Direkt zum Hauptmenü, zum Inhalt.
Sie sind hier: Startseite › Standorte › Kreis Minden-Lübbecke › Bad Oeynhausen - Vorwerk › Zur Geschichte des Wittekindshofes Vorwerk
Nachdem der Wittekindshof 1887 gegründet wurde, wurde bereits 1891 die Sandersche Stätte mit acht Morgen Land rund zwei Kilometer vom Gründungsgelände entfernt am Ortsrand von Volmerdingsen gekauft. Noch im gleichen Jahr konnten die ersten behinderten Männer in das neu gebaute Haus Vorwerk einziehen. Sie arbeiteten im Haus und in der Landwirtschaft und ab 1893 in der auf einem Nachbargrundstück neu errichteten Ziegelei und trugen damit wesentlich zum Aufbau der Gesamtstiftung bei. Mit Steinen aus der Vorwerker Ziegelei wurden viele Wittekindshofer Häuser (Gerahaus, Friedenshöhe, Marthahaus, Neubau Sachsenkreuz) und die Erlöserkirche gebaut. Der große Gemüse- und Nutzgarten und die Landwirtschaft haben dazu beigetragen, die im Wittekindshof benötigten Lebensmittel zu produzieren.
Im ehemaligen Ochsenstall der Ziegelei wird 1921 die Wanderherbergen „Heideklause" eröffnet. Ab 1930 wird das Haus als Mitarbeiterwohnung genutzt. Die Ziegelei wird 1927 geschlossen, da die dringend nötige Modernisierung zu kostenaufwendig gewesen wäre. Nach einem Dachstuhlbrand am 22. April 1931 müssen viele Bewohner nach Schloss Ulenburg (Löhne) ausweichen. Beim Wiederaufbau wird das Gebäude aufgestockt und Platz für 90 Betten geschaffen. Aufgrund einer aus Kostengründen stark zurückgegangenen Belegung wird Haus Vorwerk in den Jahren 1931 bis 1936 unter anderem genutzt von der Haushaltsschule Minden, vom evangelischen Arbeitsdienst und vom Reichsarbeitsdienst. In den Jahren 1936/37 schließen sich Umbauarbeiten, eine Erweiterung auf 100 Betten und die Wiederbelegung an.
Im Rahmen der nationalsozialistischen Krankentötungsaktion werden 93 Bewohner aus dem Vorwerk am 6./7. November 1941 nach Gütersloh verlegt. Ingesamt werden knapp 1000 Menschen aus dem Wittekindshof abtransportiert. Für die verbliebenen 335 Personen stehen nur noch die Friedenshöhe auf dem Gründungsgelände, Schloss Ulenburg und Haus Vorwerk zur Verfügung.
Nach der Besetzung Bad Oeynhausens 1945 wird das Städtische Krankenhaus ins Vorwerk verlegt. Die Wittekindshofer Bewohner müssen nach Ulenburg ausweichen. Nachdem das Krankenhaus 1953 das Vorwerk geräumt hat, kann es nach Renovierungsarbeiten ab 1953 wieder als Wohnhaus vom Wittekindshof genutzt werden. 1981 folgt ein neues Wohnhaus für 88 behinderte Männer. In den Jahren 1984/85 nutzen die Bewohner aus dem Haus Morgenstern, das umgebaut wird, das alte Vorwerk als Ausweichquartier. Es wird 1987 grundsaniert und bietet danach Wohnmöglichkeiten für 24 Personen. In das traditionelle Männerhaus ziehen nun erstmals auch Frauen ein.
Im Jahr 1989 wird die Werkstatt für behinderte Menschen gebaut. Ein Jahr später besucht Bundespräsident Richard von Weizsäcker den Wittekindshof Vorwerk. Das 100-jährige Jubiläum wird 1991 mit einem großen Fest gefeiert. Einen Millionenschaden hinterlässt am Karfreitag 1994 ein Tornado, der das Dach der Werkstatt anhebt und stark beschädigt.
Im Jahr 2001 wird in Kellerräumen das Kunstpädagogische Atelier als Teil der Heilpädagogischen Erwachsenenförderung eröffnet, die in erster Linie Menschen, die aufgrund der schwere ihrer Behinderung oder ihres Alters nicht arbeiten, einen abwechslungsreichen Tagesablauf ermöglichen soll. Im Sommer 2008 ist das Kunstatelier in größere Räume in der Alten Bäckerei auf dem Gründungsgelände umgezogen, um das Atelier auch für Menschen, die nicht am Vorwerk wohnen, öffnen zu können.
Im Rahmen des mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) vereinbarten 5-Jahresplan wird 2004 ein neues Wohnhaus auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei und der Heideklause gebaut, das 2005 bezogen werden kann. Die Werkstatt wurde Ende 2006 umgebaut und eine Kantine und Pflegemöglichkeiten geschaffen. Damit waren die Voraussetzungen gegeben, dass allen Beschäftigten eine Über-Mittag-Betreuung in der Werkstat angeboten werden kann, wie es in anderen Werkstätten für behinderte Menschen üblich ist. Im Jahre 2008 wurde das Wohnhaus aus dem Baujahr 1981 grundlegend saniert und renoviert, da inbesondere die Sanitärbereiche nicht mehr den modernen Standards der Behindertenhilfe entsprochen haben.