Direkt zum Hauptmenü, zum Inhalt.
Sie sind hier: Startseite › Wohnen für Erwachsene › Vielfalt im Stationär Unterstützten Wohnen › Wohnangebote für Menschen mit hohem pflegerischen Unterstützungsbedarf
Menschen mit geistigen und mehrfachen Behinderungen, die auf umfassende Pflege angewiesen sind, können im Rahmen der Eingliederungshilfe in vielen Wittekindshofer Wohnhäusern leben. Für besonders umfangreiche Pflege erwachsener Frauen und Männer bieten sich die Annaheime in Gronau oder verschiedene Wohnbereiche auf dem Wittekindshofer Gründungsgelände (z.B. Bethanien und Langenhagen) in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen an. Die Wohngruppenteams verfügen über jahrelange Erfahrung bei der Begleitung und Betreuung von Menschen mit zum Teil schwersten geistigen Behinderungen und zusätzlichen schwerwiegenden Stoffwechselstörungen (von selten vorkommenden Syndromen bis hin zu Diabetes), neurologischen Erkrankungen und Behinderungen (z.B. Epilepsie, Schlaganfälle) und erheblichen Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit sowie des gesamten Stützapparates (z.B. Tetraplegien, Spastiken, Skoliosen). Verschiedene künstliche Ernährungsformen gehören zum Alltag vieler Wohngruppen. Die zeitweise oder dauerhafte Versorgung mit Sauerstoff ist möglich. Durch interdisziplinäre Teams, in denen pädagogisch, pflegerisch und teilweise auch therapeutisch ausgebildete Mitarbeitende zusammenarbeiten, und durch entsprechende bauliche Rahmenbedingungen (barrierefreie Sanitär- und Wohnbereiche, Aufzüge u.a.) und Ausstattung (Hubbadewanne, Lifter, Duschwagen) soll ein Lebensumfeld geschaffen werden, das den Bedürfnissen von Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen entgegenkommt.
Enge Zusammenarbeit mit Ärzten
Die enge Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten und der integrierte medizinische Dienst sichern die ärztliche Betreuung. Besonders kurz sind die Wege auf dem Gründungsgelände, weil ein in der Behindertenmedizin erfahrener Facharzt für Innere Medizin seine Untersuchungs- und Behandlungsräume in Haus Bethanien hat. In diesem Haus können zwei Personen im Pflegeinterventionsbereich betreut werden, wenn sie in nach einer Operation oder schweren Erkrankung für eine begrenzte Zeit auf eine so umfassende Pflege angewiesen sind, dass diese noch nicht in ihrem eigenen Wohnbereich geleistet werden kann. Nicht selten ist der Pflegeinterventionsbereich eine Alternative zu einem Krankenhausaufenthalt, der für Menschen mit geistigen Behinderungen oft besonders belastend ist durch die fremde Umgebung und das Fehlen der vertrauten Bezugspersonen. Diesen Menschen, aber auch allen anderen Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses Bethanien und der benachbarten Häuser kommen zusätzlich die Angebote des Therapiezentrums zugute, die ebenfalls Behandlungsräume im Haus Bethanien haben.
Abwechslungsreicher Tages- und Wochenablauf
In den einzelnen Wohngruppen wird trotz der teilweise allgegenwärtigen Hilfsmittel auf eine wohnliche und gemütliche Gestaltung der indviduellen Zimmer und der Gemeinschaftsräume Wert gelegt. Der Tages- und Wochenablauf wird durch regelmäßig wiederkehrende Elemente (Mahlzeiten, Andachten, Spielangebote etc.) strukturiert und erhält durch Feste (Geburtstage, Feste im Jahreskreis etc.) und Ausflüge besondere Höhepunkte. Dazu gehören auch wohngruppenübergreifende Freizeitangebote in den Abendstunden oder am Wochenende wie zum Beispiel das Pantoffelkino, Bastel-, Musik- und Singkreise.
Auch diejenigen, die aufgrund der Schwere ihrer Behinderung oder weil sie bereits das Rentenalter erreicht haben, nicht in einer Werkstatt arbeiten, sollen an den Werktagen möglicht einmal täglich die Möglichkeit erhalten, die Wohngruppen zu verlassen, um einen Ortswechsel zu erleben oder Bekannte auch außerhalb der eigenen Gruppe zu treffen. Ein Großteil dieser Menschen kann deswegen an Tagesstrukturierenden Angeboten außerhalb der eigenen Wohngruppe teilnehmen, die durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zusätzlich zum Wohnangebot finanziert werden.
Selbstbestimmung und Teilhabe trotz größter körperlicher Einschränkungen
Auch Menschen mit geistigen Behinderungen und größten körperlichen Einschränkungen soll Teilhabe, Selbstbestimmung und Wohlbefinden sowie die Möglichkeit, einen abwechslungsreichen Alltag zu erleben, ermöglicht werden. Teilhabe fängt damit an, dass Menschen am Gemeinschaftsleben der Wohngruppe und der Hausgemeinschaft teilnehmen können. Soweit keine akuten Erkrankungen oder andere gesundheitlichen Bedenken dagegen sprechen, ermöglichen die Mitarbeitenden allen Bewohnern, tagsüber ihr Bett zu verlassen. Auch wenn sie nicht selbständig sitzen, stehen oder laufen können, sollen sie durch den Einsatz individuell angepasster Rollstühle, Liegewagen und anderer Hilfsmittel zumindest stundenweise einen Perspektivwechsel erleben.
Um den Bedürfnissen dieser Menschen nachzukommen, haben einige Wohngruppen erhöhte Lagerungsflächen und Kuschelsäcke neben den sonst üblichen Sitzecken in den Wohn-Esszimmern geschaffen. Bei Neu- und Umbauten wird viel Wert auf bodentiefe Verglasung, Balkone oder einen direkten Zugang zur Terrasse gelegt, um auch Menschen mit großen Mobilitätseinschränkungen den Blick nach draußen und mit wenig Aufwand möglichst oft den Aufenthalt im Freien zu ermöglichen.
Um Selbstbestimmung zu ermöglichen, wird die verbale und nonverbale Kommunikation ebenso gefördert wie die Bewegungsfähigkeit. Die Ausstattung mit passenden Hilfsmitteln ist dabei ebenso wichtig wie eine gute Schulung der Mitarbeitenden.
Teilweise konnten schon nach wenigen Monaten völlig unerwartete Erfolge erzielt werden. Menschen haben beim Trinken selbst Hand an die Tasse angelegt und konnten so zeigen, wann sie genug getrunken hatten. Andere haben Aktivitäten beim Aufstehen aus dem Bett oder Rollstuhl entwickelt, die sie mit großer Zufriedenheit erfüllt haben, weil sie erlebt haben, dass sie selbst etwas bewirken können. Dass sie dabei auch Mitarbeitende entlastet haben, weil sie weniger Heben und Tragen mussten, ist ein schöner Nebeneffekt.
Seit einigen Jahren hat der Wohnbereich Bethanien deswegen Kinästhetik für alle Mitarbeitenden als verbindliche Fortbildung mit regelmäßig stattfindenden Vertiefungsseminaren eingeführt. Auch in anderen Wohnbereichen haben viele Mitarbeitende an Grund- und Aufbaukursen teilgenommen, um Menschen mit Behinderungen darin unterstützen zu können, eigene Bewegungsmöglichkeiten zu entdecken und mit entsprechender Unterstützung zu erweitern.
Gesundheitsförderung durch Bewegung
Bewegungsförderung hat aber auch über Kinästhetik hinaus wegen ihrer allgemein gesundheitsfördernden Wirkung (Anregung des Stoffwechsels, Vermeidung von Versteifungen etc.) große Bedeutung. Sie findet soweit möglich im Alltag statt. Das fängt bei der täglichen Körperpflege an und führt über die Unterstützung beim Laufen oder Aktivitäten im Sitzen bis hin zum gemeinsamen Spaziergang oder Schwimmbadbesuch. Wenn es nötig ist, regen Experten wie Physiotherapeuten und Gymnastiklehrer die aktive und passive Bewegung an.