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Gronau (AM). Lukas weiß was er will. Trommeln zur Begrüßung gefällt ihm nicht. Der fast Dreijährige will viel lieber kochen. In der Schublade unter dem kleinen Holzherd ist alles, was er braucht: Töpfe, Kochlöffel, Schneebesen und buntes Gemüse. Zufrieden rührt er und balanciert hochkonzentriert mit einem Kochlöffel die Zwiebel aus seiner Suppe. Er ist zufrieden und freut sich, als Christa Leuermann sich zu ihm setzt. Natürlich soll sie sofort mitkochen.
Jan, der große Bruder von Lukas, ist stolz. Lukas spielt, genauso wie er früher, ein bis zweimal in der Woche mit Christa. Heute weiß Jan, dass bei der Frühförderung viel mehr passiert. Vor mehr als zwölf Jahren war auch für Jan das Spielen das Wichtigste. Seine Mutter Anne Herker-Orthaus erinnert sich noch ganz genau an den ersten Besuch von Ulrich Teetz, den viel zu jung verstorbenen Leiter der Frühförderung Wittekindshof: Jan war ihr erstes Kind. „Er war ein bildhübsches kräftiges Baby mit blonden Locken, aber dann wurde er immer schwächer, entwickelte sich langsamer als andere Kinder. Es hat lange gedauert, bis bei Jan endlich der angeborene Herzfehler diagnostiziert und in einer achtstündigen Operation korrigiert war", berichtet die mittlerweile dreifache Mutter. „Dann kam Uli Teetz zu uns in die Wohnung. Zum ersten Mal mussten wir nicht mit Jan los, sondern jemand kam auf uns zu", erinnert sich Anne Herker-Orthaus erleichtert. Ihr war damals sofort aufgefallen, dass der Heilpädagoge seinen Arm nicht bewegen konnte: „Dieses Handicap war für mich der sichtbare Beweis, dass man auch mit einer Behinderung etwas aus seinem Leben machen kann."
„Es war eine schwere Zeit. Fast überall wo wir jetzt hinkamen, ging es nur um das kranke Herz und den schwachen Körper. Uli Teetz hatte einen ganz anderen Blick. Er hat sich wirklich für Jan interessiert, den ganzen Menschen, mit seinen Stärken und Vorlieben, nicht nur mit seinen Defiziten", erklärt Anne Herker-Orthaus. Damals war sie glücklich, endlich jemanden gefunden zu haben, mit dem sie ihre Begeisterung über ihren Sohn teilen konnte. Natürlich wollte sie alles für eine gute Entwicklung von Jan tun. Aber sie war überzeugt, dass noch mehr Trainieren und Therapieren nicht unbedingt mehr bringt: „In der Frühförderung konnte Jan bestimmen, seine Vorlieben zeigen, so wie heute Lukas, wenn er zielstrebig zum Spielherd krabbelt und die Trommel links liegen lässt. Die Kinder sind hoch motiviert, weil sie selbst etwas erreichen wollen. Gezielte Frühförderung gelingt im Idealfall spielend", ist die Mutter von zwei Jungen und einem Mädchen überzeugt.
Ob Lukas eines Tages auch, wie sein großer Bruder nach der Grundschule das Gymnasium besucht, ist Anne Herker-Orthaus zurzeit nicht wichtig. „Die beiden Jungen sind total unterschiedlich. Sie haben ganz verschiedene Handicaps und Vorlieben. Jeder soll seinen eigenen Weg finden", betont Anne Herker-Orthaus, die sich freut, dass die Frühförderung im Familienzentrum Wittekindshof jetzt Nachbar ist und sie mit Lukas nicht mehr nach Ahaus fahren muss.
Ein Riesenschritt hat Lukas vor kurzem bewältig, als er seinen Rollstuhl bekommen hat. Vom ersten Tag an ist er gut damit zurechtgekommen. Auch Kurven und Rückwärtsfahren sind kein Problem. Ein Riesenspaß ist der Flur im Familienzentrum Wittekindshof, den Lukas nach der Frühförderung als Rennpiste nutzt. Anne Herker-Orthaus hat jetzt einen neuen Entwicklungswunsch: dass Lukas deutlicher spricht: „Wenn er immer korrigiert wird, hat er bald keine Lust mehr zum Sprechen, wenn er aber im Spiel mit Christa merkt, das sie ihn nicht versteht, bemüht er sich. Dann hat er selbst ein Ziel vor Augen und spricht deutlich, weil er die Tomate für seine Suppe unbedingt braucht."
Jubiläum der Frühförderung Wittekindshof
Die Frühförderung Wittekindshof ist mehr als doppelt so alt wie Jan. Mit Ehemaligen, Eltern und allen anderen Interessierten feiert die Wittekindshofer Frühförderung mit ihre beiden Standorten in Ahaus und Gronau ihr 30-jähriges Jubiläum am kommenden Freitag, 19. Februar, in der Aula der Bischhöflichen Canisiusschule in Ahaus (Hindenburgallee 30): ab 17.30 Uhr mit einem Markt der Möglichkeiten, um 18.30 Uhr mit einem Vortrag und einer anschließenden Podiumsdiskussion mit Eltern, Medizinern, einem Theologieprofessor und einer Pädagogikprofessorin. Gäste sind herzlich willkommen.