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Jasmin und Alessandro haben zum Auftakt des Schulfestes der Wittekindshofer Förderschule, zusammen mit Mitschülern getrommelt.
Bad Oeynhausen/ Minden/ Espelkamp/ Kreis Minden-Lübbecke (AM). „Wir feiern, weil wir uns freuen, dass im nächsten Jahr nun wirklich das neue Schulgebäude gebaut wird," erklärte Andreas Becker-Brandt, der Leiter der Wittekindshofer Förderschule, zur Eröffnung des Schulfestes. Aus allen drei Schulgebäuden waren die Kinder und Jugendlichen zusammen mit ihren Lehrern, Eltern und Wohngruppenmitarbeitern auf den Schulhof am Langenhagen auf dem Wittekindshofer Gründungsgelände gekommen. Außerdem konnte Andreas Becker-Brandt zusammen mit Vorstandssprecher Pfarrer Dr. Dierk Starnitzke Schüler- und Lehrerdelegationen aus der Schule am Weserbogen, der Buschkampschule in Lübbecke und der Grundschule Volmerdingsen begrüßen, die in den letzten Jahren das Hoffen und Bangen um das neue Schulgebäude miterlebt hatten. Als Zeichen der Freude ließen sie jetzt zusammen mit den Wittekindshofer Schülern 248 gelbe Luftballons mit dem Motto „Gemeinsam Schule machen" in den Himmel steigen.
Geplanter Neubau war überall präsent
Beim Schulfest war der geplante Neubau für 150 Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen stark ausgeprägten geistigen und mehrfachen Behinderungen auf dem Wittekindshofer Gründungsgelände in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen überall präsent: er wurde gepuzzelt und aus Holzresten oder Pappkartons gebaut. Wer wollte, konnte die Baupläne studieren oder einen Stein mit guten Wünschen für die Modellschule beschriften, die gleichzeitig als große Spardose von Schülern vorbereitet worden war. Selbst auf dem großen Gemeinschaftskunstwerk, das später in der Schule aufgehängt werden soll, hatten Gäste die Schule in fröhlichen bunten Farben gemalt.
Vor allem Schülerinnen und Schüler mit schweren Mehrfachbehinderungen entpuppten sich als Baustoffprüfer. Charmaines Kraft reichte zwar nicht aus, um den dicken Backstein ganz allein festzuhalten, aber mit Unterstützung einer Lehrerin konnte sie ihn von allen Seiten betasten und fand auch Gefallen an dem vergleichsweise fliegenleichten Dämmstoff oder dem dicken Vorschlaghammer. Vor allem am Restholzstand entstanden phantasievolle Schulen mit riesigen Türmen, schiefen Fassaden und viel Liebe zum Detail mit einem Bett mitten im Klassenzimmer, großen Balkonen und Klettergerüsten. Die Vertreter aus dem Bielefelder Architektenbüro Alberts studierten die Kinderwünsche genau, aber griffen dann selbst lieber zum kleinen Schulmodell, das ihren eigenen Plänen sehr ähnlich war. In den letzten Wochen hatten Schüler im Unterricht diese Modelle als praktische Kartenständer für den Schreibtisch gebaut, um nach dem Motto „Scheine für Schule" selbst Geld für den Schulneubau zu sammeln. Denn auch die Schüler hatten Ende Mai nicht nur die gute Botschaft gehört, dass nach jahrelangem Warten jetzt wirklich ein neues Schulgebäude gebaut werden kann, sondern auch, dass noch mehr als 2 Millionen Euro Spenden für die Ausstattung und die Gestaltung des Außengeländes benötigt werden.
Bei strahlendem Sonnenschein wurde auf dem Schulhof Wirklichkeit, was im neuen Schulgebäude Alltag werden soll: das unbehinderte Miteinander von Schülern mit und ohne Rollstuhl, was bisher aufgrund eines fehlenden Aufzuges und Platzmangels kaum möglich ist. Am Airtramp, einem aufblasbaren Trampolin, stand ein Lifter bereit, um auch größere Jugendliche aus dem Rollstuhl heben zu können. Einige konnten gar nicht genug davon bekommen, immer wieder hoch geschleudert zu werden, wenn Mitschüler neben ihnen kraftvoll, aber umsichtig sprangen. Die strahlenden Gesichter auf beiden Seiten machten der Sonne Konkurrenz.
Der Förderverein der Schule Wittekindshof servierte im Lehrerzimmer über sechs Stunden lang Kuchen und Torten in einer nicht zu überbietenden Vielfalt, die Eltern und viele andere Freiwillige gebacken und Bäckereien gespendet hatten. Das Programm des Schulfestes wurde abgerundet mit Trommel- und Tanzvorführungen der Wittekindshofer Schüler, der Big Band des Mindener Bessel-Gymnasiums, Kletterturm und Riesenrutsche, Ponyreiten, Phantasiereisen für alle Sinne, einem Tastparcours, Kinderzauberer Samoti und Ballon Elly, die im Handumdrehen Luftballons in Tiere verwandelte, sowie der Versteigerung einer vom Marktkauf Löhne gestifteten Ballonfahrt. Tatkräftig unterstützt haben das Schulfest rund zwanzig Schülerinnen und Schüler der Pädagogik-Leistungskurse des Söderblom-Gymnasiums in Espelkamp und weitere Freiwillige aus dem Bessel-Gymnasium in Minden.