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Sie sind hier: Startseite › Presse und Materialien › Pressemitteilungen › Vorstandssprecher Starnitzke warnt vor deutlichen Einschnitten in Behindertenhilfe
Gronau/ Bad Oeynhausen (AM). „Die Politik muss für Gerechtigkeit sorgen, sie muss die Starken stärker belasten, damit die Schwachen besser unterstützt werden können", erklärte der Vorstandssprecher der Diakonischen Stiftung Wittekindshof Pfarrer Professor Dr. Dierk Starnitzke anlässlich der Einweihung eines neuen Wohnhauses für 24 Kinder und Jugendliche mit Behinderung im westfälischen Gronau. In dem barrierefreien Haus sind auf zwei Etagen ein Trainingswohnbereich, ein Heilpädagogischer Intensivbereich und vier Wohngruppen für jeweils vier Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene entstanden. Die Wittekindshofer Ressortleiterin Irene Stenzig wies darauf hin, dass der Wittekindshof durch den Neubau erstmals auch im Münsterland Kindern und Jugendlichen mit besonders hohem Unterstützungsbedarf aufgrund schwerer Mehrfachbehinderung oder stark herausforderndem Verhalten Wohnmöglichkeiten angeboten werden könnten. Ihnen solle ein Leben in Würde und größtmöglicher Selbstbestimmung ermöglicht werden. „Für die Realisierung müssen wir die individuellen Ressourcen und Bedarfe jedes einzelnen Kindes kennen und in unsere Planungen einfließen lassen. Um jedoch die vielfachen Erschwernisse zu erkennen, zu erklären und zu verändern, ist eine ganzheitliche Betrachtungsweise nötig, die pädagogische, psychologische, medizinische und gesellschaftliche Aspekte berücksichtigt", so Irene Stenzig.
Der Wittekindshofer Vorstandssprecher, der durch zahlreiche Aufnahmeanfragen für die zum Teil hoch spezialisierten Wohnmöglichkeiten für rund 250 Kinder und Jugendlichen mit Behinderung in Bad Oeynhausen, Gronau und Hamm die Not der Familien kennt, sieht die weitere Entwicklung gefährdet: „Überdeutlich sind die Signale der Kostenträger, dass solche im wahrsten Sinne des Wortes notwendigen Angebote in Zukunft vielleicht nicht mehr geschaffen werden können auch wenn sie noch so bitter nötig sind." Als Grund auch möglicher deutlicher Standardabsenkungen wies er auf die leeren öffentlichen Kassen hin: „Ich empfinde es als sehr bedrückendes Signal, wenn in dieser wirklich schwierigen Situation der öffentlichen Haushalte die Verursacher der öffentlichen Finanzknappheit, nämlich verantwortungslose Banken und andere Unternehmen, dicke Gewinne schreiben, während die öffentlichen Haushalte am Boden liegen. Es kann und darf nicht sein, dass sich Banken und Unternehmen sogar an den klammen öffentlichen Kassen durch Spekulationen bereichern. Und dass die große Politik dann ausgerechnet im Sozialbereich den Rotstift ansetzt, um ihre Haushalte zu sanieren. Da müssen die zur Kasse gebeten werden, die wirklich Geld haben und die auch noch auf Kosten der öffentlichen Haushalte und vor allem Dingen auf Kosten der Schwächsten in unserer Gesellschaft satt vermehren. Es darf nicht sein, dass die Reichen sich immer weiter bereichern, die öffentlichen Haushalte handlungsunfähig werden und die Schwächsten in unserer Gesellschaft darunter leiden müssen." Der Wittekindshofer Vorstandssprecher und Theologieprofessor betonte, dass der Einsatz gegen solche Ungerechtigkeiten ein Stück Nachfolge Jesu sei: „Wir werden Menschen mit Behinderung nicht wie Jesus von ihrer Behinderung befreien können. Wir können aber versuchen, sie soweit es ihnen möglich ist, in ein so genanntes normales gesellschaftliches und persönliches Leben zu begleiten. Das braucht einen gewissen Aufwand und deshalb auch genügend Geld. Wir setzen dabei bewusst in einer sehr frühen Lebensphase an, weil dort Entwicklungen besonders gut möglich sind. Davon werden dann die Jugendlichen sehr profitieren, weil sie ihr Leben dadurch selbständiger leben können und davon wird dann auch unsere Gesellschaft profitieren."