Direkt zum Hauptmenü, zum Inhalt.
Sie sind hier: Startseite › Presse und Materialien › Pressemitteilungen › Wittekindshof erlebt viel Offenheit in Rahden
Rahden/ Espelkamp/ Bad Oeynhausen (AM). „Wir sind vor knapp viereinhalb Jahren umgezogen, aber sind in Gedanken mindestens schon fünf Jahre in Rahden", erklärt Diakon Thomas Dullweber. Er hat damals die Tage bis zum Umzug am 7. Februar 2005 ebenso gezählt wie viele Bewohner, die aus Espelkamp-Benkhausen oder vom Wittekindshofer Gründungsgelände in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen gekommen sind. Der Diakon, der bereits an den Planungen für das Wittekindshofer Wohnhaus in Rahden mitgearbeitet hat, ist Teamleiter. Mittlerweile ist er nicht nur für die 24 Frauen und Männer verantwortlich, die im Haus Aleida am Brullfeld leben, sondern für insgesamt 30 Frauen und Männer mit Behinderungen. „Wir haben Wohnungen in Rahden gemietet, um Bewohnern die Möglichkeit zu bieten, sich in einer kleinen Wohngemeinschaft oder in der eigenen Wohnung weiter zu entwickeln.
Es hat sich herumgesprochen, wie gut es sich hier leben lässt." berichtet Thomas Dullweber, der sich freut, dass in diesen Tagen wieder ein Mann aus dem Wittekindshof Benkhausen nach Rahden umzieht, um hier den Schritt in die Selbständigkeit und in die erste eigene Wohnung zu wagen. Er geht davon aus, dass in den nächsten Jahren weitere Frauen und Männer mit Unterstützung in eine selbständige Wohnform umziehen werden. „Die Stadt ist übersichtlich, aber bietet von der Eisdiele bis zu Ärzten und Therapeuten alles, was man braucht. Das sind ideale Bedingungen", ist der Diakon überzeugt.
Mindestens ebenso wichtig wie die Infrastruktur sind die Menschen in Rahden: „Unsere ersten Kontakte haben wir schon vor der Grundsteinlegung über die Kirchengemeinde aufgenommen, in der wir uns jetzt absolut heimisch fühlen. Nach dem Umzug haben wir viele andere Lebensbereiche erschlossen. Überall treffen wir auf viel Offenheit und Verständnis", freut sich Thomas Dullweber. Auch im Alltag, beim Einkaufen, im Wartezimmer des Arztes und beim Geldabheben in der Bank erlebt er, dass in Rahden Integration von Menschen mit Behinderungen und Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft, von dem in politischen Diskussionen immer wieder die Rede ist, wirklich gelingen können.
„Die Aufgabe der Mitarbeiter ist es, den Menschen, die teilweise jahrzehntelang in einer großen Einrichtung gelebt haben, die ‚Spielregeln der Gesellschaft' nahe zu bringen. Aber das hilft wenig, wenn wir keine verständnisvollen Mitmenschen haben, die Geduld aufbringen, auch wenn es an der Kasse länger dauert, weil ein behinderter Mensch einfach etwas mehr Zeit braucht", erklärt Thomas Dullweber.
Aber er erlebt auch, dass Menschen unsicher im Umgang mit behinderten Menschen sind. Ein Problem ist das für ihn aber nicht. „Wer keine Erfahrungen hat, sieht auf den ersten Blick nur, dass behinderte Menschen anders leben und weiß nicht, ob und welche Hilfe nötig ist. Toll ist es, wenn diese Menschen trotzdem zu uns kommen, beispielsweise montags beim Vorlesemarathon mitmachen und dann sehr schnell spüren, dass man kaum etwas falsch machen kann. Manche rufen später sogar noch einmal an und bedanken sich, weil sie sich so wohl gefühlt haben." Ähnliches berichten auch andere Freunde des Hauses, wie der bayerische Musiker Andy Weiß oder Erich Faehling, der Pastor der großen Hamburger Motorradgottesdienste, die immer wieder gerne ins Haus Aleida nach Rahden kommen.
Von den 24 Frauen und Männern, die 2005 in den Wittekindshofer Neubau eingezogen sind, wohnt nur ein einziger Mann heute nicht mehr in Rahden. „Er hatte hier auch zwei gute Jahre, aber seine Behinderung hat sich deutlich verändert und er braucht heute ein Lebensumfeld, das wir in anderen Wittekindshofer Wohngruppen besser erfüllen können", berichtet Thomas Dullweber. Mit dieser individuellen Entwicklung hatte niemand gerecht.
Grundsätzlich gab es im Vorfeld viel Skepsis, mitten in die Stadt zu ziehen. Davon ist heute nichts mehr zu hören. Ganz im Gegenteil, die alltäglichen Beziehungen zu den Nachbarn, Gespräche über den Gartenzaun, Einkaufen ganz in der Nähe und die Mitgliedschaft im Sportverein tragen erheblich zur Lebensqualität bei. „Zu besonderen Veranstaltungen fahren wir gerne nach Benkhausen oder auf das Wittekindshofer Gründungsgelände, aber wir haben auch neue Höhepunkte hier in Rahden", berichtet Thomas Dullweber und erinnert an den Vorlesemarathon oder den Erlebnistag des Gymnasiums Rahden im Schulzentrum mit Spielen, spannenden Experimenten und gemeinsamen Essen, den Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse jeweils an Fronleichnam für ihre Nachbarn aus dem Haus Aleida vorbereiten.
Am kommenden Mittwoch, 8. Juli, laden Bewohner und Mitarbeitende Nachbarn und alle anderen interessierten Gäste zu einem Erinnerungskaffeetrinken nach Feierabend um 17 Uhr in das Wohnhaus am Brullfeld 3 ein: Aleida Helper, die Namensgeberin des Wittekindshofer Wohnhauses und langjährige Gemeindeschwester in Rahden könnte, wenn sie nicht längst gestorben wäre, ihren 111. Geburtstag feiern.
Hintergrund: 20 Minuten mit großer Wirkung - Vorlesemarathon im Haus Aleida
Bereits kurz nach dem Einzug im Jahr 2005 haben Mitarbeiter der Volksbank den Vorlesemarathon initiiert. Er ist bis heute eine feste Größe. Montags um 18 Uhr gibt es im Haus Aleida keine Therapie oder andere wichtige Termine. Schon morgens bevor die Bewohner das Haus zur Arbeit verlassen, werden die Stühle aufgestellt. Abends versammeln sich regelmäßig 15-18 Personen im Foyer und freuen sich auf den Gast, der ehrenamtlich kommt und etwas vorliest: Pippi Langstrumpf, das Sams oder die Tageszeitung standen schon auf dem Programm.
Geschäftsleute, Vereine, der CVJM und Einzelpersonen haben sich engagiert. Nach den Sommerferien soll es weitergehen und es werden noch Vorleserinnen und Vorleser gesucht. „20 Minuten Vorlesen reicht. Das ist gut investierte Zeit - die Menschen im Haus Aleida freuen sich darauf und viele unserer Gäste haben sich schon reich beschenkt gefühlt, durch das, was sie in dieser Zeit bei uns erlebt haben", betont Thomas Dullweber. Interessenten können sich unter: 0 57 71/91 49-0 oder 0 57 71/91 49-20 melden.