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Bad Oeynhausen/ Minden/ Petershagen (AM). „Hauruck ist für uns kein Thema mehr", war das knappe Fazit einer Teilnehmerin des ersten Kinaesthetics-Grundkurs für Pflegende Angehörige, den die Diakonische Stiftung Wittekindshof in Kooperation mit Kinaesthetics Deutschland und der Pflegekasse der Barmer GEK veranstaltet hat. Geleitet wurde der Kurs von Diakon Michael Lilienkamp. Der 47-jährige Krankenpfleger hat vor elf Jahren seinen ersten Kinaesthetics-Kurs besucht und ist mittlerweile selbst Trainer. „"Wer sich um ein Familienmitglied kümmert, leistet oft Schwerstarbeit. Mit viel Kraft und Anstrengung wird der Partner vom Bett in den Rollstuhl gehoben oder die kranke Mutter zum Essen aufgerichtet. Wenn Menschen wie Paketstücke im Hauruck-Verfahren gehoben und getragen werden, sind Rückenschmerzen und Verspannungen die Folge", weiß Michael Lilienkamp aus eigener Erfahrung. Durch Kinaesthetics sollen pflegende Angehörige entlastet und hilfebedürftige Personen in ihrer Selbstwirksamkeit und Eigenaktivität unterstützt werden. „Wir suchen gemeinsam nach Bewegungsmöglichkeiten, durch die alle mehr Lebensqualität erfahren können", erklärt der Kinaesthetics-Experte und weißt auf ein praktisches Beispiel hin: „Wenn ihre Mutter im Sessel nach unten gerutscht ist, können Sie sie im Hauruckverfahren unter den Achsel fassen und mit viel Kraft nach oben ziehen. Ihre Mutter hat keine Selbstkontrolle über das, was mit ihr geschieht und meist sogar Schmerzen durch den unsanften Griff unter die Arme", erklärt der Kinaesthetics Experte und schlägt als Alternative vergleichbar einfache Handgriffe vor: „Zuerst werden die Füße ihrer Mutter näher an den Sessel gestellt, dann der Oberkörper vorsichtig nach vorne gebeugt. So können Sie ohne viel Kraft abwechselnd rechts und links mithelfen, mit der Hüfte Schritt für Schritt nach hinten zu rutschen." Dass die Methode funktioniert, konnten die Teilnehmer des Kinaesthetics Kurses selbst ausprobieren. Weil es einfacher gesagt als im individuellen Fall umsetzbar ist, war im Kurs immer Zeit, um selbst auszuprobieren, wie pflegende Angehörige und hilfebedürftige Person wirklich miteinander in Bewegung und miteinander und voneinander lernen können.
Das Ergebnis des ersten Kinaesthetics-Grundkurses für pflegende Angehörige hat eine Teilnehmerin in wenige Worte fassen können: „Ich habe gelernt, meinem Angehörigen die Zeit zu geben, die er benötigt, um die noch vorhandenen Bewegungsfähigkeiten einzusetzen. Davon profitiere auch ich, weil es für mich viel weniger anstrengend ist. Es ist für uns beide mehr Lebensqualität."
Die sieben Teilnehmer aus Bad Oeynhausen, Minden und Friedewald haben nach der erfolgreichen Teilnahme an den 21 Kursstunden ein Zertifikat bekommen, das sie berechtigt, an einem Kinaesthetics-Aufbaukurs für pflegende Angehörige teilzunehmen. Der nächste Kinaesthetics-Grundkurs für Pflegende Angehörige findet im Herbst an sieben Abenden (9., 15., 17., 22. und 25. November sowie 1. und 14. Dezember 2010) jeweils von 17 Uhr bis 20 Uhr im Sternensaal im Haus Bethanien auf dem Wittekindshofer Gründungsgelände in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen (Pfarrer-Krekeler-Straße 15) statt. Die Seminargebühren übernimmt die Pflegekasse der Barmer GEK für alle Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen. Mitglieder privater Versicherungen sollten wegen der Kostenübernahme Kontakt mit ihrer Versicherung aufnehmen. Für Unterlagen und das Zertifikat fallen Kosten in Höhe von 25 Euro an.
Den Kinaesthetics-Grundkurs für pflegende Angehörige erfolgreich abgeschlossen haben: Thorsten Eichmann, Ulrich Gohlke, Rita Habbe, Renate und Sandra Heybrock, Anke Lilienkamp, Else Schreiber, Waldemar und Regina Wysocki.
Anmeldungen und weitere Informationen:
Michael Lilienkamp
Tel.: (0 57 34) 61-22 50