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Sie sind hier: Startseite › Presse und Materialien › Pressemitteilungen › Plädoyer gegen Benachteiligung und Gefährdung von Menschen mit Behinderung
Bad Oeynhausen (AM). „Wenn ein Mensch, der gemocht und geliebt wird, vor seiner Zeit eines gewaltsamen Todes sterben muss, dann reißt ein Loch in unser Leben, das nicht mehr zu füllen ist", erklärte Vorstandssprecher Pfarrer Professor Dr. Dierk Starnitzke in der Predigt zum Gedenkgottesdienst für die Wittekindshofer Opfer des Nationalsozialismus. Das gilt heute zum Beispiel beim plötzlichen Tod eines Jugendlichen durch einen Verkehrsunfall. Aber auch die mindestens 358 wahrscheinlich jedoch weit über 400 behinderten Menschen, die 1940/41 zusammen mit über 500 weiteren Bewohnern aus dem Wittekindshof abtransportiert und im Rahmen der nationalsozialistischen Euthanasiemaßnahmen getötet wurden, waren damals ebenso von ihren Angehörigen und manchem Betreuer im Wittekindshof gemocht und geliebt. „Den Schmerz und die Trauer über diese geliebten Menschen kann und sollte man als einzelner und auch als Gemeinschaft nicht verdrängen.", riet der Vorstandssprecher der Diakonischen Stiftung Wittekindshof. Es sei gut, sich an den Tod eines Menschen, den man geliebt habe, immer wieder zu erinnern und dabei das dunkle Loch der Trauer nicht zuzudecken. Deshalb habe der Gedenkgottesdienst für die Opfer der NS-Euthanasie seit Jahren auch einen festen Platz im Wittekindshofer Kalender.
Starnitzke zeigte in seiner Predigt anhand der Bibeltexte von Noah und der Sintflut, dass Gott den Menschen nach der Erfahrung des Bösen und des Todes neue Lebensmöglichkeiten eröffne. Das gelte auch nach den schlimmen Erfahrungen des Nationalsozialismus. Die Eröffnung neuer Lebensmöglichkeiten in den letzten 64 Jahren nach dem Krieg, sei aber für uns zugleich eine Verpflichtung, dafür zu sorgen, „dass in unserem Land nie wieder Menschen wegen ihrer Behinderung sterben müssen." Ausdrücklich betonte der Vorstandssprecher, dass das Leben von Menschen mit Behinderung auch heute noch von vielen Gefahren bedroht sei. Beispielhaft verwies er auf die Tötungen im Mutterleib nach pränataler Diagnose, Vernachlässigung von Kleinkindern bei vorliegender schwerer Erkrankung, die Benachteiligung behinderter Menschen bei dringend erforderlichen Organtransplantationen oder die Ausgrenzung aus der menschlichen Gemeinschaft von erwachsenen oder alten Menschen mit Behinderung. „Wenn Gott uns neue Lebensmöglichkeiten eröffnet, dann ist das für uns mit der Aufgabe verbunden aus den Erfahrungen der Vergangenheit zu lernen und mit voller Kraft dagegen anzukämpfen, dass Menschen mit Behinderung irgendwie in ihrem Leben benachteiligt und gefährdet werden," betonte der Vorstandssprecher und forderte die Gottesdienstgemeinde dazu auf, das gute Zusammenleben zwischen Menschen mit und ohne Behinderung vorbildhaft zu praktizieren.
Anlässlich des Gedenkgottesdienstes mit anschließender Kranzniederlegung am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus berichtete Vorstandssprecher Pfarrer Dr. Dierk Starnitzke, dass die Forschungsarbeiten zur Aufarbeitung der Wittekindshofer Geschichte gut voranschreiten. Professor Hans-Walter Schmuhl und Dr. Ulrike Winkler, die 2012 zum 125-jährigen Jubiläum des Wittekindshofes eine wissenschaftliche Forschungsarbeit vorlegen werden, haben bereits erste Zeitzeugeninterviews geführt und werden kirchliche und diakonische Archive auf Landes- und Bundesebene und das Wittekindshofer Archiv systematisch auswerten. „Durch den Forschungsauftrag wird Grundlagenarbeit geleistet, gleichzeitig vernetzen wir uns auf Bundes- und Fachebene mit anderen Einrichtungen, Fachverbänden und Arbeitskreisen, die sich bei der Aufarbeitung der Geschichte der Sozial- und Behindertenarbeit engagieren", erklärte Vorstandssprecher Pfarrer Professor Dierk Starnitzke, der selbst in entsprechenden Arbeitskreisen und bei Fachtagungen aktiv mitarbeitet.