Ein Garten für alle Außengelände des Wittekindshofer Wohnhauses an der Wehmstraße barrierefrei umgestaltet, Bünde, Kreis Herford

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Bünde (ACL). Nicole Wuff lacht freudig, während ihre Mutter Ursula ihren Rollstuhl über den neu angelegten Weg schiebt. Nun kann die 32-Jährige, die im Wittekindshofer Wohnhaus an der Wehmstraße in Bünde lebt, auch den hinteren Teil des Gartens erkunden. Der ist in den vergangenen Wochen barrierefrei umgestaltet worden.

"Ich bin ganz begeistert", sagt Ursula Wuff und schaut sich im Garten um. Gemeinsam mit weiteren Angehörigen hat sie sich dafür eingesetzt, dass der Außenbereich des Wohnhauses umgestaltet wird.

Garten mit Hanglage

"Durch die Hanglage waren Teile des Gartens für Menschen mit mobilen Einschränkungen nur schwer zugänglich. Deshalb haben wir bisher vor allem den Bereich direkt am Wohnhaus genutzt. Dieser ist ebenerdig und für alle gut zu erreichen", sagt Marina Raddatz. Sie ist als Bereichsleiterin verantwortlich für das Wohnhaus, das 2013 bezogen wurde.

Es bietet verschiedene Wohnformen und damit Entwicklungsmöglichkeiten für 24 Frauen und Männer im Alter von 20 bis 82 Jahren mit geistiger Behinderung sowie Verhaltensauffälligkeiten und teilweise starken körperlichen Einschränkungen.

"Gerade im vergangenen Jahr haben wir immer wieder festgestellt, wie wertvoll eine Gartenanlage in Zeiten von Lockdown und Quarantänemaßnahmen ist", sagt Raddatz. Im November hatte es einen Corona-Ausbruch an der Wehmstraße gegeben, das Haus wurde unter Quarantäne gestellt. "Spaziergänge ums Haus, das Frische-Luft-Schnappen im Garten oder auf dem Balkon boten zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten für die Bewohnerinnen und Bewohner – und zumindest einen kleinen Ausgleich zur Isolation", so die Bereichsleiterin.

Geschwungener Weg

Umso schöner sei es, dass der gesamte Garten nun zugänglich für alle sei. Möglich wird das durch einen lang geschwungenen, breiten Weg, der die Steigung des Hangs abfängt. Von dort geht es an neu angelegten Beeten und Grünflächen vorbei hin zu einer Grillecke mit einer Sitzecke aus Europaletten, wo es sich Tobias Göke, Antje Stein und Mitarbeiterin Jennifer Roth gemütlich gemacht haben. Die Meinung ist einhellig: Der Garten gefällt.

"Der Weg ist breit genug, damit beispielsweise mehrere Rollstuhlfahrende ihn gleichzeitig nutzen und zum höher gelegenen Teil des Außengeländes gelangen kommen. Zusätzlich gibt es noch eine Treppe, die direkt zum Grillplatz führt", erklärt Christian Beeck vom Wittekindshofer Garten- und Landschaftsbau-Team, das Teil der Wittekindshofer Werkstätten ist und in den zurückliegenden Wochen das abschüssige Gelände in eine barrierefreie Gartenlandschaft umgewandelt hat.

Auch die Terrasse, die ans Erdgeschoss des Wohnhauses anschließt, wurde deutlich vergrößert. "Jetzt haben wir endlich genügend Platz, um auch mal mit allen Bewohnerinnen und Bewohnern draußen zu frühstücken oder zu grillen", freut sich Raddatz.

Möglich wurde der Umbau durch eine Förderung der Soziallotterie Glücksspirale, die 80 Prozent der Kosten übernommen hat, die rund 36.000 Euro betragen. "Wir haben uns sehr gefreut, als wir von der Zusage der Glücksspirale gehört haben", sagt Marina Raddatz. "Die Unterstützung, die die Bewohnerinnen und Bewohner in ihrer Selbstständigkeit erfahren, ist sehr wertvoll." Pläne für die Gartennutzung gibt es in jedem Fall bereits, versichert Raddatz: "Wir freuen uns schon auf das erste gemeinsame Grillen."