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Jochen Peter (5.v.l.) mit Menschen, die ihn unterstützt und begeleitet haben: Karin Gäbler und Anja Kruse (Wittekindshof), Erika Conradi, Winfried Brempel, Gerhard Hallmann, Pfarrer Uwe Marczinzik, Hans-Werner Feldkötter und Rosemarie Möller.
Minden (AM). Als Jochen Peter vor über 30 Jahren aus dem Wittekindshof in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen nach Dankersen kam, hätte er das wohl noch nicht einmal zu träumen gewagt. Menschen aller Altersgruppen sagen Danke - manche mit einem liebevoll verpackten Geschenk, andere mit einer herzlichen Umarmung oder einfach mit Worten. Der trotz seiner Behinderung redegewandte Mann ist sichtbar gerührt.
Pfarrer Uwe Marczinzik erklärt in seiner kleinen Laudatio, dass er Jochen Peter immer für sein beachtliches Namensgedächtnis bewundert habe, das auch ihm oft eine Hilfe war: „Vielleicht bist Du einer der letzten Dankerser Bürger, der noch alle Menschen in Dankersen kannte!"
Am Ostermontag wurde Jochen Peter als Küster der evangelischen-lutherischen Kirchengemeinde Dankersen verabschiedet. Von seinen beiden Kollegen begleitet und unterstützt, hatte er jahrelang mitgeholfen, die Kirche und die Gemeinderäume für Gottesdienste und andere Gemeindeveranstaltungen vorzubereiten, und die Grünanlagen rund um das Gemeindezentrum und den Friedhof zu pflegen.
Älteren Gemeindegliedern hatte er regelmäßig Kassettenaufnahmen von Gottesdiensten gebracht und war dabei für manchen Menschen zu einem wichtigen Gesprächspartner geworden, wie der Gemeindepfarrer lobte. Jahrelang engagierte er sich im Kirchenchor und brachte sogar den Mut auf, die Gemeinde hin und wieder mit einem Sololied zu erfreuen.
Schon als zweijähriges Kind kam Jochen Peter in den Wittekindshof. Aufgewachsen ist er im Haus Morgenstern, wo er auch beengte Wohnverhältnisse, Schlafsäle und oft überlastetes Personal erleben musste. Aufgrund seiner vergleichsweise hohen Kompetenzen ist er als junger Mann nach Dankersen gekommen, um auf einem Bauernhof als Pferdejunge zu arbeiten.
Gerne erinnert er sich nicht an diese Anfangszeit. „Als ich es nicht mehr ausgehalten habe, bin ich zum Pastor gegangen und habe gefragt, ob er nicht Arbeit für mich hat", berichtet Jochen Peter. Der Zeitpunkt war günstig. Die Gemeinde hat Verstärkung im Küsterdienst gesucht und die damalige Küsterfamilie konnte ihm die Unterstützung bieten, die er beim täglichen Kochen über Wäscheversorgung und viele anderen Alltagsanforderungen benötigte.
„Für uns war es immer etwas besonderes Jochen Peter zu begleiten. Durch ihn haben wir erlebt, dass das selbstverständliche Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung gelingen kann. Engagierte Menschen haben in Dankersen Jochen Peter unterstützt und er hat sich mit seinen Gaben an vielen Stellen engagiert eingebracht. In Dankersen ist schon Inklusion gelebt worden, lange bevor das Thema in der Politik angekommen ist", freut sich Anja Kruse aus dem Wittekindshofer Familienpflegeteam.
Aufgrund akuter gesundheitlicher Probleme musste Jochen Peter schon im vergangenen Jahr deutlich kürzer treten. Hans-Werner Feldkötter, der Jochen Peter seit vielen Jahren als väterlicher Freund und gesetzlicher Betreuer unterstützt, berichtete, dass der Wittekindshof verschiedene Vorschläge gemacht habe, um im Notfall immer schnell Hilfe bekommen zu können.
Entschieden hat sich Jochen Peter für das Ambulant Unterstützte Wohnen in Minden und konnte bereits in seine neue eigene Wohnung in der Innenstadt umziehen. Um auch auf dem kurzen Weg nach Dankersen geschützt zu sein, hat ihm die Kirchengemeinde einen Gutschein für einen Fahrradhelm geschenkt. Besuche wird es aber auch andersherum geben. Mehrere Gemeindemitglieder haben schon angekündigt, dass sie gerne einmal Platz nehmen auf seinen neuen Balkonstühlen, die ebenfalls ein Abschiedsgeschenk waren.