Abstandsmarkierungen führen ins Innere der Werkstätten am Schürblick in Gronau
Warnschilder in Leichter Sprache sind in den Werkstätten zu finden.
Von der Decke gelassene Raumteiler sorgen für die Einhaltung des Mindestabstandes
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Werkstätten nehmen Betrieb wieder auf

Es rattert, klappert und surrt wieder in den Wittekindshofer Werkstätten. Die Maschinen laufen, Männer und Frauen kehren zurück an ihre Arbeitsplätze. "Noch ist die die Situation etwas ungewohnt, aber wir sind mit dem Start bisher sehr zufrieden. Alle freuen sich einfach, dass der Betrieb wieder läuft  wenn auch schrittweise", sagt Michael Bleiber, Leiter der Wittekindshofer Werkstätten in Gronau.

Seit dem 18. März galt für Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) in ganz Nordrhein-Westfalen ein Betretungsverbot, um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus zu vermeiden. Nun gibt es erste Lockerungen, sodass Werkstätten unter Einhaltung besonderer Regelungen und Vorlage eines Sicherheitskonzeptes schrittweise wieder öffnen dürfen.

Prinzip Einbahnstraße

Die Maßnahmen sind dabei abhängig von örtlichen Gegebenheiten. In Gronau konnten in der vergangenen Woche 75 Männer und Frauen zurück an ihre Arbeitsplätze kehren, die meisten davon in die Betriebsstätte am Schürblick. In den Kreisen Herford und Minden-Lübbecke haben Wittekinshofer Mitarbeitende in den vergangenen Tagen noch einmal genau Maß genommen, Tische gerückt und Trennwände dort aufgestellt, wo ein Mindestabstand von eineinhalb Metern nicht so leicht einzuhalten ist. "In einigen Gängen gilt nun das Prinzip der Einbahnstraße", sagt Bernd Wlotkowski, zuständiger Geschäftsbereichsleiter im Altkreis Lübbecke und im Kreis Herford.

Die Betriebsstätte an der Sonnenbrede auf dem Wittekindshofer Gründungsgelände in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen kommt weitestgehend ohne Trennwände aus. "Die Gänge sind breit genug und wir haben genügend Platz, um die Abstände an den Arbeitsplätzen einzuhalten", sagt Geschäftsbereichsleiter Andreas Nettinsgmeier.

Gelb leuchtende Markierungen kleben auf den Böden und geben dort nun die Richtung vor. "Wir haben extra eine besonders auffällige Farbe gewählt, damit jeder die neue Wegeführung in der Betriebsstätte schnell und gut erkennen kann", sagt Nettingsmeier.

Ort der Begegnung

"Die Werkstätten erfüllen nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Teilhabe am Arbeitsleben, sie sind für viele auch ein Ort der Begegnung, wo sie Freunde und Bekannte treffen. Der Schutz der Gesundheit der Menschen, die wir unterstützen, und unserer Mitarbeitenden steht dabei aber an oberster Stelle", bekräftigt Bernd Wlotkowski.

Daher müssen sich alle Mitarbeitenden beim Betreten der Betriebsstätten  egal ob ihn Gronau oder Löhne  anmelden und erhalten Mundschutze, die beim Verlassen wieder abgegeben und direkt gewaschen werden. Die Mittagspausen werden in Schichten aufgeteilt, um den nötigen Abstand zu gewährleisten.

Mehrere Phasen

Die Wiederaufnahme des Betriebs ist in mehrere Phasen aufgeteilt. "In den ersten Wochen sind zunächst Klienten an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt, die in ihrem privaten Wohnumfeld leben oder die von uns ambulant unterstützt werden und selbstständig zur Arbeit gelangen."Auch Teilnehmende der Beruflichen Bildung können die wieder vor Ort nutzen. Es werde sorgsam abgewogen, welche Personen die notwendigen Schutzmaßnahmen einhalten können.

In weiteren Schritten sollen dann Menschen folgen, die die Wohnangebote des Wittekindshofes nutzen. "Die Aufteilung der Arbeitsgruppen leitet sich dann von den Wohngruppen ab. So kommen nur Menschen miteinander in direkten Kontakt, die auch zusammenleben", sagt Wlotkowski.

Schritt zur Normalität

Trotz der Einschränkungen sei dies ein wichtiger Schritt zurück zur Normalität. Wlotkowski: "Immer wieder haben wir von den Menschen, die Frage erhalten, wann sie endlich wieder in der Werkstatt arbeiten können. Die Werkstätten erfüllen nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Teilhabe am Arbeitsleben, sie sind für viele auch ein Ort der Begegnung."

Und Diakon Andreas Nettingsmeier fügt hinzu. "Es war in den vergangenen Wochen ungewohnt ruhig in der Werkstatt. Normalerweise ist hier voller Betrieb, man kennt sich, es werden Gespräche geführt und miteinander gelacht."

Arbeit sei in jedem Falle vorhanden. Michael Bleiber: "Wir konnten an einigen Stellen wieder da anfangen, wo wir aufgehört haben. Gerade in der Metall- und Holzverarbeitung gibt es einige fortlaufende Aufträge, die wir jetzt weiterführen."