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Sie sind hier: Startseite › Presse und Materialien › Pressemitteilungen › Nicht einfach dasselbe wie die Väter tun: Diakonie ist Vermittlungstätigkeit
Zum Festgottesdienst trafen sich (v.l.): Pfarrer Prof. Dr. Dierk Starnitzke, Wittekindshofer Vorstandssprecher seit 2006, Pfarrer Erich Eltzner, Leiter des Wittekindshofes von 1980 bis 1998, und sein Nachfolger Pfarrer Horst Ritter.
Bad Oeynhausen/ Kreis Minden-Lübbecke/ Kreis Herford (AM). Drei theologische Leiter des Wittekindshofes waren neben vielen anderen Mitarbeitenden und Bewohnern zum Festgottesdienst in der Erlöserkirche in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der Diakonischen Brüder- und Schwesternschaft Wittekindshof gekommen: Pfarrer Erich Eltzner, Vorsteher von 1980 bis 1998, sein Nachfolger Pfarrer Horst Ritter und der seit 2006 amtierende Vorstandssprecher Pfarrer Professor Dr. Dierk Starnitzke. Letzterer griff in der Festpredigt ein Zitat ihres gemeinsames Vorgängers Pfarrer Dr. Johannes Klevinghaus auf, der von 1945 bis 1970 an der Spitze des Wittekindshofes stand und 1957 erklärt hatte: „Weil wir nicht einfach dasselbe tun können wie unsere Väter, weil wir die alten Aufgaben neu durchdenken und neu sehen müssen, werden sie auch auf neue Weise getan und dürfen wir Schritte voran tun." Das, was Pfarrer Klevinghaus anlässlich des 70-jährigen Bestehens des Wittekindshofes formuliert hatte, ist für Vorstandssprecher Starnitzke aktuell. Der umfassende Wandel der Behindertenhilfe und die Veränderungen im Wittekindshofes müssten mit einem Wandel im Grundverständnis der Diakonie einhergehen. Seiner Meinung nach müssten insbesondere die rund 1.500 Mitglieder der Brüder- und Schwesternschaft sich dafür einsetzen, „von einem Verständnis diakonischer Arbeit als untergebener Dienst am Nächsten zu einer Vermittlungstätigkeit auf Augenhöhe zu kommen."
Basis seiner Überlegungen waren ausführliche Forschungsarbeiten zum biblischen Diakonie-Begriff, der in der Regel mit Dienst übersetzt werde, aber in der eigentlichen Bedeutung mit Vermittlung wiederzugeben sei. Eine der zukünftigen Aufgaben der Diakonischen Brüder- und Schwesternschaft Wittekindshof sei es deswegen, sich an einem dreifachen Vermittlungsdienst zu beteiligen. Vermittlung sei nötig, um Menschen mit Behinderungen vor Ausgrenzung zu bewahren und ihnen Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft sowohl an neuen Standorten in verschiedenen Städten und Gemeinden in Westfalen, als auch am Gründungsort in Volmerdingsen zu ermöglichen. Aber auch der Zusammenhalt der Gesamtstiftung, die Einheit und Identität des Wittekindshofes sei nur durch Vermittlung zu sichern. Die Mitarbeitenden sehen sich nicht mehr wie früher fast täglich, sondern müssten den Kontakt und die Gemeinschaft bewusst suchen, weil sie oft viele Kilometer getrennt von einander ihren diakonischen Dienst an einem der Wittekindshofer Standorte in Westfalen leisteten.
Vermittlung habe nach Darstellung Professor Starnitzkes aber auch eine zeitliche Dimension, da die Identität des Wittekindshofes einerseits bewahrt werden und andererseits weiter entwickelt werden müsse. Gerade weil heute der diakonische Dienst in der Behindertenhilfe nicht mehr wie bei den Vätern getan werden könne, sei die Besinnung auf die eigenen Grundlagen und die eigene Herkunft wichtig, betonte der Vorstandssprecher, der in Personalunion auch Vorsteher der Diakonischen Brüder- und Schwesternschaft ist.
Hintergrund: Diakonische Brüder- und Schwesternschaft Wittekindshof
Die Diakonische Brüder- und Schwesternschaft Wittekindshof wurde am 18. Mai 1949 als Diakonische Brüdergemeinschaft Wittekindshof durch fünf Mitarbeiter gegründet. Am 28. November 1953 wurden die ersten Wittekindshofer Brüder durch den Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen; Ernst Wilm, als Diakone eingesegnet. Einmalig wurden 17 Männer aufgrund ihres langjährigen Dienstes im Wittekindshof als Diakone eingesegnet. Alle anderen absolvierten eine diakonisch-theologische Ausbildung zusätzlich zu ihren sonstigen fachlichen Qualifikationen. Im April 1954 wurde die Brüderschaft in die Deutsche Diakonenschaft und in die Brüderhaus-Vorsteher-Konferenz, heute Verband Evangelischer Diakonen-, Diakoninnen- und Diakonatsgemeinschaften in Deutschland (VEDD) aufgenommen. 1973 haben im Wittekindshof die ersten Frauen an der Diakonenausbildung teilgenommen, wurden 1975 eingesegnet, aber hatten zunächst nur Gaststatus in der Bruderschaft. Heute sind sie ebenso gleichberechtigte Mitglieder wie die Diakonischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die statt einer Diakonenausbildung eine Diakonische Sonderausbildung absolviert oder den Basiskurs Kirche und Diakonie besucht haben. Der seit 1994 gültige Name „Diakonische Brüder- und Schwesternschaft Wittekindshof" erinnert durch die auffallende Nennung der Männer vor den Frauen daran, dass die Wurzeln in einer männlichen Brüdergemeinschaft liegen.
60 Jahre nach Gründung gehören der Diakonischen Brüder- und Schwesternschaft Wittekindshof rund 1.500 Mitglieder an, darunter etwa 540 Diakoninnen und Diakone, sowie 560 Diakonische Mitarbeitende. Sie ist damit bundesweit eine der größten und bedeutendsten Gemeinschaften. Die überwiegende Mehrheit der Mitglieder befindet sich im aktiven Dienst an allen Standorten der Diakonischen Stiftung Wittekindshof in den Kreisen Minden-Lübbecke, Herford und Borken sowie im weiteren Münsterland und im nördlichen Ruhrgebiet. Viele der 300 Ruheständler der Gemeinschaft engagieren sich ehrenamtlich im Wittekindshof und in der Brüder- und Schwesternschaft.