Ein kleiner Junge im Schwimmbad auf dem Arm seiner Mutter, der im Wasser mit seinen Füsschen spielt
Ein kleiner Junge liegt in den Armen der Mitarbeiterin im Schwimmbad und guckst sie strahlend und zufrieden an..
Eine kleiner Junge mit Sauerstoffbrille streckt seiner Mutter seine kleine Hände entgegen und lacht sie an.
Eine Frau mit einem kleinen Kind, das entspannt lächelnd mit Schwimmreifen sanft durch das warme Wasser gezogen wird.
  • Meldung

Der Sauerstofftank ist immer griffbereit

Niclas liebt schwimmen. Er strampelt, das Wasser spritzt und juchzt vor Vergnügen. Zur Entspannung lässt sich der Zweijährige auf dem Schwimmring sanft durch das warme Wasser ziehen oder genießt einfach die Zeit mit seiner Mutter im Wittekindshofer Therapiebad. Immer in der Nähe ist Ulrike Henning, seine Bezugsmitarbeiterin aus dem Wohnhaus Flensburg/Kiel. Sie ist Kinderkrankenschwester mit Spezialausbildung für Heimbeatmung. Egal ob Niclas auf der Wohngruppe spielt, im Gehfrei erste Laufversuche unternimmt oder im Therapiebad planscht, sieht sie an seinen Mundwinkeln sofort, wenn seine Atmung schlechter wird. Der Sauerstofftank ist immer griffbereit auch im Schwimmbad.

Von der Kinderklinik direkt in den Wittekindshof

Als Niclas mit knapp einem Jahr direkt aus der Kinderklinik in den Wittekindshofer Kinder- und Jugendbereich umgezogen ist, musste er rund um die Uhr beatmet werden. Er ist viel zu früh in der 25. Schwangerschaftswoche geboren und war nur 460 Gramm leicht. Seine Mutter hat von Anfang an um ihn gekämpft. Daniela Hinz wusste, dass jeder Tag für ihr Kind wertvoll ist, Deswegen hat sie in der Schwangerschaft lange Zeit gelegen und schließlich Medikamente bekommen, um Niclas Lungenreifung zu fördern. Den extremen Frühstart ins Leben hat Niclas erstaunlich gut gemeistert ebenso wie eine dringend notwendige Herzoperation. Aber er musste mit hohem Druck und viel Sauerstoff beatmet werden, was seine Augen und seine ohnehin sehr unreife Lunge weiter geschädigt hat. Wegen Komplikationen hat sich die Entlassung aus der Kinderklinik mehrfach verzögert. Niclas musste sich durch lebensbedrohliche Krisen kämpfen und war auf intensive Pflege rund um die Uhr angewiesen. Damals hat keiner zu hoffen gewagt, dass er sich so schnell stabilisiert.

Spezialisierte Pflege und Heilpädagogische Frühförderung

"Niclas ist ein Wunder", sagt die vierfache Mutter und schaut ihren Sohn liebevoll an. Sie freut sich unendlich, dass es ihrem Jüngsten zurzeit so gut geht. Schon in der Kinderklinik hat sie viel gelernt, um Niclas selbst zu versorgen: "Was Niclas im Wittekindshof bekommt, hätte ich ihm nicht ermöglichen können", betont Daniela Hinz immer wieder. Für sie war es einer der glücklichsten Augenblicke, als sie NIclas zum ersten Mal ohne Kabel und Schläuche auf den Arm nehmen konnte.

Zurzeit ist Niclas das jüngste Kind, das im Wittekindshofer Kinder- und Jugendbereich lebt. Seine Wohngruppe ist spezialisiert auf die Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit hohem Pflegebedarf und komplexer Mehrfachbehinderung vom Säuglingsalter an. Ein Kinderarzt kommt, wenn es nötig ist, auch mehrfach am Tag vorbei. Die Mitarbeitenden haben Spezialfortbildungen besucht und viel Erfahrung, auch mit seltenen Behinderungen, Atemunterstützung und Heimbeatmung, schweren Stoffwechselstörungen, Epilepsie und Wachkoma. Viele Kinder werden künstlich ernährt, aber bekommen, möglichst oft auch Geschmacksangebote und Essen angereicht, solange die Gefahr nicht zu groß ist, dass sie sich verschlucken, was lebensgefährlichen Lungenentzündungen zur Folge haben kann. Niclas wird auch künstlich ernährt, um seinen erhöhten Energiebedarf decken zu können. Aber er trinkt auch Fläschchen und hat angefangen, Babykost zu essen.

Pflegerische Versorgung und heilpädagogische Förderungen erfolgen in Haus Flensburg/Kiel Hand in Hand in enger Zusammenarbeit mit weiteren Fachdiensten. Niclas bekommt zweimal im Monat Sehfrühförderung durch die Opticus-Schule in Bielefeld und mehrmals in der Woche Physiotherapie und Heilpädagogische Frühförderung durch das benachbarte Wittekindshofer Therapiezentrum.

Vor allem seine Bewegungsfähigkeit, seine Atmung, die Wahrnehmung, aber auch die Lautbildung und Kommunikation werden gefördert. Zurzeit ist er so stark, dass tagsüber nicht beatmet werden muss und phasenweise ohne Sauerstoff auskommt. Er kann sogar von den Überwachsungsgeräten getrennt werden, solange eine Fachkraft ihn direkt im Blick hat. Dann nutzt er seine Freiheit und läuft am liebsten mit dem Gehfrei über die gesamte Wohngruppe, weil es überall etwas Spannendes hört oder etwas Neues entdecken möchte. Um seine Hüfte nicht zu überlasten, ist die Zeit im Gehfrei begrenzt, aber auch robbend und rollend kommt er vorwärts und macht erste Versuche zum Krabbeln. Kurz vor Weihnachten hat er die Zusage für einen Kindergartenplatz bekommen.

Entwicklung überrascht auch die Ärzte in der Kinderklinik

Vor kurzem musste er zur Kontrolle in die Kinderklinik. Mit seiner guten Entwicklung hat er auch die Ärzte positiv überrascht. Sie konnten seine Medikamente reduzieren, aber das hat seinen kleinen Körper stark belastet. Er braucht einige Tage, um sich daran zu gewöhnen. Dann ist er wieder durchgestartet auf der Wohngruppe mit dem Gehfrei und am allerliebsten zwei Etagen tiefer im Therapiebad beim Schwimmen und Plantschen.

Weihnachtsspendenaktion zugusten von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung

Der Text erscheint im Rahmen der Weihnachtsspendenaktion 2018, die bis 31. Januar 2019 fortgesetzt wird. Zum Unterhalt des Wittekindshofer  Therapiebades sind Spenden ebenso nötig wie für zusätzliche Therapie- und Förderangebiote.