und 1975 als Kinder und Jugendliche in Heimen der Behindertenhilfe und der Psychiatrie gelebt und dort Schlimmes erlebt haben, können einen Antrag stellen und erhalten als Anerkennung für das erlebte Leid 9.000 Euro. Wer ohne Sozialversicherung in diesen Heimen gearbeitet hat, erhält 3.000 Euro zusätzlich. Hat diese Arbeit länger als zwei Jahre gedauert, wird der Betrag noch einmal um 2.000 Euro erhöht.

Einfaches Antragsverfahren

Mehr als 400 Klienten des Wittekindshofes und solche, die es mal waren, haben bereits einen solchen Antrag gestellt. Die ersten haben das Geld bereits erhalten. Sie selbst oder ihre gesetzlichen Betreuerinnen und Betreuer berichten, dass das Antragsverfahren recht einfach zu handhaben ist. Wer sich bei der Anlauf- und Beratungsstelle der Stiftung in Münster meldet, bekommt einige wenige Formulare zugeschickt, die ausgefüllt und zurückgeschickt werden müssen.

Ablauf des Gesprächs

Mitarbeiter der Anlauf- und Beratungsstelle nehmen dann Kontakt auf und vereinbaren ein persönliches Gespräch. In diesem Gespräch erhalten Betroffene die Möglichkeit, über das, was sie als Kind oder Jugendlicher in einem Heim erleben mussten, zu sprechen. In der Regel wird das Gespräch von einer vertrauten Person aus dem Mitarbeiterkreis des Wittekindshofes und einem gesetzlichen Betreuer begleitet. Ist der Betroffene aufgrund der Schwere seiner Behinderung nicht in der Lage, selber Auskunft zu geben, kann dies stellvertretend von einer der Begleitpersonen übernommen werden. Die Mitarbeiter der Anlauf- und Beratungsstelle hört zu und stellt Fragen. Dies geschieht äußerst respektvoll und mit viel Einfühlungsvermögen. Niemand muss sich für das, was er erlebt hat rechtfertigen.

Bearbeitungsdauer

Außerdem wird ein Erfassungsbogen zusammen mit dem Berater bzw. der Beraterin ausgefüllt. Dieser Erfassungsbogen wird dann an die Stiftung Anerkennung und Hilfe weitergeleitet. Dort wird entschieden, ob man Anspruch auf das Geld hat. Weil sehr viele Anträge bearbeitet werden müssen, kann es mitunter mehrere Monate dauern, bis ein Bescheid vorliegt. Danach dauert es noch einmal etwa sechs Wochen, bis das Geld überwiesen ist. Dieses Geld steht der betroffenen Person zur freien Verfügung.

Erste Wünsche erfüllt

Gerd Burbulla zum Beispiel hat Schwierigkeiten beim Laufen und ist deshalb bei längeren Wegstrecken auf einen Rollstuhl angewiesen. Vor ein paar Jahren hat er in einem Urlaub in Cuxhaven ein Rollstuhlfahrrad kennengelernt, mit dem er von einem Mitarbeiter spazieren gefahren wurde. Seitdem wünscht er sich ein solches Fahrrad. Da diese Räder sehr teuer sind, hat sein eigenes Geld bisher nie gereicht, sich diesen Wunsch zu erfüllen. Durch das Geld der Stiftung ist dies jetzt möglich. Nun probiert er zusammen mit seiner Bezugsmitarbeiterin Kristina Derksen verschiedene Modelle aus, um dann das für ihn passende zu kaufen. Auch Hans Fischer hat schon Geld bekommen. Er hat sich eine Bank gekauft, die vor seinem Wohnhaus auf dem Gründungsgelände steht. Er genießt es nun, vor dem Haus zu sitzen und das Treiben zu beobachten.

Anträge noch bis Ende 2020

Noch bis zum 31. Dezember 2020 können Anträge gestellt werden: Die Beratungsstelle der Stiftung befindet sich beim Landschaftsverband Westfalen- Lippe. Sie ist erreichbar dienstags und donnerstags ab 10 Uhr. Birgit Kühne erreichen Sie unter: Telefon (02 51) 5 91 58 86 oder E-Mail: birgit.kuehne@lwl.org