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Dankeschön: Vorstandssprecher Prof. Dr. Dierk Starnitzke (li.) und der Wittekindshofer Künstler Uwe Jauch (Mitte) überreichen ein Original-Kunstwerk an Minister Guntram Schneider, der spontan erklärte , dass es im Ministerium aufgehängt werde..
Bad Oeynhausen/ Düsseldorf (AM). „Wir werden in Nordrhein-Westfalen die sozialen Standards für unser behinderten Mitbürgerinnen und Mitbürger und für ihre Familien nicht absenken", erklärte Guntram Schneider, Minister für Arbeit, Integration und Soziales des Landes NRW beim Empfang der Diakonischen Stiftung Wittekindshof. Mit spontanem Zwischenapplaus dankten die rund 350 geladenen Gäste. Verknüpft hatte der Minister die Zusage mit dem Hinweis darauf, dass kein Bundesland das Leistungsniveau im Sozialbereich halten können, wenn sich nicht der Bund besonders in der Behindertenhilfe stärker als bisher auch finanziell engagiere.
Thematisch im Mittelpunkt des Empfangs stand das Thema Inklusion. Minister Schneider betonte, dass es nicht nur ein behindertenpolitisches Thema sei, sondern der „große gesellschaftspolitische Wurf der Vision einer solidarischen Gesellschaft" sein könne. „Inklusion ist der permanente Versuch, unsere Gesellschaft zusammen zu halten, trotz der Fliehkräfte, die jeden Tag zunehmen."
Ähnliche Gedanken verfolgte der Wittekindshofer Vorstandssprecher Pfarrer Professor Dr. Dierk Starnitzke und erklärte: „Wir stehen vor der Frage, ob es uns in den nächsten Jahren gelingt, die gesamte Gesellschaft von Exklusion auf Inklusion umzustellen. Es geht darum, dass jedem Menschen alle Türen unserer Gesellschaft offen stehen, egal ob er eine Behinderung oder eine Erkrankung hat, ob er aus einer anderen Kultur oder einem anderen Land kommt. Unabhängig davon, welchem Glauben jemand angehört oder welches Geschlecht oder welche sexuelle Präferenz er hat. Ob er eine geordnete Herkunftsfamilie oder eine gute Ausbildung hat oder nicht", so Starnitzke.
In seiner Rede kritisierte der Wittekindshofer Vorstandssprecher, dass das Sozialsystem überfrachtet sei mit Regelungen, Verordnungen und Verfahren, die Geld und Kraft an falscher Stelle binden. So würden bei der Umgestaltung traditionsreicher Wohnheime in individuelle Unterstützungsangebote allein durch Brandschutz und Sicherheitsbestimmungen „Millionen Euro in Steine statt in Menschen investiert".
Die Weiterentwicklung würde behindert, weil alte Gebäude, die nicht mehr genutzt werden können, durch jahrzehntelange Eintragungen und Zweckbindungen nicht abgerissen werden dürften. „Das drückt eine Einrichtung wie den Wittekindshof, der sich von der diakonischen Anstalt zum landesweit tätigen Inklusionsförderer entwickeln möchte, bis an die Grenze des Leistbaren", erklärte Starnitzke. Er ist überzeugt, dass durch Deregulierung der Sozialarbeit viel Sparerfolg möglich sei. „Lassen sie uns nicht an qualifizierten Mitarbeitern sparen. Die brauchen wir schon morgen", betonte Starnitzke vor den rund 350 Gästen, zu denen auch der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Dr. Wolfgang Kirsch, der westfälische Präses Dr. h.c. Alfred Buß, Landesbischof Dr. Karl-Hinrich Manzke aus der Landeskirche Schaumburg-Lippe, der Landesbehindertenbeauftragte Norbert Killewald sowie mehrere Landräte, Bürgermeister, Bundes- und Landespolitiker, Wirtschaftsvertreter, Förderer sowie Superintendenten gehörten. Der Vorstandssprecher erklärte, dass die Refinanzierung der erbrachten Sozialleistungen ein echtes Problem sei, weil schon seit Jahren die prozentuale Erhöhung der Vergütungssätze nicht den Tarifsteigerungen der Mitarbeitenden entspreche.
Landrat Dr. Ralf Nierman erklärte, dass der Wittekindshof traditionell zu den wichtigen Säulen des Zusammenlebens im Mühlkreis gehöre. Die Förderschule und die Interdisziplinäre Frühförderung seien mittlerweile etablierte Angebote, bei denen die Diakonische Stiftung und der Kreis gut zusammenarbeiten. Neu hinzugekommen sei seit kurzem die Autismusambulanz, die sich aus den Erfahrungen der Frühförderung entwickelt habe, um Kinder und Jugendlichen und ihren Familien mit Autismusspektrumsstörungen spezielle Unterstützung und Beratung anbieten zu können. „Mir zeigt das einmal mehr, dass der Wittekindshof konsequent nach Lösungen sucht im Sinne der Menschen", so Niermann.