Eine junge Frau im Rollstuhl mit ihrer Mutter und Großmutter.
Portraitbild einer jungen Frau mit blondem Pferdeschwanz, die im Rollstuhl sitzt und ins Bild lächelt.
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Charmantes Lächeln und manchmal richtig laut

Melanie Münnichow lächelt charmant, wenn sie sich wohlfühlt und vor allem wenn jemand Zeit für sie hat und etwas mit ihr unternimmt. Das muss nichts Weltbewegendes sein. Schon ein Spaziergang am Südhang des Wiehengebirges, wo sie seit gut 23 Jahren im Wittekindshofer Kinder- und Jugendbereich lebt, gefällt ihr. Sie kommt raus, sieht, hört und riecht etwas Anderes als im Haus und genießt die frische Luft. Alleine kann sie nicht nach draußen gehen und kann sich auch kaum selbst beschäftigen.

Komplikationen bei der Geburt

Bei der Geburt ist es zu erheblichen Komplikationen gekommen. Sie hatte ihre Nabelschnur um ihren Hals gewickelt und hat zu wenig Sauerstoff bekommen, wodurch schwere Hirnschädigungen entstanden sind. In den ersten Jahren hat sie Zuhause gelebt und ihre Mutter und Großmutter haben sich abwechselnd um sie gekümmert, sie versorgt wie ein kleines Baby, sind mit ihr zur Therapie und Ärzten und immer wieder in die Klinik gefahren, weil sie schwere epileptische Anfälle bekommt. Hinzu kam die emotionale Belastung: "Ich war abwechselnd wütend, warum so etwas gerade uns passiert musste, aber dann auch wieder sehr verzweifelt. Ich wusste nicht, wie ich meiner Tochter am besten helfen sollte und konnte bei den Anfällen nur hilflos zusehen", berichtet Martina John-Münnichow. Nach mehr als drei Jahren Pflege rund um die Uhr, war sie am Ende ihrer Kräfte: "Nur wenn ich bei der Arbeit war, hatte ich eine Pause von der Pflege", erklärte die Mutter.

"So konnte es nicht weitergehen"

Damals wurde ihr eine Kur genehmigt, wo sie wieder mehr an sich denken und vor allem reden konnte. "Es war klar, dass es so nicht weitergehen konnte, aber es war schwer, sich vorzustellen, dass Melanie jetzt schon zuhause auszieht. Sie war ja noch ein kleines Mädchen", erinnert sich John-Münnichow. Auch ihre Schwiegermutter, die sich liebevoll jeden Tag um ihre Enkelin gekümmert hat, hat ihr damals schwere Vorwürfe gemacht, dass sie ihr Kind in ein Heim geben wollte. Heute sieht sie das ganz anders: "Zuhause könnten wir das nicht alles schaffen, was Melanie braucht!" Heute kommt Waltraud Münnichow mit ihrer Schwiegertochter fast jeden Mittwoch und Samstag zu Melanie. "Wir können jederzeit kommen. Besuchszeiten gibt es nicht. Melas Wohngruppe ist auch unser Zuhause", erklärt Martina John-Münnichow während sie ihrer Tochter vorsichtig Wasser durch die Magensonde zu trinken gibt und ergänzt: "Seitdem sie die Sonde hat, geht es ist wieder besser. Essen war nur noch Stress und die Gefahr, dass sie sich verschluckt und Essen in die Lunge gelangt und eine schwere Lungenentzündung auslöst wurden immer größer." Wenn das Wetter draußen nicht zum Spazierengehen einlädt duscht Martina John-Münnichow ihre Tochter auch gerne und verwöhnt sie mit duftenden Ölen: "Sie genießt das, aber ich bin hinterher Schweiß gebadet, weil sie ja kaum mithelfen kann, und ich alle Bewegungen für sie ausführen muss".

Bewegungsmöglichkeiten wahrnehmen und unterstützen

Um die wenigen Bewegungsmöglichkeiten, die Melanie hat, im Alltag achtsam wahrzunehmen und zu unterstützen haben alle Mitarbeitenden im Wohnhaus Flensburg/Kiel, das auch Intensiv- und Beatmungspflege für Kinder und Jugendliche mit Behinderung anbietet, Fortbildungen in Kinästhetics besucht: "Wir haben für jeden individuelle Bewegungsabläufe entwickelt, die den Kindern und Jugendlichen größtmögliche Mitwirkung ermöglicht, aber uns auch entlastet, weil wir weniger heben und tragen", erklärt Nikolas Fels, der Melanie beim Transfer vom Rollstuhl auf den Bauchliegekeil noch etwas auf seinem Schoß liegen lässt und sie behutsam dehnt, um eine weitere Verformung ihrer Wirbelsäule zumindest zu verlangsamen.

Lautstarker Protest und charmantes Lächeln

Der Bauchliegekeil wurde speziell für Melanie mit Hilfe eines Gipsabdrucks angefertigt. Es ist die einzige Chance für die junge Frau auf dem Bauch zu liegen. Diese Position liebt sie. Sie bietet Entspannung, aber Melanie hat hier auch die Chance, ihren Kopf zu drehen und sich aufzurichten. Nach spätestens zwei oder drei Stunden wird ihr aber auch das zuviel und sie wird unruhig, weil sie eine Positionsveränderung entweder in ihr Bett oder in den Rollstuhl braucht. Melanie kann aber auch richtig laut werden, wenn sie morgens zu früh geweckt wird, ihr langweilig ist, ihr etwas wehtut oder sie sich einfach unwohl fühlt. Was es genau ist, bleibt oft ihr Geheimnis, denn sie spricht kein Wort. Egal, ob ihre Mutter, ihre Großmutter oder die Mitarbeitenden probieren dann aus, was ihr Erleichterung verschafft. Wenn dann Nikolas Fels Dienst hat oder ihr Freizeitbegleiter vorbeikommt, stehen die Chancen besonders gut, dass Melanie wieder charmant lächelt. Die junge Dame macht nämlich kein Geheimnis daraus, dass sie mittlerweile junge Männer besonders gerne in ihrer Nähe mag.

Weihnachtswunsch

Um jungen Menschen wie Melanie, die sich kaum selbst beschäftigen können, einen möglichst abwechslungsreichen Alltag anbieten zu können, ist der Wittekindshof auf Spenden angewiesen, um zusätzliche Freizeitangebote wie Besuche von Clowns im Wohnhaus, kleine Theater- oder Zirkusvorstellungen, Musikgruppen oder Ausflüge in die Umgebung zu finanzieren.

Der Text über Melanie ist ein Beitrag zur Weihnachtsspendenaktion 2018.