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Alexander Graf (Mitte) ist Beschäftigter der Wittekindshofer Werkstätten und arbeitet in der Verwaltung. Dieter Hakenberg (li.) und Reiner Breder freuen sich, dass in der Zielvereinbarung festgelegt wurde, 60 Außenarbeitsplätze zu schaffen.
Bad Oeynhausen/ Löhne/ Espelkamp/ Gronau (AM). Teilzeit und Karriereplanung sind Stichworte, die in der modernen Arbeitswelt kaum jemand umgehen kann. In den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen haben sie bisher dennoch kaum eine Rolle gespielt. Das wird in den Wittekindshofer Werkstätten, die in Bad Oeynhausen, Löhne, Espelkamp und Gronau Arbeitsplätze für rund 1.250 Frauen und Männer mit Behinderungen anbieten, in Zukunft anders. Die Diakonische Stiftung Wittekindshof und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) haben eine Zielvereinbarung zur Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben unterschrieben, die rückwirkend seit 1. Januar letzten Jahres bis Ende 2012 gilt.
„In die Werkstätten wird Bewegung kommen. Durch die Zielvereinbarung konnten wir bereits 23 Beschäftigten den Wunsch nach Teilzeit erfüllen. Sie verdienen jetzt weniger Geld, aber haben endlich die freie Zeit, die sie sich schon lange gewünscht haben", berichtet Reiner Breder, der als Ressortleiter im Wittekindshof für den Bereich Arbeit verantwortlich ist. Der Kaufmännische Vorstand der Diakonischen Stiftung Wittekindshof, Dieter Hakenberg, betont, dass Karriereplanung nicht mit Erhöhung des Leistungsdrucks verwechselt werden dürfe, den viele Menschen mit Behinderungen nicht standhalten könnten: „Karriereplanung heißt, die Werkstatt ist keine Einbahnstraße. Das Motto ‚einmal Werkstatt, immer Werkstatt' muss Vergangenheit sein. Wir müssen die Beschäftigten unterstützen, Berufsperspektiven zu entwickeln", so Dieter Hakenberg. Eine wichtige Rolle nehmen dabei die berufsspezifischen Angebote der Erwachsenenbildung ein, die in den Wittekindshofer Werkstätten in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden: „Mit dem Hubwagenführerschein oder Kursen zum Umgang mit Maßen und Zahlen fängt es an. Außenarbeitsplätze ermöglichen Mitarbeit in externen Betrieben, bevor der Übergang aus der Werkstatt in den allgemeinen Arbeitsmarkt folgt," erklärt Reiner Breder.
Angesichts der angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt ist es für Frauen und Männer mit Behinderungen schwierig, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Für Außenarbeitsplätze sieht der Wittekindshofer Arbeitsspezialist jedoch gute Möglichkeiten: „Die Beschäftigten unserer Werkstatt sind nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern auch Menschen mit ganz speziellen Fähigkeiten. Sie arbeiten mit großer Ausdauer, Präzision und Zuverlässigkeit und können eine Bereicherung für viele Betriebe sein", ist Reiner Breder überzeugt. Statt wie bisher Aufträge aus Industrie, Handel-, Handwerk und Privatpersonen in der Werkstatt zu erfüllen, sollen Menschen mit Behinderungen zukünftig außerhalb des Werkstattgebäudes direkt beim Kunden arbeiten. Die Wittekindshofer Werkstätten haben sich in der Zielvereinbarung verpflichtet, bis Ende 2010 60 Außenarbeitsplätze zu schaffen. „In unseren eigenen Betrieben, beispielsweise in der Küche, in der Wäscherei, in der Malerei und im Bereich haushaltsnaher Dienstleistungen arbeiten seit Jahrzehnten Menschen mit Behinderungen. Diese Außenarbeitsplätze bieten wir mit entsprechender Assistenz jetzt auch Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf und jungen Menschen an, die den Berufsbildungsbereich besuchen," freut sich Reiner Breder.
Als weiterer Grundsatz der Zielvereinbarung wurde festgelegt, dass die Teilhabe am Arbeitsleben uneingeschränkt auch für Menschen mit schweren und schwersten Behinderungen gilt. „In manchen Bundesländern können sie nur Tagesförderstätten besuchen. In den Wittekindshofer Werkstätten schaffen wir gerade für diesen Personenkreis mit erheblicher Unterstützung des Landschaftsverbandes angemessene Arbeitsplätze", erklärt der Kaufmännische Vorstand, Dieter Hakenberg. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe begrüßt diesen Aufbruch in den Wittekindshofer Werkstätten: „Die Anzahl an Menschen mit Behinderungen, die Anspruch auf einen Werkstattarbeitsplatz haben, wird in den nächsten Jahren weiter steigen. Nur durch Teilzeitstellen, Jobsharing, Außenarbeitsplätze und die Förderung des Übergangs auf den allgemeinen Arbeitsmarkt wird es möglich sein, auf den Bau neuer Werkstätten zu verzichten und die Kosten in den Griff zu bekommen", erklärte LWL-Sozialdezernent Matthias Münning.
Bereits im Oktober 2007 hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe eine Rahmen-Zielvereinbarung zur Teilhabe am Arbeitsleben mit den Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege abgeschlossen. Die Diakonische Stiftung Wittekindshof ist jetzt einer der ersten Träger, der darauf basierend eine Individuelle Zielvereinbarung unterschrieben hat. Darin ist festgelegt, dass bis Ende 2010 153 alternative Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen geschaffen werden sollen. Nach gut einem Drittel der Laufzeit konnten bereits über 50 Beschäftigte auf einen Außenarbeitsplatz, in eine Teilzeitbeschäftigung oder auf den allgemeinen Arbeitsmarkt wechseln. „Wir liegen gut in der Zeit, wir werden das Ziel erreichen, wenn weiterhin alle daran mitarbeiten, auch neue Wege bei der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben zu wagen. Diese Menschen können noch viel mehr einbringen, als wir ihnen lange zugetraut haben," ist Dieter Hakenberg überzeugt.
In Kürze: LWL und Wittekindshof unterschrieben Zielvereinbarung
In der am 26. Januar 2009 unterschriebenen Zielvereinbarung wurde festgelegt, dass auch Menschen mit schweren und schwersten Behinderungen einen Rechtsanspruch auf Beschäftigung in einer Werkstatt haben. Bis Ende 2010 sollen die Wittekindshofer Werkstätten