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Bünde (ksc/AM). „Punkte und Streifen passen einfach nicht zusammen", sind die Giraffen überzeugt und können nicht verstehen, warum sich das kleine Giraffenkind Raffi für gestreifte Zebras interessiert. Das ist die Ausgangslage des integrativen Musicals „Tuishi Pamoja - eine Freundschaft in der Savanne", das am Donnerstag, 1. März, um 17 Uhr und am Freitag, 2. März, um 19 Uhr im Forum im Schulzentrum Nord in der Ravensberger Straße in Bünde aufgeführt wird.
Seit September haben 56 Kinder aus Bünde, Schülerinnen und Schüler der Sport- und Musikklasse der Erich-Kästner-Gesamtschule sowie Bewohnerinnen und Bewohner des Wittekindshofer Wohnhauses am Dustholz und der Außenwohngruppe das Musical gemeinsam erarbeitet. „Tuishi Pamoja" bedeutet auf Swahili „Wir wollen zusammen leben". Genau das wollen auch das Zebra-Junge Zea und Raffi, die kleine Giraffe. Ginge es nach ihren Artverwandten, wäre dies unmöglich. Doch Zea und Raffi setzen sich gegen alle Vorurteile durch.
So unterschiedlich wie Zebras und Giraffen sind die Musicaldarsteller. Der Jüngste ist sechs Jahre alt, viele sind mitten in der Pubertät, einige leben bei Ihren Eltern, andere wohnen in einer der Wittekindshofer Wohngruppen. Sie besuchen die Gesamtschule, das Johannes-Falk-Haus oder arbeiten bereits und leben ohne, mit leichter oder schwerer Mehrfachbehinderung. Die bunte Mischung an Mitwirkenden hat eine lange Probephase nötig gemacht. Unter der Leitung der Tanzpädagogin Laura Ax erarbeiten die Tänzer die Choreographien. Diakonin Chrissy Missal übte mit den Sängern. Die Schauspieler wurden von Diakonin Dorothea Elges begleitet.
Seit Anfang des Jahres finden Gesamtproben statt. Eine Herausforderung für alle, die damit anfängt, dass Rollstuhlfahrer umständlich auf die Bühne getragen werden müssen. Von den jungen Musicaldarstellern wird viel Disziplin und Konzentration gefordert. Leise sein, wenn man selbst gerade nicht an der Reihe ist, und ausdrucksstark singen, tanzen und schauspielern, genau da, wo es im Regiebuch steht. Während auf der Bühne Textsicherheit gefordert ist, wird hinter der Bühne das schnelle, aber trotzdem leise umziehen geübt. Obwohl Dorothea Elges begeistert von den jungen Musicaldarstellern ist, musste sie manchmal auch sehr deutlich werden: „Textlernen zuhause muss sein und Kaugummi kauen auf der Bühne geht gar nicht!"
In den letzten Jahren hat das Team um Dorothea Elges schon mehrere Musicals und Tanzprojekte mit den Wittekindshofer Bewohnern sowie Kindern und Jugendlichen aus Bünde durchgeführt. Erstmals ist die Erich-Kästner-Gesamtschule Kooperationspartner: „Wir wollten schon seit langer Zeit ein Projekt mit dem Wittekindshof und unserer Schule gemeinsam auf die Beine stellen. Jetzt hat es endlich geklappt und beide Seiten haben viel von der Zusammenarbeit mitgenommen," berichtet Klassenlehrerin Kirsten Claßen.
So wie Zebras und Giraffen mussten auch die Musicaldarsteller Vorurteile und Berührungsängste abbauen. „Am Anfang war es komisch und ungewohnt mit den Jugendlichen aus dem Wittekindshof. Die haben keine Angst vor Nähe und kommen manchmal ganz dicht heran. Mittlerweile hat man sich daran aber gewöhnt und findet das nicht mehr schlimm," stellen die Schüler nach der langen Probezeit fest. Ganz normal ist es für sie geworden, dass sie Schauspieler aus den Wittekindshofer Wohngruppen fast unsichtbar unterstützen, wenn ihnen die Orientierung auf der Bühne schwer fällt.
Auch vor den Proben und in den Pausen kann man beobachten, dass viele Mitwirkende das Zusammensein mit den deutlich Größeren oder den viel Jüngeren sichtlich genießen; getreu den Schlussworten des Musicals, dass „es völlig egal ist, ob einer gepunktet oder gestreift ist".
Restkarten für die beiden Vorstellungen von „Tuishi Pamoja" sind an der Abendkasse für 3 Euro erhältlich.